Ernteausblick

Braugerste: Alle hoffen auf große Körner

Siedler
Karola Meeder Portrait 2019
Karola Meeder
am Donnerstag, 09.07.2020 - 14:10

Braugerste: Nachdem das trockene Frühjahr für dünne Bestände gesorgt hat, lässt der Juniregen auf eine gute Kornfüllung – und damit gute Qualitäten – hoffen.

Noch vor ein paar Wochen stand die heurige Braugerstenernte unter keinem guten Stern: Die Frühjahrstrockenheit bremste die Bestockung, die Gersten reduzierten ihre Nebentriebe. Das Ergebnis waren dünne, teils sogar lückige Bestände. Da dürften bei vielen Anbauern Erinnerungen an 2019 wach geworden sein – und mit ihnen die Befürchtung einer ähnlich schlechten Ernte. Die lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen: kleine Körner und zu hohe Eiweißgehalte.

Juni bringt Regen für die Kornfüllung

Mit dem Monatswechsel zum Juni, wendete sich aber das Blatt: Statt Hitze und weiterer Trockenheit wie 2019, hat es begonnen zu regnen – und zwar bayernweit. Damit kam das Wasser gerade noch rechtzeitig zur Kornfüllung. Auch wenn die Niederschlagsmengen sehr unterschiedlich ausfielen, sollte in jeder bayerischen Anbauregion genug vom Himmel gefallen sein, um auf eine gute Kornausbildung hoffen zu können – da sind sich die Fachberater einig.
Gemeinsam mit wichtigen Akteuren der Branche haben sie sich im Raum Landsberg am Lech zu einer Braugerstenrundfahrt getroffen – coronabedingt nur im kleinsten Kreis und ohne Praktiker. Statt mehreren regionalen Rundfahrten gibt es heuer nur diese eine gesamtbayerische Braugerstenrundfahrt – und damit die zu Hause gebliebenen Praktiker auch etwas davon haben, wurde die Rundfahrt vom Wochenblatt per Video festgehalten.

Neben dem ersehnten Regen gibt es zu 2019 noch einen weiteren wichtigen Unterschied: die moderaten Temperaturen. „Seit dem Regen hatten wir keinen Hitzetag“, erklärt Thomas Gerstmeier vom Landwirtschaftsamt Augsburg. Das ist ebenfalls positiv für die Kornausbildung. In seinem Dienstgebiet (Schwaben/Oberbayern West) stehen zwar dünne, aber homogene Bestände. „Insgesamt müssen wir hier, südlich der Donau, zufrieden sein“, ist er sicher – und deutet damit an, dass es weiter nördlich mehr Probleme gab.

Dr. Herbert Siedler vom Landwirtschaftsamt in Würzburg konnte dem nur zustimmen: „Im Grunde merken wir noch die Auswirkungen aus dem Trockenjahr 2018.“ Die Sommergerstenaussat 2020 erfolgte in Unterfranken rund um den 15. März in trockene Böden – zum Vergleich: Zur selben Zeit war wegen zu nasser Böden in Gerstmeiers Dienstgebiet „nicht an eine Saat zu denken“.

Laternenblütigkeit und Etagengersten in Franken

Aber zurück zur trockenen Saat in Unterfranken: „Besonders entscheidend für einen guten Feldaufgang ist in solchen Situationen die Bodenbearbeitung und die Saattechnik“, betonte Siedler. So habe man heuer gut beobachten können, dass überall dort, wo gut rückverfestigt wurde, der Aufgang gut war. Bei mangelnder Rückverfestigung ist die Gerste nur verzettelt aufgelaufen.

„Und das führt dann zu Etagengersten“, erklärt Siedler. Das bedeutet: Der eine Teil des Bestandes befindet sich derzeit im Ährenschieben, während der andere schon im Stadium der Milchreife angekommen ist. „Bei solchen Schlägen muss man rund drei Wochen länger mit der Ernte warten. Das geht schon, ist aber ein Geduldsspiel“, weiß Siedler.

Auch in Unterfranken sind die Bestände durch die Frühjahrstrockenheit ausgedünnt, durch den Juniregen „sollte die Kornausbildung aber eigentlich gut sein“, hofft Siedler. Neben der Etagengerste brachte er noch eine weitere Besonderheit aus Franken mit: Die Laternenblütigkeit bei der Wintergerste. Siedler schätzt, dass durch diesen Spätfrostschaden allein in Mittel- und Unterfranken 150.000 t Futtergerste fehlen.

Weil ein Teil davon sicherlich mit Sommergerste ausgegelichen wird, schätzt Siedler die heurige Braugerstenmenge aus Unterfranken auf rund 70.000 t – ohne Frostschäden an der Wintergerste wären es rund 100.000 t.

Auch Hans Pezold vom Oberfränkischen Braugerstenverein berichtete von den Frostschäden an der Wintergerste in seinem Gebiet – und ebenfalls von inhomogenen Beständen durch einen verzettelten Auflauf. „Ich hoffe, dass der Zwiewuchs in den Futtertrog wandert und die gute Ware in die Brauerei“, betonte er.

Geteilte N-Gaben für die Braugerste

Möglichst hohe Erträge bei guter Brauqualität – das hat auch Landwirt Norbert Schorer aus Schwabmünchen (Lks. Augsburg) zum Ziel. Dazu setzt er auf eine geteilte Stickstoffgabe zur Braugerste – vor zu hohen Eiweißgehalten hat er dabei keine Angst. „Durch den züchterischen Fortschritt bei den neuen Sorten ist das kein Problem“, ist er überzeugt. Er selbst setzt ausschließlich auf Accordine – mit ihr habe er in der Vergangenheit eher zu niedrige Eiweißgehalte produziert.

So ist er überhaupt erst auf die Idee einer geteilten Stickstoffdüngung gekommen – und mittlerweile davon überzeugt. „Manchmal bekommt die Braugerste auch drei mal Stickstoff“, erzählt er weiter. So eine Strategie teile sich dann in etwa auf in 70-60-20 kg N/ha.

Im Schnitt holt er mit dieser Strategie 80 bis 90 dt vom Hektar. „Weil wir aber im roten Gebiet sind, bremst uns da die Düngeverordnung wieder aus“, schiebt Schorer hinterher. Mit Blick auf die heurige Ernte ist er zuversichtlich – und hofft, so wie vermutlich alle, auf große Körner.

Drei neue Sorten in der Pipeline

Derzeit gibt es drei Sorten mit guten Chancen, bald eine in Bayern offiziell empfohlene Braugerstensorte zu sein. Damit eine Sorte aber amtlich zum Anbau als Braugerste empfohlen wird, muss sie gleich zwei Hürden überwinden: Zum einen muss sie im LSV mit ihren agronomischen Eigenschaften punkten und zum anderen braucht sie eine gute Malz- und Brauqualität – bescheinigt durch die Verarbeitungsempfehlung im Rahmen des Berliner Programms. Dr. Markus Herz von der LfL stellte die Sorten vor, die derzeit für die zukünftige Empfehlung geprüft werden:

  • Prospect: Die Sorte der Saatzucht Streng-Engelen wurde 2018 zugelassen und hat im Februar diesen Jahres die Verarbeitungsempfehlung erhalten. Mit einer mittleren bis guten Standfestigkeit, ihrem Mehltauresistenzgen (mlo) und der guten Einstufung bei Ramularia präsentiert sie sich bisher gut – ob sie es in die bayerische Empfehlung schafft, wird sich nach der heurigen Ernte zeigen.

Im letzten Jahr wurden vom Bundessortenamt fünf neue Sorten zugelassen – davon haben es zwei im Rahmen des Berliner Programms „in die nächste Runde“ – also in die Praxis-Großversuche – geschafft.

  • Amidala: Die Sorte hat sich in punkto Qualität durchaus bewährt und weist eine gute Krankheitsresistenz auf. Die Ramularia-Einstufung muss erst noch im Rahmen der bayerischen Versuche erfolgen – denn dieses Kriterium wird bei der Einstufung des Bundessortenamtes nicht berücksichtigt. Ihr Ertragsniveau ist überdurchschnittlich.
  • KWS Jessy: Diese Sorte ist etwas früher als Amidala und bildet sehr hohe Bestandesdichten. Sie hat eine gute Mehltauresistenz und liegt im Kornertrag – bei guter Qualität – auf hohem Niveau.

Übrigens haben die neuen Sorten alle RGT Planet im Stammbaum – das ist der ertragliche Überflieger unter den Gerstensorten, der allerdings keine Verarbeitungsempfehlung bekommen hatte.