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Pflanzenschutz

Beizen: Wo geht die Entwicklung hin?

Die Anzahl chemischer Beizmittel geht zurück. Das hat Folgen für den Pflanzenschutz.
Johanna Fry
am Dienstag, 08.11.2022 - 11:54

Beizen haben viele Vorteile. Statt Blatt, Boden und Luft zu treffen, beschränkt sich der Pflanzenschutz auf das Korn. Da das Mittel in einer Anlage appliziert wird, gibt es keine Abdrift. Trotzdem befindet sich die Saatgutbehandlung im Wandel.

Mehr Pflanzenschutz ohne Beize

Dr. Heike Knörzer von Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) gab kürzlich auf einer Veranstaltung einen Überblick über die aktuelle Situation. Beizen wirken schützend (protektiv) statt kurativ (heilend). Oft haben sie sogar systemische Wirkung. Dadurch legen sie einen Grundstein, um einen gesunden Ertrag zu etablieren. Beim anschließenden Pflanzenschutz lassen sich Überfahrten, aber auch die Wirkstoffmenge insgesamt reduzieren. So hat sich die ausgebrachte Wirkstoffmenge in (g/l) von Pflanzenschutzmittel im Raps seit dem Verbot der Neonic-Beizen erhöht.

Immer mehr Fraßschäden im Mais

Auch im Maisanbau sind die Schäden gestiegen, seitdem das Saatgut nicht mehr gegen Fraßschädlinge gebeizt wird. 2020 gab es auf 16 Prozent der Flächen Fraßschäden (u.a. durch Tauben, Krähen und Schwarzwild). Auf 13 Prozent der Flächen gab es Schäden durch Fritfliegen. Und auf 74.837 ha gab es Nachsaaten aufgrund von Drahtwurmbefall. Flächenmäßig waren Niedersachsen, Bayern, Brandenburg und Sachsen besonders stark betroffen.

Diese Beizmittel sind für Mais verfügbar:

Im Mais stehen für 2023 die Beizen Lumiflex und Rancona 450 FS (Wirkstoff Ipconazol, bis 2025) gegen Kopfbrand, das Mittel Redigo M (Metalaxyl Prothioconazol, bis 2024) gegen Fusarium- und Pythium-Arten und das Mittel Vibrance 500 FS (Sedaxane, bis 2025) gegen Rhizoctonia solani und Kopfbrand zur Verfügung. Dazu kommen die Mittel Force 20 CS gegen Drahtwurmbefall und Korit gegen Vogelfraß.

Nährstoffe und Biostimulanzien fürs Saatgut

Insgesamt wird die Saatgutbehandlung aber immer vielfältiger. Zu den chemischen Beizen kommen teils auch biologische Beizen dazu (aktuell ohne Zulassung im Mais). Zusätzlich haben immer mehr Hersteller auch Nährstoff- und Biostimulanzmittel im Angebot. Zu Mikro- und Makronährstoffen kommen Algenpräparate, Mikroorganismen und Huminsäuren. Weitere Innovationen sind physikalische Behandlungen, etwa Elektronenbeizung oder Heißwasserbehandlung.

Durch die steigende Komplexität der rechtlichen Regelungen, stehen viele kleinere inländische Anbieter vor dem Aus. Dazu zählen Regelungen wie die Beizstellenzertifizierung, der Heubach-Test und auch, dass Beizmittel zunehmend nicht mehr in Deutschland zugelassen werden. Stattdessen wird behandeltes Saatgut aus dem Ausland importiert

Fazit

Insgesamt gehen die aktiven Wirkstoffe zurück, das Resistenzmanagement wird schwieriger. Die Komplexität von Rezepturen und Beizechnologien steigt. Die rechtlichen Regelungen zeigen auf dem inländischen Markt deutliche Wirkung. Laut Knörzer sind in dem Bereich deshalb künftig mehr Innovationen nötig. (LTZ Augustenberg)