Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pflanzenzüchtung

Mit gentechnisch veränderten Pflanzen gegen Treibhausgasemissionen

Genmais
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 15.02.2022 - 11:11

Forscher der Universität Bonn und des Breakthrough Institute unterstreichen das enorme Potenzial der Gentechnik für das Klima.

Die Verwendung von gentechnisch veränderten (GV) Pflanzen in der Landwirtschaft bleibt umstritten, insbesondere in Europa. Umfragen zufolge befürchten viele Menschen, dass diese negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben könnten.

Eine neue Studie kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass gentechnisch veränderte Pflanzen tatsächlich gut für die Umwelt und insbesondere für das Klima sein könnten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einführung von GV-Pflanzen in der Europäischen Union (EU) die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren könnte. Die Studie von Wissenschaftlern des Breakthrough Institute in den USA und der Universität Bonn in Deutschland wurde kürzlich in "Trends in Plant Science" veröffentlicht.

Höhere Erträge vermindern den Flächenbedarf

Die Landwirtschaft ist für rund 25 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich. Ein großer Teil dieser Emissionen ist auf die Tierproduktion und den Einsatz von Düngemitteln zurückzuführen. Mehr als ein Drittel der Emissionen der Landwirtschaft wird jedoch durch Landnutzungsänderungen verursacht, insbesondere durch die Umwandlung von Wäldern und anderen Naturschutzgebieten in landwirtschaftliche Flächen, um die weltweit steigende Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln zu befriedigen. "Der Einsatz besserer Technologien zur Steigerung der Ernteerträge auf den bereits bewirtschafteten Flächen könnte diese Landnutzungsänderung und die damit verbundenen Emissionen reduzieren", sagt Studienautor Prof. Dr. Matin Qaim, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn.

Bestimmte Arten von gentechnisch veränderten Pflanzen – wie gv-Mais und Sojabohnen – werden in anderen Teilen der Welt, aber kaum in Europa angebaut. "Die Hauptgründe sind Fragen der öffentlichen Akzeptanz und politische Hürden", sagt Qaim.

Quaim erwartet, dass sich 33 Mio. t CO2-Äquivalente in der EU vermeiden lassen

In der neuen Studie verwendeten er und seine Kollegen vom Breakthrough Institute globale landwirtschaftliche Daten und Schätzungen der Ertragseffekte von GV-Pflanzen, um zu modellieren, wie sich eine verstärkte Technologieeinführung in der EU auf Produktion, Landnutzung und Treibhausgasemissionen auswirken würde.

Die Schätzungen deuten darauf hin, dass ein breiterer Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU die Freisetzung von 33 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten verhindern könnte, was 7,5 Prozent der gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen der EU aus der Landwirtschaft entspricht.

Amazonas-Regenwald könnte profitieren

"Die meisten dieser positiven Klimaeffekte sind auf reduzierte Landnutzungsänderungen zurückzuführen", sagt Dr. Emma Kovak vom Breakthrough Institute, die Erstautorin der Studie. Das Fazit des Forscherteams: "Die EU importiert viel Mais und Sojabohnen aus Brasilien, wo die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen zur Tropenabholzung beiträgt. Höhere Erträge in der EU könnten einen Teil dieser Importe reduzieren und so zum Erhalt des Amazonas-Regenwaldes beitragen."

Die Autoren betonen, dass sie in ihrer Analyse nur bereits existierende gentechnisch veränderte Pflanzen betrachten. "Neue genomische Züchtungstechnologien werden derzeit eingesetzt, um eine breite Palette neuer Nutzpflanzenanwendungen zu entwickeln, die in Zukunft zu zusätzlichen Vorteilen für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel führen könnten", sagt Matin Qaim. Der Agrarökonom ist Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs "Sustainable Futures" und Exzellenzclusters "PhenoRob - Robotics and Phenotyping for Sustainable Crop Production" an der Universität Bonn.

Publikation (Open Access)

Kovak, E., Blaustein-Rejto, D., Qaim, M.: Genetically modified crops support climate change mitigation. Trends in den Pflanzenwissenschaften, https://doi.org/10.1016/j.tplants.2022.01.004