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Bodenschutz

Wie es Bayerns Böden geht

Bodenprobe
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 05.04.2022 - 11:28

Die Landesanstalt für Landwirtschaft hat über 35 Jahre hinweg Böden begutachtet. Zu welchem Ergebnis die Experten kommen.

Wurmzählung

Der Boden ist nicht nur Grundlage für die Produktion landwirtschaftlicher Produkte, sondern dient gleichzeitig dem Wasserrückhalt, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und ist größter terrestrischer Kohlenstoffspeicher.

Der Erhalt eines intakten Bodens ist deshalb für die Mensch und Natur sehr wichtig. Auf welchem Weg sind hier landwirtschaftliche Böden? Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat heute (5.4.) Ergebnisse aus 35 Jahren Boden-Dauerbeobachtung vorgestellt.

Humusgehalt hat sich kaum verändert

Bodenprofil

Wichtige Erkenntnisse der Dauerbeobachtung sind:

  • Auf allen Dauerbeobachtungsflächen konnte eine Zunahme der Temperatur und eine Abnahme des Niederschlags während des Beobachtungszeitraums festgestellt werden.
  • Die Schadstoffbelastungen im Boden lagen in der Regel im Bereich des natürlichen Hintergrunds und nahmen für viele Schadstoffe während der letzten 35 Jahre ab. Dies gilt insbesondere auch für Schadstoffdepositionen aus der Luft.
  • Die Humusgehalte blieben im Mittel weitgehend unverändert, allerdings mit leicht abnehmender Tendenz.
  • Das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff im Humus ist enger geworden. Dies muss als Gefahr für Stickstoffausträge gewertet werden. Mögliche Gründe könnten die Zunahme organischer Düngung oder der Klimawandel sein, der zu einem schnelleren Abbau organischer Substanz im Boden führt.
  • Humuszunahmen wurden auf Flächen festgestellt, die auf Ökolandbau umgestellt wurden.
  • Auf Regenwürmer wirkt sich eine humuserhaltende Bewirtschaftung positiv aus.
  • Weiterhin stellten die Forschenden fest, dass der Anbau von Kleegras und der Verzicht aufs Pflügen den Regenwurmbestand im Acker fördert.
  • Im Grünland verzeichnete man für die organische Düngung positive Effekte bei den Bodenlebewesen.

Tausende von Bodenproben gezogen

Seit 1985 haben die Forscher in mehrjährigem Abstand inzwischen tausende Bodenproben gezogen und im Labor analysiert. Bereits im zweiten Jahr nach Gründung konnte somit auf wichtige Messwerte zurückgegriffen werden, als infolge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 auch Bayern von erhöhter Radioaktivität betroffen war.

Um verlässliche Ergebnisse dazu zu erzielen, wie sich die Böden in der Praxis entwickeln, ist nach Ansicht der Experten ein dichtes Messnetz von Standorten unverzichtbar, besonders aufgrund der in Bayern so heterogenen Standort-, Boden und Klimaverhältnisse. Mit seinen momentan gut 120 Boden-Dauerbeobachtungsflächen ist Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern aber sehr gut ausgestattet.