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Pflanzenbau

Futterleguminosen im Klimawandel

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Vanessa Englhart, LfL Pflanzenbau
am Dienstag, 22.03.2022 - 11:00

Der Klimawandel kann unsere Kulturen stark beeinträchtigen – richtig angebaut, können Futterleguminosen ihre Vorteile ausspielen.

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Auch – beziehungsweise gerade – in Zeiten des Klimawandels sollte ein verstärktes Augenmerk auf kleinkörnige Leguminosen gelegt werden. Sie verbessern nicht nur das Bodengefüge, helfen Unkraut zu unterdrücken, binden Stickstoff, liefern heimisches Eiweiß für die Fütterung und tragen zu einer größeren Biodiversität bei, sondern haben auch noch einen weiteren wichtigen Vorteil. Nämlich ihre Toleranz im Zusammenhang mit dem Voranschreiten des Klimawandels.

Für die Landwirtschaft sind vor allem die Auswirkungen des Klimawandels auf die Höhe und die Stabilität der Erträge wichtig. Denn durch häufigeres Auftreten von längeren Trockenphasen, ist eine deutliche Variabilität der Ertragsentwicklung zu erwarten. Wassermangel im Frühjahr, kombiniert mit hohen Temperaturen, lässt vor allem auf leichten und flachgründigen Böden die Erträge deutlich einbrechen.

Trockenstress und Futterqualität

Negative Effekte des Klimawandels, wie Trockenstress und Hitzewellen können zumindest teilweise über einen steigenden CO2-Gehalt ausgeglichen werden. Denn die Wassereffizienz der Pflanzen steigt und damit wird auch das Pflanzenwachstum positiv begünstigt. Außerdem bewirkt die Zunahme des CO2-Gehaltes eine erhöhte Photosyntheseaktivität. Dadurch kommt es zu einem Anstieg von Kohlenhydraten, sowie zu einer Verringerung der N-Konzentration in der Pflanze. Auch in diesem Zusammenhang geht man davon aus, dass die Futterleguminosen im Vorteil sind: Nach Taube (2009) steigt die relative Konkurrenzfähigkeit von Leguminosen und krautartigen Pflanzen mit zunehmender Kohlendioxidkonzentration in der Luft an.

Bei steigender CO2-Konzentration wachsen nämlich die C3-Pflanzen (Leguminosen und Gras) gegenüber C4-Pflanzen (Mais) besser. Zudem können Leguminosen den Stickstoff aus der Luft fixieren und in einer N-Mangelsituation deutlich höhere Ertragsleistung bringen als Arten, die keinen Luftstickstoff binden können. Letzte Forschungsergebnisse deuten jedoch auch darauf hin, dass sich der positive CO2-Effekt mit zunehmender Konzentration langsamer entwickelt.

Auch bei fehlenden Niederschlägen haben tief wurzelnde Pflanzen wie Leguminosen oder Wurzelunkräuter einen erheblichen Konkurrenzvorteil. Die langen Wurzeln der Futterleguminosen ermöglichen eine bessere Ausnutzung der Bodenwasservorräte, auch in Trockenzeiten. die selben Vorteile haben aber auch die Wurzelunkräuter – damit sich Ampfer und Co. in Trockenphasen nicht so gut in den Lücken der abgestorbenen Gräser entwickln können, bieten sich Futterleguminosen-Gras-Gemenge an.

Die Art der Nutzung anpassen

Leguminoseanteile im Gemenge steigern die Produktivität und haben indirekt positive Effekte auf die Futterqualität. So hat z. B. der Weißklee auch unter Trockenstress bei Weidenutzung eine deutlich höhere Produktivität als die meisten Futtergräser und auch die Verdaulichkeit der organischen Masse (VOM) ist positiver zu beurteilen.

Bei Trockenstress und Schnittnutzung im Feldfutterbau hingegen ist vor allem der Rotklee von Bedeutung. Die relative Vorzüglichkeit der Luzerne nimmt aufgrund ihrer langen Wurzeln bei gut durchlüfteten Böden mit stärkerem Trockenstress und Schnittnutzung zu.

Bei Trockenstress zeigen Futterleguminosen ein höheres Blatt-Stängel-Verhältnis, was zu einer höheren Futterqualität (VOM) führt. Dabei ist zu beachten, dass extremer Trockenstress die VOM erhöht, moderater Trockenstress wiederum nicht.

Damit die Futterleguminosen ihre Vorteile auch ausspielen können, ist vor allem auf eine adäquate Nährstoffversorgung durch angepasste Düngemaßnahmen zu achten. Durch eine Unterversorgung mit Grundnährstoffen werden Stresssituationen für die Pflanzen erhöht und sie werden anfälliger.

Des Weiteren ist vor allem mit Blick auf den Klimawandel auf die Wahl standortangepasster und trockenheitsverträglicher Pflanzenarten bzw. -mischungen zu achten. Vor allem auf Standorten mit wechselhafter Wasserversorgung können Gemenge mit Leguminosen eine höhere Ertragssicherheit bieten.