Ernte 2021

DBV-Erntebilanz: Erwartungen bei weitem nicht erfüllt

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Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 27.08.2021 - 10:00

Die Vorernteprognosen stimmten zuversichtlich. Die Druschergebnisse zeichneten aber ein ganz anderes Bild. Hinzu kamen ständige Ernteunterbrechungen durch wiederkehrende Niederschläge, die sich auf die Qualität auswirkten.

"Wir Landwirte sind enttäuscht über die Ernte 2020/21", sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied auf der heutigen (27.08.2021) Erntebilanz 2021. "Die Erträge blieben hinter den Erwartungen und dem optischen Eindruck zurück." Den Grund sieht Rukwied in einer mangelnden Kornausbildung. Zur entscheidenden Phase Ende Mai/Anfang Juni braucht das Getreide Sonne für die Kornausbildung. Die kühlfeuchte Witterung hat hier zu einem schlechten Ergebnis geführt.

Weniger als im Vorjahr und im langfristigen Mittel

Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet in diesem Jahr mit einer Getreideernte von 42,4 Millionen Tonnen. Damit bleibt die Getreideernte rund eine Million Tonnen bzw. knapp 2 Prozent unter Vorjahr und 4,7 Prozent hinter dem Mittel der Jahre 2015 bis 2020 (44,2 Millionen Tonnen). Die Winterrapsernte beziffert der DBV auf 3,4 Millionen Tonnen.

Dies geht aus der vorläufigen DBV-Erntebilanz hervor, welche auf Daten aus den Landesbauernverbänden basiert. Da die Ernte witterungsbedingt nicht vollständig abgeschlossen ist, können sich die Zahlen noch geringfügig ändern.

Die bayerischen Zahlen fielen unterm Strich sogar noch schlechter aus - mit einer Einbuße von 7,4 Prozent gegenüber dem mehrjährigen Mittel.

Winterungen: Vor allem der Weizen drückt das Ergebnis

Für die einzelnen Kulturen legt der DBV die folgende Bilanz vor:
Winterweizen ist weiterhin die bedeutendste Getreideart im deutschen Ackerbau. Nach der vorläufigen Bodennutzungshaupterhebung des Statistischen Bundesamtes wurde Winterweizen zur Ernte 2021 auf einer Fläche von rund 2,8 Millionen Hektar angebaut. Dies entspricht einer leichten Steigerung zum Vorjahr von 4,4 Prozent. Im Bundesdurchschnitt wurde ein Ertrag von 7,3 Tonnen pro Hektar erzielt, womit der Vorjahresertrag in Höhe von 7,8 Tonnen pro Hektar unterboten wird. Auf Basis der aktualisierten Anbaufläche ergibt sich eine Erntemenge von 21,1 Millionen Tonnen (Vorjahr: 21,7 Millionen Tonnen).

Der Anbau von Wintergerste erfolgte auf einer Fläche von etwas mehr als 1,2 Millionen Hektar. Damit fällt die Anbaufläche minimal kleiner aus als im Vorjahr (gut 1,3 Millionen Hektar). Der Ertrag liegt im Bundesdurchschnitt bei 7,3 Tonnen pro Hektar (Vorjahr: 6,7 Tonnen pro Hektar). Damit schneidet sie auch besser ab als im 5-jährigen Mittel (6,8 t pro Hektar). In Summe wurden damit in 2021 ca. 9,1 Millionen Tonnen geerntet, was einer Steigerung von 3,7 Prozent oder etwa 325.000 Tonnen entspricht.

Der Winterroggen hält mit 631.000 Hektar in etwa das Niveau vom Vorjahr und die Fläche fällt erneut überdurchschnittlich aus (2015 bis 2020: 587.000 Hektar). Dieses Jahr wurde bei weitem nicht so viel Roggen zur Ganzpflanzenernte gehäckselt wie die letzten Jahre. Die Erntemenge von rund 3,5 Millionen Tonnen entspricht in etwa der des Vorjahres, der Ertrag von knapp 5,7 Tonnen pro Hektar liegt mit 2,8 Prozent etwas oberhalb des mehrjährigen Durchschnitts von 5,1 Tonnen pro Hektar.

Flächenrückgang bei den Sommerungen

Der Rückgang der Fläche des Sommerweizens fällt mit knapp 30 Prozent sehr drastisch aus. Die Fläche lag im Vorjahr noch bei ca. 420.000 Hektar, dieses Jahr waren es hingegen nur noch gut 300.000 Hektar. Da auch der Ertrag mit 5,1 Tonnen pro Hektar geringer ausfiel, beträgt die voraussichtliche Erntemenge nur noch 156.000 Tonnen und damit ganze 34,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Nicht ganz so stark, aber doch deutlich, reduzierten die Bauern den Anbau der Sommergerste. Sie wurde im Jahr 2020 noch auf einer Fläche von 363.000 Hektar angebaut, im Jahr 2021 sank dieser Wert auf 299.000 Tausend Hektar Die Erträge erreichen im Bundesmittel zwar wie in der letztjährigen Ernte rund 5,4 Tonnen pro Hektar, durch den geringeren Anbauumfang liegt die Erntemenge aber nur bei 1,9 Millionen Tonnen (Vorjahr: 1,8 Millionen Tonnen). Da die Sommergerste traditionell meist als Braugerste genutzt wird, ist es erfreulich, dass sich die Erzeugerpreise mit gut 240 Euro pro Tonne deutlich erholt haben (2020: 162 Euro pro Tonne).

Beim Raps wirkt sich schwierige Pflanzenschutzsituation aus

Die wichtigste Ölpflanze im deutschen Anbau ist Winterraps. Nach einem starken Rückgang des Anbaus in den Jahren zuvor steigt die Fläche wieder kontinuierlich an. Zur Ernte 2020 wurde Raps auf einer Fläche von 954.000 Hektar angebaut, dieses Jahr waren es schon 999.500 Hektar, was einem Anstieg von knapp 5 Prozent entspricht.

Das Fünf-Jahresmittel von 1,2 Millionen Hektar wird zwar immer noch verfehlt, die guten Preise und die global knappe Versorgung lassen jedoch eine weitere Steigerung der Anbaufläche erwarten. Die Rapserträge liegen mit 3,3 Tonnen pro Hektar allerdings leicht unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 in Höhe von 3,4 Tonnen pro Hektar. Neben den schwierigen Witterungsbedingungen liegt dies nach wie vor an den fehlenden Bekämpfungsmöglichkeiten wichtiger Rapsschädlinge. Diese lassen das Ertragsrisiko ansteigen und den gleitenden mehrjährigen Durchschnittertrag kontinuierlich sinken. Die Rapsernte fällt dementsprechend mit knapp 3,4 Millionen Tonnen etwas niedriger aus als im Vorjahr (3,5 Millionen Tonnen) und bleibt deutlich hinter dem mehrjährigen Durchschnitt von 4,1 Millionen Tonnen zurück.

Steigende Preise, von denen nicht alle profitieren

Die Preise haben im Gegensatz zum letzten Jahr deutlich zugelegt. Der Grund sind die stetig sinkenden Ertragserwartungen. Wurde Mitte des Jahres vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium noch eine Lageraufbau erwartet, so kommt es nun zu einem Lagerabbau. Deshalb steigen die Preise. Der Brotweizen liegt Ende August bei 219 Euro pro Tonne (August 2020: 160 Euro pro Tonne) und der Preis für die Futtergerste kletterte auf 193 Euro pro Tonne im Gegensatz zu nur 142 Euro pro Tonne im Vorjahr.

Beim Raps fällt die Steigerung mit rund 50 Prozent noch höher aus, inzwischen erlöst die Tonne 543 Euro und damit fast 200 Euro mehr als vor 12 Monaten. Die knappe Versorgung der Weltmärkte gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich die wirtschaftliche Situation der Ackerbaubetriebe von den vorangegangenen mageren Jahren zumindest ein wenig erholt.

Nachdem zur Risikominderung, ein Teil der Ernte über Vor-Ernte-Kontrakte abgesichert wird, sind für diese Verträge nur geringere Preise zu erzielen gewesen. Bei frühzeitiger Absicherung nach der letztjährigen Ernte waren 175 bis 180 € pro Tonne drin, jetzt sind es 215 bis 225 € pro Tonne. Bei Vorkontrakten waren damit nur geringere Preise zu erzielen.

Mais und Zuckerrübe: Ernte steht noch aus

Kulturen wie Mais, Zuckerrüben und Gemüse haben von den Sommerniederschlägen profitiert und stehen im Moment gut da. Auch der Grünlandaufwuchs ist in diesem Jahr gut.

Entscheidend wird nun die weiter Witterung sein. So braucht die Rübe Sonne für die Zuckerbildung.