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Pflanzenschutzmittel

Absatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich gesunken

Pflanzenschutz
Agra-Europe
am Montag, 23.12.2019 - 13:37

Der Jahresbericht des BVL bestätigt Absatzrückgang bei Pflanzenschutzmitteln. Den größten Rückgang verzeichnet der Wirkstoff Glyphosat. Linke-Agrarsprecherin Dr. Kirsten Tackmann kritisiert Antrag auf erneute Zulassung des umstrittenen Herbizidwirkstoffs.

Im Jahr 2018 sind in Deutschland insgesamt 9 % weniger Pflanzenschutzmittel verkauft worden als im Vorjahr. Wie aus dem am Dienstag vergangener Woche (17.12.) vorgelegten Jahresbericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervorgeht, belief sich die verkaufte Menge an Pflanzenschutzprodukten 2018 auf 104 634 t.

Das entsprach laut BVL einer Menge von rund 45 000 t Wirkstoff. Der Industrieverband Agrar (IVA) hatte bereits Mitte November auf den starken Rückgang des Pflanzenschutzmittelverkaufs hingewiesen. Er hatte hervorgehoben, dass die Menge der in Deutschland in den Markt gebrachten Pflanzenschutzmittel 2018 auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren gesunken sei.

Das BVL wies jetzt den größten Nachfragerückgang mit 27 % für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat aus. Der auf diesen Herbizidwirkstoff zurückgerechnete Absatz habe sich im Vergleich zum Vorjahr von rund 4 700 t auf etwa 3 450 t reduziert. Insgesamt sei der Absatz von Herbiziden 2018 um 11 % auf 44 777 t gesunken.

Trockenheit verringerte Fungizideinsatz

Ebenso war bei den Fungiziden ein kräftiger Absatzrückgang zu beobachten; hier betrug das Minus gegenüber dem Vorjahr 12 %. Abgegeben wurden insgesamt 29 411 t an Fungiziden. Dem Bundesamt zufolge begünstigte einerseits die trockene Wetterlage 2018 diese Entwicklung. Andererseits habe aber auch die gestiegene Sensibilität der Landwirte hinsichtlich der Minimierung ihres Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln zu Buche geschlagen.

Für die Insektizide weist das BVL eine Abgabemenge von 19 427 t im Berichtsjahr aus, wobei hier allein auf inerte Gase für den Vorratsschutz 15 380 t entfallen. Der Absatz von Insektiziden ohne inerte Gase stieg von 2016 bis 2018 an, lag aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau im Vergleich zum langjährigen Mittel. An Wachstumsreglern einschließlich Keimhemmungsmitteln wurden 6 023 t verkauft, an sonstigen Mitteln 4 996 t.

Von den insgesamt 2018 in Deutschland verkauften Pflanzenschutzmitteln waren nach den Angaben des Bundesamtes 22 289 t auch im ökologischen Landbau einsetzbar.

Vorsorgeprinzip ernst nehmen

Derweil äußerte sich die Agrarsprecherin der Linken im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann, kritisch zu einer möglicherweise längerfristigen Weiterverwendung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat. „Wer das Vorsorgeprinzip der EU ernst meint, darf nicht mit gesundheitlichen und ökologischen Risiken spielen“, kommentierte Tackmann am vergangenen Mittwoch (18.12.) den Antrag der „Glyphosate Renewal Group“ (GRG), den Wirkstoff nach Auslaufen der geltenden EU-Genehmigung im Dezember 2022 erneut zuzulassen.