In der Diskussion

Einschätzung zur alternativen Düngeverordnung

Güllefass
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 26.08.2021 - 11:06

In dem von Opperer und Dr. Wendland entwickelten Konzept für eine alternative Düngeverordnung findet BBV-Präsident Walter Heidl positive Ansätze, es schieße aber über das Ziel hinaus.

Der frühere Präsident der Landesanstalt für Landwirtschaft, Jakob Opperer, und der für Fragen zur Düngung zuständige ehemalige LfL-Mitarbeiter, Dr. Matthias Wendland, haben einen Alternativvorschlag für eine Düngeverordnung entworfen. Zentrales Element ist eine umfassende Stoffstrombilanz. Das Wochenblatl berichtete.

Heidl Walter-Portrait

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes hat eine Einschätzung dazu abgegeben:

Mit Blick auf die anhaltende Kritik der EU-Kommission an der deutschen Düngeverordnung sowie untragbare Änderungsvorschläge einzelner Akteure auf Bundesebene ist es bemerkenswert, dass mit Herrn Opperer und Herrn Dr. Wendland zwei mittlerweile pensionierte Fachleute über ihr Wirken an der Landesanstalt für Landwirtschaft hinaus im Wochenblatt Ausgabe 33 einen Alternativvorschlag zum Düngerecht in den Ring werfen.

Der Ansatz, die komplexen, häufig modellgestützten und teils praxisfernen Regeln zu vereinfachen, ist dringend notwendig, natürlich ohne dabei den Gewässerschutz aus den Augen zu verlieren. Es braucht hier aber Praxisbezug und Rückgrat seitens der Politik, wenn nach der Bundestagswahl das Düngerecht auf fachlich fundiertere Beine gestellt und unsinnige Zöpfe tatsächlich abgeschnitten werden sollen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass weitere Regulierungen nicht anstatt, sondern zusätzlich zu den bisherigen Vorgaben kommen. Dies wäre nicht tragbar. Konkrete Vereinfachungen und Streichungen bisheriger Regelungen lässt der Vorschlag leider offen. Alle Betriebe in die Stoffstrombilanz einzubeziehen ist völlig überzogen. Viel zu weitgehend ist eine generelle Umsteuerung der GAP-Direktzahlungen zum Zwecke der Düngung, wenngleich der Gedanke – nämlich Regionen mit besonders hohen Düngeauflagen zu unterstützen – weiter verfolgt werden sollte. Was fehlt, sind gerechtfertigte einzelbetriebliche Ausnahmemöglichkeiten beim konkreten Nachweis der dann regelgerechten Düngung und auch praktikable Instrumente für die Beratung.

Kurzum: Der von den Herren Opperer und Wendland aufgeworfene Ansatz, mehr auf Eigenverantwortlichkeit und einfache Regelungen zu setzen, ist positiv. Der Vorschlag birgt aber gleichzeitig Sprengstoff und schießt in einigen Punkten deutlich über das Ziel hinaus. Wenn er dazu beiträgt, tatsächlich den bürokratischen Aufwand zu verringern und das Düngerecht von rein ordnungsrechtlichen Maßnahmen hin zu eigenverantwortlichem zielorientierten Handeln der Landwirte zu entwickeln, wäre er als Alternative zu manchen hanebüchenen Überlegungen anderer Akteure aber eine vertiefte Diskussion wert.