Klimawandel

Bienenweiden im Klimawandel

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Elena Krimmer, Kornelia Marzini, LWG Veitshöchheim
am Montag, 29.03.2021 - 05:29

Die Verwendung gebietseigener Pflanzen hat durchaus ihre Berechtigung, doch sie stößt durch den Klimawandel an Grenzen. Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau arbeitet an einer Lösung.

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Das Angebot an Blütenpflanzen ist in strukturarmen Agrarlandschaften für Insekten oft gering. Doch Landwirte können etwas dagegen tun: Zur Erhöhung des Blütenreichtums kommen vermehrt mehrjährige, artenreiche Blühmischungen zum Einsatz. Auf Ackerflächen werden Bienenweiden angelegt, die für viele Blütenbesucher Pollen und Nektar liefern. Vor allem auch für die Honigbiene, welche durch ihre Bestäubungsleistungen die wirtschaftlich drittwichtigste Nutztierart in Deutschland darstellt.

An der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) wird seit über 20 Jahren an der Entwicklung von Blühmischungen für Bracheflächen gearbeitet. Aus dieser Arbeit ist unter anderem die bewährte Veitshöchheimer Bienenweide entstanden. Im Zusammenhang mit Blühmischungen rückte in den letzten Jahren vermehrt der Einsatz von heimischem Saatgut in den Fokus, um das genetische Potenzial von Wildpflanzen sowie Anpassungen an regionale Standortfaktoren nicht zu verringern. Seit 1. März 2020 ist nach § 40 (1) BNatSchG in der freien Natur (wohlgemerkt nicht auf Ackerflächen, Kulturgrünland, Wald und nicht im Siedlungsbereich) die Verwendung von gebietseigenem Saatgut aus dem betreffenden Ursprungsgebiet (laut ErMiV gibt es in Deutschland 22 Ursprungsgebiete) verpflichtend.

Gebietseigene Bienenweide entwickelt

An der LWG wurde in diesem Zusammenhang eine gebietseigene Bienenweide entwickelt: die Regio-Bienenweide. Dafür wurden ausschließlich Arten ausgesucht, die in allen Ursprungsgebieten Bayerns zu mindestens 60 % vorkommen. So muss die Mischung nicht individuell an jede Region angepasst werden, sondern kommt in ganz Bayern mit derselben Zusammensetzung aus rund 40 Arten – aber mit Saatgutherkunft aus dem betreffenden Ursprungsgebiet – zum Einsatz.

Aus dieser Auswahl an Arten wurde letztendlich eine mehrjährige Blühmischung entwickelt, die für Ackerflächen in der Nähe von naturschutzrelevanten Gebieten gedacht ist. Diese Mischung befindet sich seit 2018 im Praxistest und ist noch nicht im Handel erhältlich.

Der Einsatz von ausschließlich regionalem Saatgut hat jedoch seine Grenzen

Durch den Klimawandel kommt es zu einer Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperaturen und verlängerten Trockenperioden. Dies führt dazu, dass viele Wildpflanzen früher abblühen, was wiederrum im Sommer zur Entstehung einer Trachtlücke führen kann, in der ein Mangel an Blüten herrscht. Für späte Wildbienen stellt dies ein großes Problem dar.

Auch für Honigbienen kann Blütenmangel im Spätsommer problematisch werden, da zu dieser Zeit die Aufzucht von Winterbienen stattfindet – und sie müssen ausreichend mit Pollen versorgt werden. Spätblühende, heimische Arten sind oft an magere Standorte angepasst und kommen daher auf nährstoffreichen Äckern nicht gut zurecht. Blühmischungen ausschließlich mit Regiosaatgut sind daher nur eingeschränkt geeignet, um im Sommer wieder vermehrt Blüten anzubieten und die Trachtlücke kann hierdurch nicht geschlossen werden.
Hier haben Landwirte auf ihren Ackerflächen mehr Möglichkeiten: In Hybridmischungen werden heimische und nichtheimische Wildpflanzen eingesetzt, wodurch sich das Blütenangebot über die gesamte Saison verlängern lässt. Nichtheimische Pflanzen kommen mit der Kombination Trockenheit, Hitze und nährstoffreiche Ackerböden oft besser zurecht als heimische. Seit 2018 arbeitet die LWG an einer Hybridmischung, die von Mai bis September Blüten liefern soll, der Klimabienenweide. In der Mischung werden heimische Wildpflanzen mit nichtheimischen derselben Gattung kombiniert, insgesamt sind über 65 Arten enthalten.

Kombination von heimischen und nichtheimischen Wildpflanzen

Heimisches Herzgespann, das mittlerweile bereits im Juli zur Samenreife kommt, erfreut sich zusammen mit sibirischem Herzgespann, welches noch bis in den September hinein blüht, besonders bei Hummeln großer Beliebtheit. Durch diesen kombinierten Einsatz von heimischen und nichtheimischen Wildpflanzen können die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verschiebung der Phänologie abgepuffert werden.

Vor dem großflächigen Einsatz von nichtheimischen Wildpflanzen in Blühmischungen müssen diese sorgfältig auf ihr Ausbreitungs- und Verdrängungspotenzial und ihren Nutzen für blütenbesuchende Insekten untersucht werden. Hat man geeignete Arten gefunden, sind mehrjährige und artenreiche Hybridmischungen aus gebietseigenen und nichtheimischen Pflanzenarten eine Möglichkeit, um in Agrarlandschaften über die gesamte Saison reichhaltig Blüten zu bieten und dem Klimawandel vorrausschauend zu begegnen. Die LWG ist derzeit dabei, die Saatmischungen zu optimieren, um sie Ende des Jahres zur Praxisreife zu bringen.