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Fruchtfolge

10 % Ölfrüchte und 10 % Eiweißpflanzen in Fruchtfolge machbar

Hülsenfrüchte
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 16.02.2022 - 10:48

In zwei Studien ist die Union zur Förderung des fop zu dem Ergebnis gekommen, dass eine „10+10“-Strategie auf deutschen Ackerflächen umsetzbar ist.

Die 10+10-Strategie der Ufop sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 ölreiche Kuturen, wie Raps und Sonnenblumen, sowie Leguminosen, wie Ackerbohnen, Erbsen, Süßlupinen und Soja sowie Luzerne und Kleegemische, einen Anteil von jeweils 10 % der deutschen Ackerfläche ausmachen. Durch die höheren Anteile dieser beiden Pflanzengruppen in der an sich in Deutschland von Getreide dominierten Fruchtfolge erwartet die Organisation eine höhere Robustheit der deutschten Landwirtschaft. Die Studienergebnisse, so die Aussage der Ufop, würden diese Annahme belegen.

Die Politik sei nun gefordert, die Rahmenbedingungen für die heimisch angebauten und genutzten Öl- und Eiweißpflanzen so zu gestalten, dass ihre zahlreichen Vorteile in Ackerbau, Tier- und Humanernährung bestmöglich zum Zuge kommen. Hierzu gehöre auch, der Pflanzenzüchtung den Zugang zu modernen Technologien wie Genome Editing zu gewähren.

Flächenpotenzial ist vorhanden

Studien

Die Studien der Fachkommissionen aus dem Pflanzenbau und der Tierernährung belegen laut Ufop, dass

  • ausreichend Flächenpotenziale zur Verfügung stehen, um jeweils ca. 1,2 Millionen Hektar Raps und Leguminosen in Deutschland anzubauen. Dieser Umfang kann auch sichergestellt werden, wenn der Anbau fast ausnahmslos in politisch gewünschten weiten Fruchtfolgen stattfindet.
  • die Verwertung der so erzeugten Rapssaaten – in Form von Rapsextraktionsschrot – sowie Körnerleguminosen selbst bei einem, in den Ausarbeitungen berücksichtigten, deutlichen Rückgang der Tierhaltung bis 2030 in Deutschland vollständig über die Nutztierfütterung erfolgen können.
  • für die ebenfalls politisch gewollte starke Ausweitung des Ökolandbaus es anzumerken gilt, dass dies – bei Fortschreibung des Status quo ohne maßgeblichen Anbau von Bio-Raps – zu einer extrem starken Einschränkung des Winterrapsanbaus führen würde. Da der Bedarf an hochwertigen Eiweißfuttermitteln in der Nutztierhaltung weiterhin groß sein wird, würde dies zu größeren Einfuhren an Rapssaaten oder Sojabohnen/Sojaextraktionsschrot aus europäischen oder nichteuropäischen Herkünften führen. Zudem würde in vielen Fruchtfolgen mit dem Raps eine bedeutende Blattfrucht verloren gehen, die durch Körnerleguminosen bzw. Grünleguminosen aufgrund der einzuhaltenden Anbaupausen nicht kompensiert werden könnte.
  • unstrittig bleibt, dass für beide Kulturartengruppen deren positive Vorfrucht- und Fruchtfolgewerte künftig vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und damit zu erwartender höherer für Stickstoffdünger stärker zum Tragen kommen. Auch ihre Bedeutung als Blühpflanzen ist zusätzlich zu würdigen. Daneben gilt, dass die Marktpreise auch weiterhin über das Anbauverhalten substanziell mitbestimmen werden.

Bedeutung von Körnerleguminosen in der Ernährung könnte steigen

Die Ufop geht davon aus, dass die genannten Faktoren eine starke Rolle in der Nutztierfütterung spielen werden. Aber auch in der Humanernährung könnten Körnerleguminosen und perspektivisch auch bei Rapssaaten eine stärkere Rolle spielen.

In Abhängigkeit von der Fruchtart fänden bereits Körnererbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen und Süßlupinen in unterschiedlichen Mengen ihren Weg in die menschliche Ernährung. Hierdurch entstehe ein Wettbewerb um den heimischen Rohstoff, wobei grundsätzlich auch eine Kaskadennutzung möglich sei.

Derzeit beobachtet die Ufop, dass sich sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle zur Vermarktung von Körnerleguminosen entwickeln – auch getragen vom Trend einer steigenden Nachfrage nach pflanzenbasierten Lebensmitteln.

Ölfrüchte und Körnerleguuminsen bereichern Fruchtfolgen

Bei den betrachteten Szenarien der Ertragsentwicklung werden die große Bedeutung der Jahreswitterung einerseits und der Verfügbarkeit von Produktionsmitteln anderseits, beispielsweise einem wirksamen Pflanzenschutz, deutlich.

Zunehmende Wetterextreme mit Risiken für die Ertragsausbildung und wachsende produktionstechnische Herausforderungen zeigen die Notwendigkeit für ertragreiche und robuste neue Sorten auf. Die Geschwindigkeit, mit der sich Rahmenbedingungen ändern, führt dabei zu einem großen Zeitdruck in der Pflanzenzüchtung. Dazu kommt die Notwendigkeit zum Ausbau von Resilienz in Ackerbausystemen, auch in Form einer möglichst großen Fruchtartenvielfalt in abwechslungsreich gestalteten Fruchtfolgen. Sowohl Raps als auch Leguminosen in ihrer ganzen Vielfalt sind hierfür unverzichtbare Bausteine.

Die beiden Studien sind als UFOP-Schrift „10 % Raps und 10 % Leguminosen auf deutschen Feldern – Szenarien für den Anbau und die Verwertung“ erschienen und stehen als Download kostenfrei zur Verfügung: bit.ly/Potenzialstudie (0,8 MB)