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Düngemittel

In Deutschland wird der Dünger knapp – wer hilft den Bauern?

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Olaf Zinke
am Donnerstag, 29.09.2022 - 15:21

Das hat massive Folgen für die Agrarproduktion und für die Versorgung der Bevölkerung.

Die deutschen Bauern haben deutlich weniger Dünger eingesetzt. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist Mineraldünger wegen der hohen Herstellungskosten (Gaspreise) extrem teuer. Viele Werke drosseln die Produktion oder schließen ihre Fabriken in Europa. Auf diese Weise werden die Produktion und das Angebot massiv gedrosselt.

Hinzu kommen zusätzliche Auflagen beim Einsatz von Mineraldünger und Pflanzenschutz im Rahmen des europäischen Green Deal. Die Folgen könnten nicht nur eine Mangelversorgung mit Dünger sein – sondern schlimmer: Der fehlende Dünger führt zu geringeren Erträgen und einem Rückgang der Produktion.

Druck auf die Nahrungsmittelversorgung

Damit wird nicht nur die Versorgung in Deutschland und Europa gefährdet, sondern auch die globale Nahrungsmittelkrise weiter angeheizt. Das gleiche gilt im Übrigen auch für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die ebenfalls zur Ertragssicherung enorm wichtig sind.

Aber die Politik setzt derzeit andere Prioritäten. Wahrscheinlich wacht man erst auf, wenn die Folgen bei der Versorgung der Bevölkerung spürbar sind. Die von den großen Düngerherstellern angekündigten Ammoniakimporte, kommen wahrscheinlich aus Ländern, wo die Produktion unter weniger strengen Umweltauflagen und vor allem erheblich günstiger erfolgt.

Das könnte im Übrigen auch ein Szenario für andere Industrien sein. Oder sie produzieren anderswo. Nur die Landwirte können nicht weg. So müssen weiter in Deutschland auf ihren Betrieben produzieren.

Dünger-Industrie schlägt Alarm – weitere Werksschließungen

Der Industrieverband Agar hat ebenfalls nachdrücklich auf die Folgen der aktuellen Energiekrise aufmerksam gemacht. Der Leiter Pflanzenernährung und Biostimulanzien im Industrieverband Agrar e. V. (IVA), Dr. Sven Hartmann sagte: „Die deutsche und europäische Düngemittel-Industrie steht angesichts der rekordhohen Energie- und insbesondere Gaspreise vor einer existenzbedrohenden Herausforderung – mit absehbaren negativen Folgen für die gesamte Gesellschaft.

Als besonders energieintensive Branche, die Erdgas nicht nur als Energieträger, sondern auch als wichtigen Rohstoff einsetzt, ist sie den Kostensteigerungen und dem Wettbewerbsdruck durch Importe aus energiebegünstigten Regionen besonders stark ausgesetzt. Die jüngsten Zahlen belegen, dass die Nachfrage über alle Nährstoffe hinweg vor allem aufgrund der hohen Preise massiv eingebrochen ist.

In der vorigen Woche hatte der größte europäische Stickstoffdünger-Hersteller Yara angekündigt, sein Werk in Belgien nahe der französischen Grenze zu schließen. Das würde die Versorgung am europäischen Markt – vor allen in Frankreich - um mehrere 100.000 Tonnen Dünger und Ammoniak reduzieren.

Zuvor hatten andere große Hersteller wie Piesteritz und BASF ihre Produktion drastisch reduziert.