Getreidebau

Enttäuschende Vollgerstenanteile

Getreide
Peer Urbatzka und Julia Saller, LfL Agrarökologie, Freising
am Donnerstag, 02.01.2020 - 11:55

Öko-LSV Sommergerste: Schmachtkörner und eine schwache Sortierung sind das Ergebnis der Trockenheit 2019.

Die Anbaueignung verschiedener Sommergerstensorten für den ökologischen Landbau wurde auch wieder zur Ernte 2019 geprüft. Gemeinsam mit den Landwirtschaftsämtern in Bayreuth und Regensburg hat die LfL die entsprechenden Sortenversuche an vier Standorten in Bayern angelegt. Gesät wurden insgesamt 14 Sorten, darunter vier neue. Die Saat erfolgte Anfang April.

An Standorten mit ausreichend Niederschlag im April und Mai wie beispielsweise in Kasendorf (Lks. Kulmbach) war die Jugendentwicklung gut und es entwickelten sich ordentliche Bestände. Andern­orts litten die Gersten bereits in dieser Phase und bildeten schwache Bestandesdichten.

Geringer Krankheitsdruck

Die hohen Temperaturen ab Juni mit nur einzelnen Schauern bremsten bestehende Krankheiten ein, der Krankheitsdruck fiel an allen Versuchsstandorten überwiegend gering aus. Heuer wurden die Pflanzen an drei Standorten mit Mehltau befallen. Insbesondere Avalon und Eunova zeigten eine hohe Anfälligkeit. Wie im Vorjahr trat im Frühsommer Zwergrost auf, da der Pilz warmes und trockenes Wetter bevorzugt. Hier erwiesen sich insbesondere die Ökozüchtung Odilia und Solist als anfällig.

Der Kornertrag fiel für die Witterung akzeptabel aus und lag mit Abstrichen in Mungenhofen (Lks. Regensburg) im Schnitt der letzten fünf Jahre. Allerdings war die Kornausbildung teils deutlich beeinträchtigt. Hiervon waren insbesondere die Versuche in Kasendorf und Berglern (Lks. Erding) betroffen. Das Tausendkorngewicht in Kasendorf war in den Vorjahren um ca. 50 % höher. Hieraus resultierte vor allem in Kasendorf und Berglern eine sehr schwache Sortierung: Der Vollgerstenanteil (Sortierung >2,5 mm) lag hier bei den langjährig geprüften Sorten im Schnitt bei nur 50 %. Üblicherweise werden von guten Braugersten Anteile über 90 % erzielt. Da der Vollgerstenanteil gewöhnlich der vermarktungsfähigen Ware entspricht, sind ökonomische Einbußen wahrscheinlich.

Höchste Vollgerstenanteile - und doch unbefriedigend

Crescendo und die neue Sorte Juventa konnten hier punkten, sie erreichten die höchsten Vollgerstenanteile – mit knapp 70 % waren aber auch deren Ergebnisse unbefriedigend. Leandra und den beiden neuen Sorten Focus und Prospect setzte die Witterung jedoch deutlich ärger zu: Der Vollgerstenanteil reduzierte sich sogar auf rund 40 %. Aber auch bewährte Sorten wie Avalon konnten ihren üblicherweise sehr hohen Vollgerstenanteil nicht halten und fielen ab.

Folge der schwachen Sortierung war ein geringer Vollgerstenertrag vor allem in Kasendorf, aber auch in Berglern. In Kasendorf fiel der Vollgerstenertrag mit knapp 60 % im Fünf-Jahresmittel gering aus. Andererseits erreichte der Vollgersten­ertrag in Mungenhofen (Lks. Regensburg) nahezu das Fünf-Jahresmittel. Hier lag der Vollgerstenanteil im üblichen Bereich, anscheinend haben die Niederschläge hier in den Sommermonaten ausgereicht.