Nitratbelastung

Gewässerschutz und intensiver Ackerbau im Einklang

Zwischenfrucht Euerfeld 1
Dr. Nadine Jäger, Regierung von Unterfranken
am Donnerstag, 22.04.2021 - 09:18

Im letzten Jahr wurde ein Herbst-Nmin-Monitoring in Unterfranken gestartet, die ersten Ergebnisse helfen dabei, geeignete Maßnahmen zu finden – und zeigen, dass sich intensiver Ackerbau und Gewässerschutz nicht ausschließen.

Die im Dezember erfolgte neue Ausweisung der roten Gebiete und die damit verbundenen Auflagen sind in aller Munde und betreffen in manchen Landesteilen viele Landwirte. So auch in Unterfranken. Der Ausweisung liegen zu hohe Nitratwerte im Grundwasser zugrunde. So stellt sich die Frage, wie man dagegen möglichst zielgerichtet und effizient vorgehen kann. Das betrifft alle Landwirte – denn langfristig haben alle das Ziel, dass von seinen Flächen kein übermäßiger Nitrataustrag erfolgt und sie nicht Teil der Kulisse der roten Gebiete sind. Also ist es wichtig zu ermitteln, wo Handlungsbedarf besteht.

Auf der Suche nach wirkungsvollen Maßnahmen

In den Trinkwassereinzugsgebieten arbeiten Wasserversorger schon seit vielen Jahren mit einem Herbst-Nmin-Monitoring. Dabei werden nicht wie für die Düngeempfehlung Bodenproben im Frühjahr gezogen, sondern im Herbst. So kann man feststellen, wie hoch der verbliebene Stickstoff im Boden ist. Ist dieser Wert hoch, kommt es ganz besonders auf wirkungsvolle Maßnahmen an.

Aber welche sind das?

  • Als erstes sind hier die Zwischenfrüchte zu nennen. Je besser und je länger die Zwischenfrucht steht, desto besser wird ein Stickstoff-Überhang aufgenommen. Es ist also wichtig, dass sich die Zwischenfruchtbestände gut entwickeln – und dass sie möglichst lange, mindestens bis Januar, stehen.
  • Darüber hinaus spielen auch noch die Bodenbearbeitung,
  • die Fruchtfolge und
  • die Ertragsstabilität eine Rolle.

Nach dem Pflügen steigen Werte vorübergehend an

Probenahmegerät3

Um mehr über die Wirkung der verschiedenen Maßnahmen zu erfahren, hat die Regierung von Unterfranken im vergangen Sommer mit einer Pilotgemeinde ein Herbst-Nmin-Monitoring begonnen – und zwar in einem intensiv ackerbaulich genutzten Gebiet in der Nähe von Würzburg, in der Ortschaft Euerfeld. Dazu gab es eine Informationsveranstaltung – und danach waren fast alle Landwirte im Boot. So fand im November die erste Probenahme durch den Erzeugerring für pflanzliche Qualitätsprodukte statt. Es folgten zwei weitere Probenahmetermine, da auf jedem Feld die sechswöchige Bodenruhe nach tieferer Bodenbearbeitung eingehalten werden sollte. Beachtet man das nicht, sind die Werte unverhältnismäßig hoch, weil die Mineralisation durch die Bodenbearbeitung angestoßen wurde und das Nitrat erst wieder gebunden werden muss.

Pilotprojekt mit über 440 Feldstücken

Das Projekt wurde in der Folge weiter ausgeweitet – und zusammen mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Landesanstalt für Landwirtschaft wurden dann auf über 440 Äckern in Unterfranken in verschiedenen Gemarkungen Proben genommen. Die Proben wurde dann im Labor der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim analysiert.

Nitrat

Für die beprobten Flächen in den Gaulagen sah das Ergebnis wie in untenstehender Abbildung dargestellt aus. Hier werden die Nmin-Werte in 0 bis 90 cm differenziert nach Vorfrucht dargestellt, wobei die tiefste Schicht (60 bis 90 cm) rechnerisch ermittelt wurde. Klar zu erkennen sind die aus Gewässerschutzsicht hervorragenden Vorfrüchte Sojabohne und Sommergerste. Beide Früchte hinterlassen bezüglich Nitrat üblicherweise einen leeren Boden.

Unter all den Maßnahmen hat sich die Zwischenfrucht als beste für den Gewässerschutz herausgestellt. Nebenbei fördert sie auch noch Bodenfruchtbarkeit, baut Humus auf, erhöht die Biodiversität und beugt Erosion vor.

Die Ergebnisse – von erwartet bis überraschend

Erstaunlich ist der hohe Wert nach Zuckerrüben. Normalerweise sollte nach Zuckerrüben ebenfalls der Acker leer sein, denn Zuckerrüben zählen auch zu den vorteilhaften Vorfrüchten. Im Mittelfeld hält sich das Getreide (hier Dinkel, Weizen und Wintergerste). Für Dinkel und Wintergerste liegt das Düngeniveau üblicherweise etwas niedriger und die Nmin-Werte sind demnach fast immer kleiner als beim Weizen. Gerade bei diesen Kulturen ist es dann aber ausschlaggebend, ob eine Zwischenfrucht gesät wurde.

Niedrigere Werte durch Zwischenfrüchte

In den Projektgebieten gab es teilweise wenige Zwischenfruchtfelder, weshalb eine statistische Auswertung schwierig war. Aber in einzelnen Gemarkungen waren die Nmin-Werte der Felder, die nach der Getreideernte mit Zwischenfrucht bestellt wurden, deutlich niedriger. Spitzenreiter beim Reststickstoff sind erwartungsgemäß Mais, Luzerne und Raps.

Hier gibt es bewährte Strategien für den Gewässerschutz. Bei Raps empfiehlt sich eine reduzierte Bodenbearbeitung nach der Ernte (Stichwort: nicht viermal grubbern!). Auch beim Mais kann der Nmin-Wert noch deutlich reduziert werden. Dazu gibt es verschiedene Maßnahmen wie Reihendüngung, Unterfußdüngung, langsam wirkende Dünger ohne Nitratanteil, Folgekultur in Mulch-/Direktsaatverfahren oder Untersaat.

Hohe Wert aber auch gute Bindung nach Luzerne

Bei der Leguminose Luzerne ist das Stickstoffsammeln durch die Pflanze Teil der Strategie. Insofern ist es nach einem Umbruch wichtig, dass möglichst stickstoffzehrende Früchte folgen und der Acker möglichst nur kurze Zeit brach liegt. Die Auswirkungen von Luzerne beim Nitrateintrag sind meist aber gering, da sie weit in der Fruchtfolge steht und insgesamt eine gute Bodenstruktur hinterlässt, die das Nitrat bindet.

Innerhalb einer Fruchtfolge kann durchaus auch ein schlechter Nmin-Wert auftreten, ohne dass das Wasser sofort gefährdet ist.

Hohe Erträge bedeuten hohen Entzug

Schlechter Ertrag oder für den Gewässerschutz ungünstige Fruchtfolgeglieder sind Teil der landwirtschaftlichen Realität. Wichtig ist aber, dass der Mittelwert über die Jahre nicht zu hoch ist und dass man sich bewusst macht, wie der eigene Betrieb zu bewerten ist.

In Baden-Württemberg wird seit vielen Jahren aktiver Grundwasserschutz über Herbst-Nmin-Untersuchungen betrieben. Im Main-Tauber-Kreis lag der Gesamtdurchschnitt für 2020 bei 52 kg Nitrat/ha. Wenn man etwas Ammonium hinzurechnet, ergibt sich ein durchschnittlicher Nmin-Wert von circa 56 kg Nmin/ha über alle Früchte und in 0 – 90 cm.

In den Gaulagen des Projektgebiets lag der Durchschnittswert bei 86 kg Nmin/ha und im Muschelkalk sowie im Gebiet Rhön und Grabfeld bei 70 bzw. 75 kg Nmin/ha. Diese Zahlen zeigen, dass es noch Verbesserungspotenzial gibt. Sie zeigen aber auch, dass es sehr wohl möglich ist, eine intensive ackerbauliche Nutzung mit dem Gewässerschutz zu vereinbaren. Das Ziel ist es jetzt, den Anbau von Zwischenfrüchten voranzubringen.

Fundierte Ergebnisse erst nach einigen Jahren

Das Projekt soll auch in diesem Jahr weitergeführt werden, denn nur über mehrere Jahre kann man ein fundiertes Bild bekommen. Ziel ist es, die Durchschnittswerte langfristig zu reduzieren und dabei auch die Nitratwerte in den Messstellen zu reduzieren.

Für den einzelnen Landwirt liefern Herbst-Nmin-Untersuchungen einen wertvollen Beleg zur Ausnutzung der Düngung und ermöglichen eine sehr gute Bewertung der von ihm ergriffenen Maßnahmen. Wir hoffen daher, dass wieder zahlreiche Landwirte an dem Projekt teilnehmen und bedanken uns bei denen, die sich 2020 bereits engagiert haben.