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Silomaisernte

10 Tipps zum Silieren von dürregeschädigtem Mais

Trockenstress: Die Dürre hat deutliche Spuren hinterlassen. Viele Maisfelder im Freistaat sehen verheerend aus.
Barbara Misthilger, LfL
am Donnerstag, 11.08.2022 - 10:01

Die Silomaisernte steht heuer vielerorts verfrüht an. Was ist unter den aktuellen Bedingungen zu beachten? Wir geben 10 Tipps.

Das Jahr 2022 hat wettertechnisch teils extreme Herausforderungen für die Landwirtschaft zu bieten, so auch beim Silomais. Beginnend mit der anhaltenden Kälte im Frühjahr über Unwetter mit Hagel bis hin zu Hitzewellen mit Trockenheit, es war alles dabei. So mussten die Maisbestände bis jetzt so einiges mitmachen.

Im Norden Trockenheit seit der Jugendentwicklung

Maissilieren 2022: Die Bestände auf den Feldern könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch was kann man machen, um das Futter noch zu retten?

Aber dabei könnten auch die Entwicklung regional nicht unterschiedlicher sein. Während es in den südlichen Teilen Bayerns vom Frühjahr weg immer wieder Niederschläge gab, konnten sich dort die Bestände bis jetzt sehr gut entwickeln.

Vor allem aber in den nördlicheren Teilen Bayerns sind seit Mai nur wenig Niederschläge gefallen. Dementsprechend sind hier die Maisbestände seit der Jungendentwicklung der Trockenheit gnadenlos ausgesetzt.

Die seit Juli anhaltende Hitzewelle setzt nun den Maisbeständen in ganz Bayern deutlich zu. Denn gerade jetzt wäre das Wasser essenziell für die Ausbildung des Kolbens und der Körner. Örtliche Schauer und Gewitter bringen zwar immer wieder etwas Feuchte, leider aber nur kurzzeitig und reichen somit nicht aus.

Somit in diesem Jahr vielerorts eine frühere Maisernte, kein Vergleich zu 2021, wo im Schnitt Ende September/Anfang Oktober siliert wurde.

1. Maisbestände frühzeitig kontrollieren

Trockenstress: Die Dürre hat deutliche Spuren hinterlassen. Viele Maisfelder im Freistaat sehen verheerend aus.

Die Abreife der Maispflanzen wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Neben den Niederschlagsmengen sind das vor allem die Wasserverfügbarkeit und das Haltevermögen der Böden. Bestände auf sehr kiesigen oder sandigen Ackerflächen reifen daher bei Trockenheit viel schneller ab, als auf tonigen Untergründen.

Aber auch die Wachstumsentwicklung der Pflanzen spielt eine wichtige Rolle. Durch Hagel geschädigter Mais hat ein anders Abreifeverhalten als ein gesunder Mais, durch die frühzeitige Schädigung der Pflanzenteile. Zusätzlich beschleunigen die anhaltenden hohen Temperaturen die Abreife der Pflanze deutlich bzw. gehen diese in eine Art Notreife.

Daher sollten die Maisbestände für das passende Erntestadium schon frühzeitig kontrolliert werden. Bei der Beurteilung des Reifegrads der Pflanzen sind immer mehrere Pflanzen an verschiedenen Stellen zu beurteilen. In den Problembeständen mit oft wenig Kolben ist die gesamte Pflanze zu betrachten. Die Abreife der Pflanze beginnt immer von unten nach oben. Dabei können unterschiedliche Stadien auftreten.

2. Noch abwarten, wenn 50 % der Gesamtpflanze noch grün ist

Silomais Stadium 1: Mit dem Häckseln kann noch abgewartete werden.
  • Stadium 1: Mit dem Häckseln kann noch abgewartet werden bei Maisbeständen, die kolbenlos bzw. einen geringen Kolbenansatz haben, wenn die unteren Blattanteile zwar abgestorben sind, aber noch mehr als 50 % der Gesamtpflanze grün sind. Die Blätter sind dabei häufig aufgerollt („Schilffartig“). Solange der Großteil der Blätter grünlich ist, kann die Pflanze noch assimilieren, das bedeutet Zucker bilden und einlagern.

    Zudem funktionieren die Leitungsbahnen zu den Blattanlagen noch, dadurch kann bei erneuten Niederschlägen wieder Wasser von der Pflanze aufgenommen und zu den Blattanlagen gelangen. Ertragszuwächse sind somit noch möglich, allerdings lediglich an Pflanzenmasse. Bei einem geringen Kolbenansatz kann noch Stärke eingelagert werden. Durch den fehlenden Kolben sind die Trockenmassegehalte (TM-Gehalt) in der Gesamtpflanze sehr niedrig, dadurch kann es bei zu frühzeitiger Ernte solcher Bestände zu Sickersaftbildung und zusätzlichen Nährstoffverlusten kommen.

3. Häckseln, wenn Großteil der Blattanlage abgestorben ist

Silomais Stadium 2: Mit dem Häckseln sollte begonnen werden.
  • Stadium 2: Mit dem Häckseln beginnen sollte man, wenn bei Maisbeständen, die kolbenlos bzw. einen geringen Kolbenansatz haben, mehr als 50 % der Blattanlagen abgestorben („verstroht“) sind, die Blätter vergilbt und die Leitungsbahnen vom Stängel zum Blatt nicht mehr funktionsfähig sind. Durch das Abstreben der Blätter steigt der TM-Gehalt in der Gesamtpflanze sehr schnell an. Zudem kann kein Wasser von der Pflanze mehr aufgenommen und umgesetzt werden. Dadurch sind auch bei einsetzenden Niederschlägen keine Ertragszunahmen mehr möglich.
     
  • Stadium 3: Mit dem Häckseln beginnen sollte man, bei Maisbeständen mit einem guten bis mäßigen Kolbenansatz, sobald die Restpflanze zunehmend abstirbt und sich das Kolbenblatt bräunlich färbt, da ab dann keine Stärkeeinlagerung mehr in das Korn erfolgen.
Silomais Stadium 3: Mit dem Häckseln sollte man schnellstmöglich beginnen.

Neben der Einschätzung der eigenen Bestände können zusätzlich Prognosemodelle helfen, die Abreife der Bestände abzuschätzen. Mit Hilfe von Temperatursummen werden ab dem Anbaudatum die Temperaturen der einzelnen Tagen aufsummiert. Ab einer bestimmten Temperatursumme ist je nach Sortenwahl und Einsatzzweck das mögliche Erntefenster erreicht. Dadurch kann der Erntezeitraum schon frühzeitig abgeschätzt werden. Die Daten sind für ganz Bayern online abrufbar: geobox-i.de/GBV-BY-Wetter/

4. Bei dürregeschädigten Beständen eher bei 30 % TM ernten

Grundsätzlich wird Silomais bei einem TM-Bereich von 30-38 % in der Gesamtpflanze geerntet. Die Unterschiede ergeben sich durch den Kornanteil.

Bei trockenheitsgeschädigten Beständen sollte ein TM-Gehalt von 30 % angestrebt werden. Durch den höheren Verholzungsgrad der Pflanze können bei höheren TM-Gehalten deutlich mehr Probleme am Silo auftreten. Gerade bei sehr hohen Temperaturen, Wassermangel und intensiver Sonneneinstrahlung kann der TM-Gehalt in der Gesamtpflanze schnell um bis zu 5 % pro Woche ansteigen! Daher gibt es neben Prognosemodellen auch ab Mitte August bayernweit Reifemonitorings zur Bestimmung des TM-Gehalts im Kolben, Restpflanze und Gesamtpflanze. Die Daten des LfL-Silomaisreifemonitorings werden im Wochenblatt veröffentlicht.

5. Stabilitätsprobleme durch hohe Hefegehalte berücksichtigen

Mais verfügt durch seine hohen Zucker- und Stärkegehalte über eine gute Silierbarkeit. Die größte Problematik ist aber das Risiko von Nacherwärmung am offenen Anschnitt. Gerade bei trockenheitsgeschädigten Mais kommen mehrere Faktoren zusammen, welche das Silieren deutlich erschweren und dadurch das Risiko für Stabilitätsprobleme verschärft.

Durch den fehlenden oder nur gering ausgebildeten Kolben sind in der Pflanze sehr hohe Zuckermengen auch nach der Silierung vorhanden. Höhere TM-Gehalte und abgestorbene verholzte Pflanzenteile erschweren die Verdichtbarkeit. Dadurch kann am offenen Anschnitt viel Luft in den Silostock eindringen.

Der dritte Einflussfaktor ist mit bloßem Auge nicht erkennbar, nämlich der Hefebesatz. Hefen befinden sich natürlicherweise auf dem Siliergut und sind anders als Milchsäurebakterien sehr resistent gegenüber warmen Temperaturen und Trockenheit. Dadurch weisen besonders trockenheitsgeschädigte Maispflanzen häufig sehr hohe Hefegehalte auf. Im Silierprozess sterben diese nicht ab, sondern sind bis zum erneuten Lufteintrag ins Silo nur „ruhig“ gestellt. In dieser Zeit wandeln sie Zucker und Stärke zu Alkohol. Sobald in den Silostock Luft und damit Sauerstoff eindringt, können sich Hefen explosionsartig vermehren und bauen Milchsäure, Zucker bzw. Stärke ab. Die Folge: Das Silo wird warm.

Durch die höheren Restzuckergehalte in Kombination mit den höheren Hefegehalten ist das Risiko von Stabilitätsproblemen bei trockenheitsgeschädigten Mais deutlich größer. Das Wachstum von Hefen kann nur mit einer hohen Verdichtung und bestimmten Säuren und Mengen in der Silage unterdrückt werden.

6. Siliermittel einsetzen

Durch den Zusatz von Siliermitteln zur Sicherung der aeroben Stabilität (Wirkungsrichtung 2) kann der Anteil hefehemmender Säuren erhöht und damit die Stabilität am Anschnitt verbessert werden. Gerade bei trockenheitsgeschädigten Maisbeständen ist deshalb der Siliermitteleinsatz der Wirkungsrichtung 2 so wichtig.

Grundsätzlich sollten DLG-geprüfte Mittel verwendet werden, da diese unabhängig auf ihre Wirksamkeit geprüft werden (weitere Infos siehe siliermittel.dlg.org/). Eingesetzt werden, können biologische Siliermittel mit heterofermentativen Milchsäurebakterien. Diese bilden neben Milch- in einem zweiten Schritt auch Essigsäure, welche in ausreichender Menge das Wachstum von Hefen unterdrücken kann. Eine weitere Möglichkeit sind chemische Siliermittel auf Säurebasis, die das Hefewachstum sofort unterdrücken und dabei nicht korrosiv auf Metall oder Beton wirken sollten. Die Wirkungssicherheit ausreichend dosierter chemischer Produkte ist höher, aber auch deren Kosten.

Beim Einsatz von Siliermitteln, sowohl biologisch als auch chemisch  muss auf eine ausreichende Dosierung und gleichmäßige Verteilung geachtet werden. Nur so können die Mittel ihre volle Wirkung zeigen! Besonders bei sehr trockenheitsgeschädigten Mais sollte das komplette Siliergut mit Siliermitteln behandelt werden.

7. Frühes Öffnen unbedingt vermeiden

Die Silos müssen im Anschluss mindestens sechs bis acht Wochen geschlossen bleiben, damit ausreichend Säure zur Unterdrückung des Hefewachstums gebildet ist. Umso wichtiger ist das, wenn das Material beim Einsilieren sehr warm in das Silo gekommen ist. Daher sollte für diesen Zeitraum, sofern kein Silomais vom Vorjahr vorhanden ist, ein zusätzliches Behelfsilo angelegt werden, das frühzeitig geöffnet werden kann.

Bei früher Siloöffnung wäre eine weitere Möglichkeit zur Sicherung der Stabilität, beim Einsilieren schnellwirksame Siliermittel mit speziellen heterofermentativen Milchsäurebakterien einzusetzen. Bei diesen Mitteln setzt die Essigsäurebildung früher ein und dadurch können die Silos nach wenigen Wochen geöffnet werden. Allerdings sollten diese Siliermittel nur bei Siliergut mit einem TM-Gehalt <40 % eingesetzt werden.

8. Auf kurze gleichmäßige Häckselqualität achten

Bei der Ernte von trockenheitsgeschädigten Pflanzen oder auch bei Beständen mit hohem TM-Gehalt ist eine kurze gleichmäßige Häckselqualität enorm wichtig. Bei hohen Anteilen an abgestorbenen Blattmaterial sollte die Häcksellänge auf 4-5 mm eingestellt werden. Zu lange Blatt-/Liesch und Spindelteile können im Silo schlechter verdichtet werden. Diese können mitunter eine Ursache für Stabilitäts- und Schimmelprobleme im Silo sein, da durch eine höheres Porenvolumen und Hefe und Schimmelwachstum fördern.

Zudem werden später am Futtertisch lange Blattanteile und verholzte Stängelanteile von den Tieren ausselektiert.

Beim Häckselns ist die Abreife der Schläge mit zu berücksichtigen. Die am stärksten abgetrockneten Bestände sollten zuerst gehäckselt und am Schluss die noch feuchteren Bestände, um eine ausreichende Verdichtung zu gewährleisten.

Um ein gleichmäßiges Häckselbild zu erreichen, ist es gerade bei verholzten und verstrohten Material wichtig, dass die Messer im Häcksler regelmäßig frisch geschliffen werden.

Wichtig: Die Häckselqualität zunächst nach dem ersten Wagen prüfen, um Einstellungen sofort korrigieren zu können. Vor allem nach mehreren Wagen muss die Häckselqualität erneut geprüft werden, da zu Beginn die Messer noch scharf sind und bei verholztem Material einen höheren Abrieb haben. Dadurch wird der Abstand zwischen Schneide und Gegenschneide bei den Messern größer und das Häckselgut wird ungleichmäßig zerkleinert.

9. Silo gründlich verdichten

Die Grundlage für die Stabilität der Anschnittfläche ist die richtige Silobefüllung. Diese wenigen Stunden oder Tage sind für die Silagequalität eines ganzen Jahres verantwortlich. Dabei lieber einmal mehr Zeit in die Verdichtungsarbeit investieren, als bei einer schlechten Verdichtung viel mehr Zeit und Kosten in das Aussortieren von Futterpartien zu verlieren. Besonders bei trockenheitsgeschädigten Mais ist die optimale Verteilung und die Verdichtung umso wichtiger.

  • Einsilieren in Schichten ermöglicht eine deutliche höhere Verdichtung als das Aufschieben des Materials im Silo. Zudem erfolgt eine homogene Verteilung des Materials über die komplette Silolänge.
  • dünne Schichtdicken (<30 cm), da sich sonst zwischen den Schichten Luftpolster bilden, die später im geöffneten Zustand zu warmen Schichten führen
  • ausreichendes Walzgewicht mit hohem Reifendruck, nur so kann genügend Druck ausgeübt werden. Das Walzgewicht sollte ein Viertel der stündlich an das Fahrsilo angelieferten Frischmassemenge betragen. Daher sollte bei hohen Anfuhrmengen je nach Silobeschaffenheit ein weiteres Verteilerfahrzeug eingesetzt oder zwei Silos parallel befüllt werden.
  • Verteilen ist nicht Walzen, dem Walzfahrer im Silo muss ausreichend Zeit für Verteilen und Walzen gegeben werden, nur so werden alle Bereiche ausreichend verfestigt. Besonders wenn das Material schon trockener und sperriger ist, muss unbedingt mehr Zeit für die Verdichtungsarbeit eingeplant werden – das Tempo gibt der Fahrer im Silo an! Gerade im kritischen Bereich des Silos- das obere Drittel- sollte unbedingt der Verdichtungsaufwand nochmals erhöht werden.
  • langsames Fahren mit 4 km/h und mindestens 2-3 Überfahrten pro Schicht
  • kein Nachwalzen, nachdem Angleichen der Oberfläche sollte zügig mit dem Abdecken des Silos begonnen werden

10. Fütterung vor allem Kraftfutter rasch anpassen

Trockenheitsgeschädigter Silomais ist nicht nur in der Silierung anders, sondern auch in der Fütterung. Maissilagen die keinen oder geringen bis mäßigen Kolbenanteil haben, verfügen häufig über hohe Mengen an schnellverfügbarem Zucker anstelle von Stärke. Dies muss bei der Fütterung, gerade bei der Kraftfuttermenge und -zusammensetzung unbedingt berücksichtigt werden. Nur so können Probleme wie Pansenazidosen verhindert werden.

Eine angepasste Rationsgestaltung ist dabei nur möglich, wenn die Silagen auf deren Inhaltsstoffe hin untersucht werden. Da es sich hier nicht um „klassischen“ Silomais handelt, können für die Rationsberechnung keine Standartwerte verwenden werden. Bei der Anmeldung der Futterprobe sollte unbedingt als Bemerkung auch „kolbenlos“, „geringer Kolbenanteil“, oder „trockenheitsgeschädigt“ mitangegeben werden. So können im Labor bei Messauffälligkeiten entsprechende Nachuntersuchungen gemacht werden. Auch bei der Untersuchung von kolbenlosen Grünmais muss dies in der Bemerkung mitangegeben werden.

Siliermitteln richtig einsetzen

Biologische Siliermittel einsetzen bei:

  • Beständen mit oder ohne Kolben, bei denen weniger als 50 % der Pflanze abgestorben sind
  • Pflanzen noch vital mit grünlichen Blättern
  • TM-Gehalte <40 %, Wichtig! Milchsäurebakterien benötigen ausreichend Feuchte zur Vermehrung und Säurebildung
  • guter Verdichtbarkeit des Silierguts

Chemische Siliermittel einsetzen bei:

  • hohem wöchentlicher Vorschub (>2 m/Woche)
  • normalen Temperaturen beim Einsilieren <30 °C
  • Beständen mit oder ohne Kolben, bei denen mehr als 50 % der Pflanzen abgestorben sind höhere TM-Gehalte (>40 %)
  • sehr warmen Temperaturen beim Einsilieren (>30 °C)
  • zusätzlich vorgeschädigtem Pflanzenmaterial z. B. durch Hagelschaden, Verpilzung
  • erschwerten Verdichtungsmöglichkeiten im Silo (z. B. „verstrohte Blätter“)
  • knappem wöchentlichen Vorschub (<2 m/Woche), häufig Probleme mit Nacherwärmung am Siloanschnitt