Grünland

Gefahr durch Maikäfer-Engerlinge

Dr. Ullrich Benker, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz
am Dienstag, 12.10.2021 - 14:28

2022 das nächste Hauptschadensjahr an. Drohen erneut ähnliche Schäden wie 2019 am Jochberg und im Bayerischen Wald?

Engerling

Betroffenen Landwirten ist das schlimme Hauptschadensjahr 2019, verursacht durch den Fraß von Feldmaikäfer-Engerlingen, noch vor Augen. Die Wiesen im Bayerischen Wald und am Jochberg im Berchtesgadener Land sahen verheerend aus. Die Grasnarbe hatte durch das Fehlen von Wurzeln keinen Halt mehr. Oberirdisch konnte man über die Vegetationsperiode hinweg das fortschreitende Absterben der Gräser und Kräuter verfolgen. Die Landwirte konnten kaum Grundfutter auf den eigenen Flächen ernten und mussten Futterballen zukaufen.

Nach dem Zyklus des Maikäfers steht 2022 das nächste Hauptschadensjahr an. Drohen erneut ähnliche Schäden? Was kann man tun?

Rückschlüsse aus der Saison 2021

In diesem Jahr fand in allen Befallsgebieten Bayerns trotz der räumlichen Trennung ein Hauptflugjahr des Feldmaikäfers statt. Nach der Paarung und der Eiablage, vorwiegend im Erdreich von Grünland, haben sich im Frühsommer zunächst das 1. Larvenstadium und bereits Ende Juli 2021 das frühe 2. Larvenstadium ausgebildet.

Die Engerlinge des 1. Stadiums sind nur wenige Millimeter groß, ernähren sich von Humus-Bestandteilen und können im Boden leicht übersehen werden.
Die Engerlinge des 2. Stadiums sind aber bereits nach wenigen Tagen, an denen sie Wurzeln gefressen haben, etwa 13 mm groß, so dass sie gut erfasst werden können.

Schadschwelle von 40 Engerlingen je Quadratmeter

Ein Monitoring wurde ab Anfang August 2021 im Bayerischen Wald begonnen, um bereits im Herbst 2021 das Gefährdungspotential für das Hauptschadensjahr 2022 einschätzen zu können. Es sollen das exakte Befallsgebiet mit seinen Außengrenzen und die genaue Befallsstärke ermittelt werden. Zwei Monitoring-Teams, finanziert vom StMELF und betreut von den Ämtern in Regen und Passau, sind in den Landkreisen Regen, Freyung-Grafenau, Passau und Deggendorf im Einsatz. Sie sollen umfangreiche Daten mittels Bodengrabungen zur Befallssituation auf den Flächen gewinnen.

Das Monitoring läuft bis ca. Mitte Oktober und ist stark vom Verlauf der Witterung abhängig. Bei länger andauernden kühlen Tagen würden die Engerlinge in tiefere Bodenschichten abwandern und die Grabungen wären dann zu arbeitsaufwändig und würden kaum mehr Ergebnisse liefern. Die Schadschwelle für Maikäfer-Engerlinge im Grünland ist seit vielen Jahren bei 40 Engerlingen je Quadratmeter festgelegt. Wird die Schadschwelle überschritten, ist 2022 mit starken Schäden bis zum Totalausfall auf einem Großteil der Flächen zu rechnen. Erste Ergebnisse des Monitorings zeigen, dass die Schadschwelle vorwiegend in den bereits bekannten Hotspots des Bayerischen Waldes, also im Bereich der Orte Breitenberg, Wegscheid, Sonnen, Hauzenberg, Neureichenau und Jandelsbrunn, mit 60-100 Engerlingen/m2 stark bzw. erheblich (mehr als 100 Engerlinge/m2) überschritten wurde. In den Außenbereichen nahmen dagegen die Engerlingswerte deutlich ab.

Mechanische Bodenbearbeitung zur Bekämpfung

Zur Bekämpfung von Maikäfer-Engerlingen sind in Deutschland keine biologischen oder chemisch-synthetischen Präparate zugelassen. Die einzige wirksame Bekämpfungsmethode ist die mechanische Bodenbearbeitung, wenn die Engerlinge direkt unter der Grasnarbe sitzen. Mit dem Einsatz von Fräse, Kreiselegge, Zinkenrotor oder Scheibenegge kann die Population der Engerlinge unter die Schadschwelle gedrückt werden. Der Nachteil ist die damit einhergehende Zerstörung der Grasnarbe. Eine anschließende Grünlanderneuerung mit geeigneter Nachsaat ist immer erforderlich.

In Gesprächen mit Vertretern des Bayerischen Bauernverbandes und der Naturschutzverbände sowie mit Ministeriums- und Ämterkollegen sollen mit den konkreten Ergebnissen aus dem Monitoring noch vor dem Winter Lösungswege aus dem Dilemma gefunden werden. Am Jochberg im Berchtesgadener Land zeigten die Monitoring-Ergebnisse von Mitte September 2021, dass das Hauptschadensjahr 2022 zumindest dort glimpflich ausgehen wird.