Ertrag von Futterflächen

Futterbau: Erträge erfassen, um zu verbessern

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Maria Pechtl, Franz Worek, Stefan Thurner, LfL Landtechnik und Tierhaltung, Grub
am Donnerstag, 08.04.2021 - 09:15

Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten, die Erträge im Grünland zu erfassen. Doch in der Praxis werden sie noch wenig eingesetzt. Das Experimentierfeld DigiMilch zeigt den konkreten Nutzen der Ertragsdaten für den Landwirt auf.

Auf einen Blick

  • Die Herausforderung im Grünland und Feldfutterbau ist die Ertragserfassung bei jedem Schnitt.
  • Die einfachste Methode ist die Ertrags- und Feuchteermittlung am Feldhäcksler und künftig die satellitengestützte Schätzung.
  • Die Vorteile einer Feldhäcksler-Erfassung werden nur durch Datenanbindung an ein Farmmanagement Informationssystem (FMIS) ausgeschöpft.

Überblick über die Grünlanderträge

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Um einen guten Überblick über die betriebseigenen Grünlanderträge zu erhalten, sollten diese möglichst automatisiert erfasst werden.

Dafür gibt es neben den klassischen Verfahren, wie der Wiegung des Erntematerials über Fuhrwerks- oder Achslastwaagen, seit etlichen Jahren auch digitale Möglichkeiten.

Die Schwankungen bei den Erträgen im Grünland und Feldfutterbau können sowohl zwischen den Schnitten als auch zwischen den Flächen und Jahren enorm sein.

Die stetig steigenden Anforderungen an das Grobfuttermanagement verlangen eine fundierte Entscheidungsgrundlage, mit der der Landwirt ein ökonomisch und ökologisch effizientes und qualitativ hochwertiges Futter produzieren kann.

Wissenschaft und Industrie beschäftigen sich in diesem Kontext zunehmend mit der satellitengestützten Ertragsschätzung. Dabei werden die Erträge über Daten aus Satellitenaufnahmen in Kombination mit einem Wachstumsprognosemodell geschätzt. Die Daten aus den Satellitenaufnahmen werden kostenlos zur Verfügung gestellt, die anschließende Ertragsschätzung ist allerdings mit Aufwand und daher auch Kosten verbunden. Mit der satellitengestützten Ertragsschätzung können die Erträge auch teilflächenspezifisch und rückwirkend ermittelt werden. Erste Untersuchungen im Projekt DigiMilch zeigten vielversprechende Ergebnisse, weitere Tests werden vor allem auch unter sehr heterogenen und kleinräumigen Bedingungen durchgeführt.

Einfachste Methode mit dem Feldhäcksler

Die Verfügbarkeit solcher Ertragskarten, wie sie für ausgewählte Ackerkulturen bereits bestehen, wird in absehbarer Zeit steigen. Die Informationen lassen sich dann beispielsweise direkt in einem Farm Management Information System (FMIS) anzeigen.
Eine teilflächenspezifische Ertragsermittlung ist auch mit der sensorgestützten Ertragserfassung am Feldhäcksler möglich. Dies ist aktuell die einfachste in der Praxis umsetzbare Methode zur Ertragserfassung, welche das Experimentierfeld DigiMilch auf Praxisbetrieben demonstriert. Mithilfe der Volumenstrommessung an den Vorpresswalzen des Häckslers können die Frischmasseerträge bestimmt werden. Der Trockenmassegehalt wird mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIR) im Auswurfkrümmer erfasst. Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, ist eine regelmäßige Kalibrierung durch Referenzwägungen notwendig.
Wenn keine stationäre Waage vorhanden ist, können Systeme mit automatischer Kalibrierfunktion den Kalibriervorgang vereinfachen. Das sind beispielsweise Transportwagen, die mit einer mobilen Wiegeeinrichtung ausgestattet sind und die erfassten Daten automatisch an den Häcksler weitergeben. Ebenfalls möglich und in der Praxis häufig verfügbar, ist der Einsatz eines Futtermischwagens mit Wiegevorrichtung für die regelmäßige Kalibration der Volumenstrommessung zur Ermittlung des Frischmasseertrags.
Um anschließend mit den generierten Daten den Jahresertrag berechnen zu können, ist eine lückenlose sensorgestützte Ertragserfassung über alle Schnitttermine erforderlich. Dies ist in der Praxis jedoch häufig nicht umsetzbar. Fehlende Erfassungsmöglichkeiten oder alternative Bergetechniken ohne Sensortechnik bei einzelnen Schnitten sind keine Seltenheit. Dem kann durch eine Kombination von mehreren Methoden entgegengewirkt werden, wie beispielsweise die Ergänzung der Ertragserfassung am Feldhäcksler durch Daten aus satellitengestützten Schätzmodellen.

Landwirt muss einfach an seine Daten gelangen

Die Vorteile der sensorgestützten Ertragserfassung werden nur dann vollständig genutzt, wenn der Landwirt möglichst einfach an seine Daten gelangt und diese auch interpretieren und verarbeiten kann. Da nur wenige Landwirte selbst einen Feldhäcksler im Einsatz haben, werden die Ertragsdaten meist vom Lohnunternehmen übermittelt. Dies kann auf mehreren Wegen geschehen. Die umständlichste Variante dabei ist die Übermittlung der Daten als PDF-Datei, die allerdings häufig praktiziert wird.
Um die Daten vollumfänglich nutzen zu können, müssen diese in ein FMIS übertragen werden. Für den Landwirt bedeutet es zusätzlichen Arbeitsaufwand, wenn er die Ertragsdaten manuell in das System einpflegen muss. Alternativ können die Daten auch über einen externen Datenträger wie beispielsweise einen USB-Stick weitergegeben werden. Der Landwirt kann die Daten dann vom Stick über „drag and drop“ in das FMIS ziehen.
Der einfachste Weg ist die automatisierte Datenweitergabe vom Häcksler oder Lohnunternehmen über eine Datenaustauschplattform, wie beispielsweise dem Agrirouter, in ein FMIS. Der Agrirouter tauscht die Daten herstellerunabhängig zwischen Maschinen- und Agrarsoftwareanwendungen aus. Damit hat weder das Lohnunternehmen noch der Landwirt einen Aufwand mit der Datenbeschaffung und -weitergabe und der Landwirt kann schnell auf seine Ertragsdaten zugreifen.

ISO XML ist gängigstes Austauschformat

Das gängigste Datenformat für den Datenaustausch ist ISO XML. Dieses Format enthält alle wichtigen Parameter der Ertragsdaten wie Trockenmassegehalt, Inhaltsstoffe des Ernteguts, Kalibrierfaktoren und Einstellungen am Häcksler. Doch nicht alle Informationen im ISO XML-Format sind herstellerübergreifend definiert. Wichtige Parameter wie beispielsweise die Inhaltsstoffe, sind nach herstellerinternen, sogenannten proprietären DDI (Data Dictionary Identifier) verschlüsselt.

Das Verschlüsseln kann zu Problemen im Bereich der Schnittstellen zwischen den Systemen führen, da in proprietären DDI die Einheiten nicht definiert sind. Für die Anbieter von FMIS bedeutet das zusätzlichen Aufwand, da sie herstellerabhängige Importroutinen für beispielsweise die Inhaltsstoffe des Ernteguts implementieren müssen.
Sind die Ertragsdaten vollständig in ein FMIS eingepflegt, bietet dieses dem Landwirt viele Möglichkeiten zur Dokumentation und Datenanalyse. Aus einer Jahresertragskarte, die sich in einem FMIS erstellen lässt, können teilflächenspezifisch Erträge abgelesen und das Ertragspotenzial der Grünland- und Ackerflächen besser erkannt werden.
Ein wichtiges Thema ist auch die Düngebedarfsermittlung, die mit den gewonnenen Daten in einem FMIS einfach erstellt werden kann. Mit dem gewonnenen Wissen kann durch betriebs- und flächenindividuelle Maßnahmen, wie eine für die Einzelfläche angepasste Schnittnutzung, optimiertes Grünlandmanagement (z. B. Nach- oder Übersaat) oder eine gezielte Düngung, das Grünlandpotenzial besser nutzbar gemacht und/oder Kosten eingespart werden.

Teilnehmen am Experimentierfeld

Auch DigiMilch beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Datenanbindung an FMIS. Das Experimentierfeld möchte die Erfahrungswerte der Landwirte und Lohnunternehmer nutzen, um solche digitalen Anwendungen für den Nutzer verständlicher zu machen.
Um viele Erfahrungswerte sammeln zu können, führt DigiMilch eine deutschlandweite Umfrage durch. Den Link für die Umfrage finden Sie auf der Website www.lfl.bayern.de/digimilch und auf den Social-Media-Kanälen (www.instragram.com/digimilch und www.facebook.com/digimilch). Das Experimentierfeld freut sich auf Ihre Teilnahme – in der Folge wiederum profitiert die landwirtschaftliche Praxis.