Pflanzenzucht

Genscheren sind alles andere als neu

Obst
Agra-Europe
am Montag, 03.02.2020 - 09:30

Prof. Holger Puchta vom Karlsruher Institut für Technologie verteidigt CRISPR/Cas-Methode.

  1. Gernsheim - Die sogenannten neuen Züchtungsmethoden (NBT) sind alles andere als neu. Wie Prof. Holger Puchta vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bei der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen in Gernsheim feststellte, werden Genscheren bereits seit 30 Jahren angewendet. Und in der Natur habe es diese schon immer gegeben.

In den neunziger Jahren habe das Erstellen einer molekularen Schere allerdings ein halbes Jahr gedauert und 20 000 Euro gekostet. Der Unterschied zu heute sei: Mit CRISPR/Cas brauche man lediglich zwei Tage, und die Kosten beliefen sich auf ganze 20 Euro.

Puchta betonte, dass auch die Natur nicht stabil sei. Alles sei immer in Veränderung, und Mutation sei nichts Negatives. Die Pflanzenzüchtung habe diese schon immer genutzt. So handele es sich beispielsweise bei Blumenkohl, Weißkohl, Kohlrabi, Rosenkohl und Broccoli um „Monsterpflanzen“, denn sie seien aus einem einzigen genetischen Pool heraus gewonnen worden.

3000 neue Sorten durch Radioaktivität

Die Vielfalt sei durch „brutale“ DNA-Schädigung erreicht worden, erläuterte der Biologe. Die „Holzhammermethode“ der radioaktiven Bestrahlung gebe es seit gut 70 Jahren, führte der Wissenschaftler aus. Mutationen könnten auch durch chemische Substanzen hervorgerufen werden. Nur würden bei diesen Methoden viele Mutationen entstehen, auch schlechte. Mittels der radioaktiven Bestrahlung seien weltweit insgesamt rund 3000 neue Sorten entstanden, beispielsweise die kernlose Grapefruit und alle europäischen Braugersten; allerdings sei dies ein langwieriger Prozess.

Im Unterschied zur radioaktiven Methode werde die DNA mit CRISPR/Cas zielgerichtet verändert, erklärte Puchta. Hierbei wisse man schon nach einer Generation, ob das Ziel erreicht worden sei. Auf diesem Weg hoffe man derzeit, „die Banane zu retten“, der durch einen Pilz aktuell das Aussterben drohe.

Der Biologe wies auch mit Nachdruck darauf hin, dass die mit CRISPR/Cas durchgeführte Genomänderung nicht von einer natürlichen Mutation zu unterscheiden sei. Das CRISPR/Cas-System finde sich in ganz vielen Bakterien, also auch in unserem Körper. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sei daher wissenschaftlich gesehen „Unsinn“.