Pflanzenbau

Düngeverordnung - die Technik steht auf dem Prüfstand

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Dr. Michael Diepolder Sven Raschbacher LFL, Agrarökologie
am Donnerstag, 20.09.2018 - 11:24

Gülle darf auf bestellten Äckern ab 2020 und auf Grünland ab 2025 nicht mehr breitflächig ausgebracht werden. Sind Schleppschlauch, Schleppschuh und Injektor der Weisheit letzter Schluss? Die LfL sucht Antworten.

Die Düngeverordnung (DüV), die am 2. Juni 2017 in Kraft getreten ist, sieht auch neue Vorgaben bei der Ausbringtechnik vor. So dürfen flüssige organische Düngemittel auf bestellten Ackerflächen ab 2020 und auf Grünland, Dauergrünland bzw. mehrschnittigem Feldfutterbau ab 2025 nur noch ausgebracht werden, wenn diese streifenförmig auf den Boden abgelegt oder direkt in den Boden eingebracht werden. Die breitflächige Ausbringung wird dann grundsätzlich nur noch auf unbestellten Ackerflächen (z.B. vor der Maissaat) mit entsprechender Einarbeitung erlaubt sein.

Bereits Ausnahmen auf den Weg gebracht

Dies bedeutet für viele bayerische Grünlandbetriebe in den nächsten knapp sechseinhalb Jahren eine Umstellung auf Schleppschlauch, Schleppschuh oder Injektion. Bestimmte Ausnahmen gibt es jedoch schon jetzt: So konnte Bayern in der Düngeverordnung auch Ausnahmemöglichkeiten für die Länder hinsichtlich der neuen Vorgaben der Ausbringtechnik verankern, um insbesondere klein- und mittelbäuerliche Betriebe zu entlasten.
Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) hat in einem ersten Vorschlag eine Befreiung aller Grünlandfeldstücke über 20 % Hangneigung aus naturräumlichen Gründen sowie eine Ausnahme aufgrund von agrarstrukturellen Besonderheiten für alle bayerischen Betriebe bis 15 ha LF vorgeschlagen. Es wurden darüber hinaus auch vom StMELF Forschungsprojekte in Auftrag gegeben, in dem weitere Alternativen im Hinblick auf die Emissionswirkung geprüft werden. Erst nach Vorliegen der Ergebnisse kann abschließend über mögliche weitere Ausnahmemöglichkeiten entschieden werden.
Natürlich bedeutet die neue geforderte Technik für viele bayerische Betriebe eine große Herausforderung, unter anderem in Bezug auf Investitionskosten, einzelbetriebliche Unabhängigkeit, Flexibilität, Schlagkraft, erhöhte Anforderungen bei Hangneignung und verdichtungsanfälligen Böden. So mancher Landwirt fragt sich: Wieso ist dies alles nötig und warum kann es nicht mehr wie früher weitergehen?
Der Grund dafür, knapp formuliert: Beim Einsatz flüssiger Wirtschaftsdünger muss mehr Stickstoff in die Pflanzen und deutlich weniger in die Luft gehen! Zu viel Ammoniak in der Luft hat negative Auswirkungen auf Klima, Gesundheit und Umwelt.

Ammoniak ist das Kernproblem

Leider stammt das meiste Ammoniak in der Atmosphäre aus der Landwirtschaft. Die in der DüV verlangte emissionsarme Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger trägt daher maßgeblich dazu bei, dass Deutschland seinen international vertraglich geregelten Verpflichtungen zur Begrenzung nationaler Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe nachkommen kann.
Bekannt ist seit langem, dass durch die bodennahe streifenförmige Ausbringtechnik, insbesondere durch Schleppschuh und mehr noch durch Injektion deutlich weniger Stickstoff in Form von Ammoniak in die Luft entweicht als bei Breitverteilungstechnik. Verminderte Ausbringverluste bedeuten mehr verfügbaren Stickstoff im Boden bzw. für die Pflanzen und damit letztendlich auch Einsparpotenzial für mineralischen Stickstoff.
Bei vielen Betrieben besteht jedoch noch Unsicherheit über Ertragseffekte bzw. Sorge über eventuelle negative Auswirkungen auf die Pflanzenbestände und erzielbare Futterqualitäten vom Grünland durch den Einsatz der neuen Technik. Dazu tragen vereinzelte kritische Rückmeldungen, zum Beispiel zum Aspekt Futterverschmutzung im Erntegut („Güllewürste“) bei Schleppschlauch und Schleppschuh mit bei. Neuere praxisnahe Forschungsergebnisse aus der Schweiz und aus Österreich sowie Rückmeldungen aus der Praxis deuten allerdings darauf hin, dass Futterverschmutzungen nur teilweise nachweisbar waren, bzw. vermeidbar sind.
Unstrittig ist die Umstellung auf die Technik eine große Aufgabe für die bayerische und gesamtdeutsche Landwirtschaft. Jedoch ist davon auszugehen, dass bis zum Umstellungszeitpunkt neben den bisher bekannten und etablierten Möglichkeiten weiter an einer Optimierung der Gülleausbringtechnik gearbeitet wird.

Fakten erheben und sauber absichern

Wichtig ist aber auch: Für die fachliche Absicherung von Empfehlungen zum optimalen Einsatz der nach DüV geforderten Technik sind für die bayerischen Betriebe weitere Untersuchungen sinnvoll. Dies gerade wegen der regional unterschiedlichen Gegebenheiten im bayerischen Grünland. Denken wir hier nur an die Niederschlagsverhältnisse, Pflanzenbestände und die Nutzungsintensität beispielsweise im Voralpenland und in Franken. Daher prüft die LfL seit 2017 am Spitalhof in Kempten und ab 2019 in Franken in mehrjährig angelegten Exaktversuchen technische Verfahren der Gülleausbringung auf Grünland. Dabei steht bewusst auch die von der Praxis geforderte Technik der Breitverteilung (z. B. Möschaverteiler) neben Injektion, Schleppschuh und Schleppschlauch, um objektive Ergebnisse zu bekommen. Zentrale Punkte sind hierbei Untersuchungen zur Nährstoffeffizienz, Bestandsentwicklung und zur Futterqualität bzw. Futterverschmutzung.
In Kempten kommt dabei eine neue Versuchstechnik zum Einsatz. Für Franken wurde diese nochmal weiterentwickelt (Foto). An das für Parzellenversuche geeignete, selbstfahrende, kompakte und wendige Güllefass mit Allradlenkung und Straßenzulassung (60 km/ha) wird an die Dreipunktaufhängung hinten die praxisübliche, auf Parzellenbreite angepasste Prüftechnik (Breitverteilung, Schleppschlauch, Schleppschuh, Injektion) angebaut. Diese kann schnell und einfach gewechselt werden. Das Gerät ist neben seinem Einsatz in Exaktversuchen auch als Transportfahrzeug, zum Beispiel mit Tieflader geeignet.

Sonderregelung bei Raps-Umbruch

In einigen Regionen war die anhaltende Trockenheit dafür verantwortlich, dass der Winterraps sehr lückig oder gar nicht auflief oder nach der Keimung wieder abstarb. Erfolgte zum Raps eine Düngung entsprechend der Vorgaben nach § 6 Abs. 9 DüV, stellt sich die Frage, welche Nachbaumöglichkeiten noch bestehen, wenn der Raps umgebrochen wird.

Bei Getreidevorfrucht ist hinsichtlich der Einhaltung der Vorgaben zunächst zu prüfen, ob Wintergerste angebaut werden kann. Besteht diese Möglichkeit nicht, ist ausnahmsweise auch die Aussaat anderer Kulturen (z. B. Winterweizen, Triticale) zulässig. Wenn die N-Düngung zu Winterraps nach ortsüblichen Bedingungen erfolgte und dann unabsehbar aufgrund der extremen Trockenheit der Stickstoff von der Kultur nicht verwertet werden konnte, wird in diesen Fällen der Nachbau von z. B. Winterweizen nicht als Verstoß gegen die Düngeverordnung geahndet.

Voraussetzung für Inanspruchnahme dieser Sonderregelung ist, dass der Raps tatsächlich ausgesät wurde. Der Saatgut-Zukauf ist zu belegen (z. B. Saatgutrechnung, Saatgut-Etikett). Es ist (formlos) zu dokumentieren, auf welchen Flächen der Raps umgebrochen und eine andere Kultur nachgebaut wurde. Die Richtigkeit bzw. Plausibilität der Angaben wird bei Kontrollen geprüft.