Pflanzenbau

Bewässerungsverbot wegen Bakterien

Bewässerung
Dr. Dorothee KaemmererLfL Pflanzenschutz, Freising
am Freitag, 08.01.2021 - 11:46

Allgemeinverfügung: Die Naab und ein Teilabschnitt der Schwarzach wurden für die Bewässerung von Kartoffeln gesperrt – Grund dafür ist die Schleimkrankheit.

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Am 25. Dezember trat eine Allgemeinverfügung in Kraft, in welcher die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die Bewässerung von Kartoffeln und anderen Wirtspflanzen (z. B. Tomaten) des Bakteriums Ralstonia solanacearum aus der Naab und der Schwarzach zwischen der Einmündung in die Naab und der Ortschaft Meischendorf untersagt.

Folgende Konsequenzen hat die Allgemeinverfügung für Betroffene:

  • Die Allgemeinverfügung verbietet nur die direkte Bewässerung von Wirtspflanzen. Das Verbot soll verhindern, dass Beregnung aus den belasteten Gewässern die Krankheit in die Pflanzen verschleppt.
  • In Jahren, in welchen andere Kulturen in der Fruchtfolge auf Kartoffelanbauflächen stehen, dürfen die Flächen bewässert werden.
  • Uferfiltrat aus in der Nähe der betroffenen Gewässer gebohrten Brunnen kann für die Beregnung von Kartoffeln verwendet werden, da nach jetzigem Kenntnisstand das Bakterium im Boden haften bleibt.

Ursache der Kontamination unbekannt

Die genaue Ursache für die Kontamination der Naab und des betroffenen Abschnitts der Schwarzach konnte bis jetzt nicht geklärt werden. Da kein größerer Kartoffelverarbeitungsbetrieb sein Klärwasser in die Naab entsorgt, war diese bislang unverdächtig.

Die Schwarzach hingegen wird bereits seit 2002 regelmäßig von der LfL unterhalb von Neunburg vorm Wald beprobt, weil dort ein großer Kartoffelverarbeitungsbetrieb ansässig ist. Die Proben waren immer frei von dem Bakterium, auch im Jahr 2020 bis zur Ortschaft Altendorf.

Ab Altendorf bis zur Einmündung in die Naab waren die Proben jedoch positiv. Für die Allgemeinverfügung wurde ein Sicherheitsbereich von 2 km bis zur Ortschaft Meischendorf vorsorglich ebenfalls für belastet erklärt.

Routinekontrolle zeigt Kontamination

Bekannt geworden ist die Kontamination der Naab im Zuge einer von der LfL durchgeführten Routinekontrolle von Kartoffeln. Als Ursache des Befalls kam die Beregnung aus der Naab in Frage und hat sich dann auch bestätigt.

Die LfL hat daraufhin im Abstand von 2 bis 3 km auf der gesamten Länge von 98 Flusskilometern Wasserproben aus der Naab entnommen und eine über die gesamte Länge bestehende Kontamination mit Ralstonia solanacearum festgestellt.

In diesem Zuge wurde auch die Belastung der Schwarzach mit dem Erreger an der Einmündung in die Naab entdeckt und weiter flussaufwärts untersucht.

Bewässerungsverbot trifft Kartoffelbauern hart

In Bayern bestehen bereits sieben weitere derartige Bewässerungsverbote. Die Allgemeinverfügungen mit den betroffenen Gewässern sind auf der Homepage der LfL zu finden.

Anfang 2018 wurden im Wochenblatt bereits die damals sechs in Bayern bestehenden Allgemeinverfügungen aufgelistet. Zwischenzeitlich sind die Bewässerungsverbote an der Schmutter und der Naab hinzugekommen. Die Allgemeinverfügung für die Naab erstreckt sich dabei über die meisten Flusskilometer.

Das im Jahr 2019 erlassene Beregnungsverbot aus der Schmutter in Schwaben hat keine großen Konsequenzen, da die Schmutter durch kein klassisches Kartoffelanbaugebiet fließt. Im Naabtal hingegen werden viele Kartoffeln angebaut, und in der Oberpfalz herrscht durch reduzierte oder ganz ausbleibende Niederschläge in den letzten Jahren immer stärkerer Wassermangel für die Produktion landwirtschaftlicher Produkte.

Darum verschärft das Bewässerungsverbot für Kartoffeln aus der Naab die Lage der Kartoffelanbauer in der Oberpfalz.

Wie kann ein Gewässer kontaminiert werden?

Ursache für die Kontamination eines Gewässers sind nach jetzigem Kenntnisstand immer befallene Kartoffeln.

Diese müssen in Zeiten der Globalisierung nicht unbedingt aus Bayern kommen, sondern können auch aus anderen Bundesländern, EU-Staaten oder den wenigen zur Einfuhr von Kartoffeln nach Deutschland berechtigten Drittländern stammen.

In ein Gewässer können die Bakterien zum einen durch die Verarbeitung von unbemerkt latent befallene Kartoffeln in einer Firma (Kloßteig, Chips, Pommes etc.) gelangen – genauer gesagt über das Abwasser der Kläranlage des entsprechenden Betriebs.

Zum anderen kann aber auch ein Gewässer aufgrund von Hochwasser im Frühjahr über die Ufer treten und kontaminiert werden: Das Wasser läuft in einen infizierten Kartoffelbestand, wird dort mit dem Erreger kontaminiert und läuft dann zurück ins Flussbett. Dort dringt der Erreger dann in am Uferrand wachsende wilde Wirtspflanzen ein und vermehrt sich in diesen.

Keine Sanierung der Gewässer möglich

Da das Bakterium einen sehr großen Wirtspflanzenkreis hat, kann es viele Wildkräuter, die an Gewässerrändern wachsen, infizieren – und in diesen auch den Winter überdauern. Die LfL konnte das Bakterium bereits im Bittersüßen und im Schwarzen Nachtschatten, der Gemeinen Brennnessel, dem Drüsigen Springkraut, dem Dreiteiligen Zweizahn, der Geflügelten Braunwurz und dem Ufer-Wolfstrapp nachweisen.

Infizierte Wildpflanzen geben das Bakterium über die Wurzeln, welche ins Wasser hängen (v. a. Bittersüßer Nachtschatten) oder im überschwemmten Uferbereich wurzeln, dauerhaft ins Gewässer ab. Das Bakterium ist wärmeliebend. Das Temperaturoptimum liegt bei 28 °C, weshalb es in unseren Breitengraden nur in den Sommermonaten in Gewässern nachgewiesen werden kann.

Versuche in Großbritannien, belastete Gewässer durch die Entfernung der Ufervegetation wieder von Ralstonia solanacearum zu befreien, waren nicht erfolgreich.

Und wie geht es jetzt weiter?

Die LfL überprüft jährlich in den Sommermonaten anhand von Wasser- und Pflanzenproben, ob die Gewässer(-abschnitte) noch kontaminiert sind.

Da die älteste Allgemeinverfügung in Bayern bereits seit 14 Jahren ununterbrochen fortbesteht und eine Entseuchung der Gewässer nicht möglich ist, steht zu befürchten, dass die Bewässerungsverbote wahrscheinlich so lange bestehen bleiben müssen, wie sich an der Einstufung des Schleimkrankheitserregers als Quarantäneschädling in der EU nichts ändert.

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Die Schleimkrankheit der Kartoffel

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  • Das Bakterium Ralstonia solanacearum ist für Mensch und Tier nicht infektiös, löst aber bei seinem Hauptwirt Kartoffeln die sogenannte Schleimkrankheit aus.
     
  • Die Quarantänekrankheit ist innerhalb der EU meldepflichtig.
     
  • Das Bakterium infiziert das Gefäßbündelsystem der Pflanze, mit welchem sie Wasser aufnimmt, und verstopft dessen Leitbahnen, wodurch es zum Verwelken der Staude kommen kann.
     
  • An den Knollen ist die Krankheit mit bloßem Auge nur bei schwerem Befall zu entdecken.