Anhörung im Agrarausschuss des Bundestages

Ackerbaustrategie 2035 stößt überwiegend auf positives Echo

Herbstsaat
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 17.11.2020 - 09:24

Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgelegte Diskussionspapier fand bei einer Expertenanhörung im Bundestag überwiegend auf positives Echo.

Berlin - Die Strategie wurde am Montag in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft in den Stellungnahmen von neun Experten wohlwollend bewertet, auch wenn die Herausforderungen in den Details steckten.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will mit seiner Ackerbaustrategie 2035 nach eigenen Angaben Perspektiven aufzeigen, wie der Pflanzenbau Zukunft hat, wie eine sichere, ausreichende und qualitativ hochwertige Versorgung mit Nahrungs- und Futtermitteln sowie nachwachsenden Rohstoffen aus Deutschland ermöglicht werden kann und wie der Ackerbau fit für die Zukunft gemacht werden kann.

In dem Diskussionspapier des Ministeriums wird skizziert, welchen Rahmen die Politik setzen muss, um den Landwirtinnen und Landwirten Planungssicherheit zu geben. Dabei wird auch darauf eingegangen, welche Verantwortung der Verbraucher übernehmen muss, um die Leistungen der Landwirtschaft angemessen zu honorieren, und wie er dazu befähigt wird.

Mangelnder Absatz führt zur Einengung angebauter Kulturen

Für Frank Ewert (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) führt die Fokussierung der Ackerbaustrategie 2035 auf einzelne Schläge zu einer Fragmentierung in den Maßnahmen, die mögliche Synergieeffekte und Wechselwirkungen nicht angemessen adressiert. Es bedürfe einer kohärenteren Strategie. Der zunehmende Biodiversitätsverlust, die Bodendegradation und der Nährstoffaustrag würden sich nur sehr bedingt auf der einzelnen Fläche bearbeiten lassen, sondern bedürften einer schlagübergreifenden Perspektive.

Thomas Gäbert (Agrargenossenschaft Trebbin eG) pochte darauf, die Landwirte in die Lage zu versetzen, eine Strategie für ihren Betrieb zu entwickeln und dies nicht durch zu viele Regelungen zu bevormunden. Der Boden sei eine endliche Ressource, die nicht vermehrt werden könne. Deshalb sollten die vorhandenen Böden aufgewertet werden. Zudem bereite ein Problem, dass die vielen zur Verfügung stehenden Kulturen nicht angebaut werden, weil nur wenige den Landwirten abgenommen werden würden. Hier gelte es unter anderem anzusetzen, um zur Vielfalt auf den Feldern zu verhelfen, indem der Absatz geschaffen oder gefördert werden müsse.

Glypohsatverbot ist kein Beitrag der Biodiversitätsförderung

Auch der Einzelsachverständige Hubert Heilmann bewertete an der Ackerbaustrategie in seiner Stellungnahme positiv, dass wichtige Problemfelder angesprochen und entsprechende Zielkonflikte nicht ausgespart würden. Auch die Aufnahme einer wirtschaftlichen Bewertung sei zu befürworten, auch wenn dieser Punkt zu unkonkret bleibe. Zudem würden Handlungsoptionen aufgezeigt, wenn auch teilweise unvollständig. Heilmann sprach sich dafür aus, Prioritäten sowie konkrete Lösungsvorschläge und weniger Absichtserklärungen und gute Vorsätze zu formulieren.

Henning Kage (Christian-AlbrechtsUniversität Kiel) wies in seinem Beitrag darauf hin, dass die Minderung der Produktivität nicht das Ergebnis von Maßnahmen im Rahmen der Ackerbaustrategie sein dürfe. Es sollten am Ende nicht auf Kosten anderer Flächen in der Welt zum Ausgleich Produkte importiert werden müssen. Kage kritisierte zudem, dass Maßnahmen wie das Glypohsatverbot als Beitrag der Biodiversitätsförderung verkauft würden. Hingegen würden in diesem Kontext viele Vorteile durch die Anwendung von Glyphosat beim bodenschonenden Anbau außer Acht gelassen.

Integrierte Pflanzenbau als Leitlinie

Für den Einzelsachverständigen Phillip Krainbring steht die Strategie zu sehr für sich alleine und binde die Tierhaltung nicht mit ein. Dies werde bei Tierhaltern in einigen Arbeitsbereichen zu erheblichen Problemen bei der Realisierung der Strategie führen. Zudem gebe es Zielkonflikte innerhalb und zwischen den einzelnen Handlungsfeldern und es würden sich aktuelle Verordnungen und Gesetze mit der Ackerbaustrategie widersprechen.

Aus Sicht des Einzelsachverständigen Hubertus Paetow werde die Formulierung der Ackerbaustrategie 2035 zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Der Erfolg der Strategie hänge allerdings auch davon ab, inwiefern andere Strategien wie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und der EU-Green Deal sowie die Farm-to-Fork-Strategie Berücksichtigung finden. Dass zudem der sogenannte integrierte Pflanzenbau als Leitlinie der Strategie gewählt worden sei, begrüßte Paetow. Auch die angestrebte Effizienzerhöhung durch innovative Technik beim Thema Düngung sei zu befürworten. Am Ende sei aber wichtig, dass in der Strategie entwickelte Maßnahmen politisch durchgezogen würden und für die landwirtschaftlichen Betriebe verlässlich seien.

Boden und Humus in den Mittelpunkt stellen

Aus fachlicher Sicht nachvollziehbar bewertete die Einzelsachverständige Carola Pekrun das Papier in ihrer Stellungnahme. Es würden Leitlinien formuliert und Handlungsfelder aufgezeigt sowie Ziele und Zielkonflikte benannt. Allerdings würden die genannten Ziele nicht quantifiziert. Damit beinhalte das Papier noch keine Strategie. Denn Strategien sollten Ziele definieren. Pekrun unterstrich, dass zukünftig intensive Anstrengungen zum Bodenschutz unternommen werden müssten.

Auch der Sachverständige Hubert Wiggering begrüßte das vom BMEL erstellte Diskussionspapier und forderte, die damit für die Landwirtschaft im Kontext der Transformation verbundenen Chancen zu nutzen. Wiggering hob dabei den Aspekt hervor, dass Bodenschutz und Klimaschutz immer zusammen betrachtet werden sollten. Dabei sollte der Schutz des Bodens besonders bedacht werden, denn der Humusaufbau sei ein fragiles Thema.

Der Sachverständige Jan Wittenberg forderte zudem, die Ziele der Strategie in dieser Frage höher zu stecken. Dem Schutz des Bodens müsse besondere Aufmerksamkeit zukommen. So müsse unter anderem der derzeitige durchschnittliche jährliche Humusabbau auf deutschen Ackerböden gestoppt und Humus wieder gemehrt werden. Wittenberg sprach sich dafür aus, dass bei allen Maßnahmen nicht das Prinzip des Maximums zählen dürfe, sondern des Optimums.