Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Mähgeräte

Unter dem Wolfszaun mulchen

Herausforderung für die Technik: Bei Wolfabwehrzäunen verläuft der unterste Draht 20 cm über dem Boden, trotzdem muss der Bewuchs regelmäßig entfernt werden, damit die Wirksamkeit erhalten bleibt.
Helmut Süß
Helmut Süß
am Freitag, 04.11.2022 - 09:23

Zäune sind ein Ansatz, um den Wolf von Nutztieren fernzuhalten. Doch diese müssen instandgehalten werden. Das Wochenblatt war exklusiv beim Praxistest von technischen Geräten zum Mulchen unter dem Abwehrzaun dabei.

Zaunkönig: Das Herzstück bildet der Mähstern, um dessen Mitte drei Ausleger mit jeweils einem Mähorgan (mit Messer und Mähfaden ausgestattet) drehbar gelagert sind.

Um die volle Wirksamkeit von Elektrozäunen zu gewährleisten, muss der Zaun instandgehalten werden. Dazu gehört auch, den Bewuchs unter und an langen Umzäunungen regelmäßig zu entfernen. Das Mähen mit handelsüblichen Motorsensen bedeutet in den meisten Fällen einen enormen Zeitaufwand und stellt keine praktikable Problemlösung dar. Das ist insbesondere bei den sogenannten Wolfabwehrzäunen der Fall, deren unterster Draht nur 20 cm über dem Boden verläuft.

Es gibt technische Lösungen, die z. T. sehr effizient arbeiten, dennoch bedeutet das für die Betriebe einen zusätzlicher Aufwand an Zeit und Geld. Für den Wolfabwehrzaun gibt es Fördergelder, nicht aber für die Pflege und Unterhaltung.

Praxisvorführung von Geräten

Avant-Zaunmäher: Dank schwenkbarem Grundarm kann das Anbaugerät nach links oder rechts arbeiten.

Auf Initiative des Fachzentrums für Energie und Landtechnik Triesdorf konnte das Wochenblatt exklusiv eine Praxisvorführung von Geräten begleiten, die das Grünmaterial unter dem Wolfszaun mähen bzw. mulchen. Bei der Auswahl der Mulcher hatte das Triesdorfer Fachzentrum darauf geachtet, dass die Geräte geprüfte Sicherheitszertifikate (Unfallschutz laut EG-Normen) wie das CE-Zeichen haben und die Ersatzteilversorgung sowie der Service über Händler sichergestellt sind. Denn es gibt viele Geräte von außereuropäischen Herstellern, bei denen das nicht (immer) der Fall ist.

Die Gegebenheiten vor Ort waren mit einem im Sommer neu gebauter wolfsabwehrender Zaun optimal: Dieser wurde mit großzügiger Trassenplanung angelegt, sodass innerhalb und außerhalb des Zauns viel Platz zum Manövrieren ist. Auch das Gelände war relativ eben. Zudem herrschte beste Witterung bei strahlendem Sonnenschein. Nur die Wuchshöhe war für den Praxisvergleich recht gering. Da es keinen Bewuchs mit Sträuchern gab, hatten die Geräte leichtes Spiel. So sieht es in der Regel auf Praxisbetrieben nicht aus, bestätigten die Fahrer.

Die drei Testteilnehmer

Leider wird der Zaun viel zu oft sehr nahe an Waldränder oder Hecken gesetzt. Dadurch wachsen Äste und Gestrüpp in den Zaun, was vermeidbare Probleme verursacht. Die größte Herausforderung beim Pflegen der Zäune bzw. für die Mulchgeräte ist der geringe Abstand von 20 cm des untersten Drahtes zum Boden. Beim Praxistest sollten die Maschinen das ermöglichen und den festen Pfählen sowie den schmalen, nicht verankerten Zwischenpfosten bzw. Latten ausweichen. Drei Gerätetypen wurden stellvertretend eingesetzt mit den drei klassischen Anbau- bzw. Fahrzeugtypen: Traktoranbau im Heck, Radlader sowie kleiner Kompaktlader mit Frontgerät. Folgende drei Geräte stellten sich im direkten Vergleich diesen Anforderungen:

  • Zaunkönig ZK1-R von der Firma Kneilmann (Ascheberg, NRW),
  • Zaunmäher von der Firma Avant Tecno (Eppertshausen, Hessen),
  • Mähscheibe Typ R.M. AD-TL von der Firma Berti bzw. Götz Landmaschinen (Schwabach, Mitelfranken).

Zaunkönig der Firma Kneilmann

Das Unternehmen hat diesen Mäher selbst entwickelt, beim dem der dreiteilige Mähstern die Pfosten umschifft. Sehr effektiv mäht er den Halmbewuchs bis 25 cm Höhe unter Zäunen und um Pfähle unterschiedlichster Dicke herum nonstop frei. Je nach Stärke des Bewuchses können hierbei die Mähorgane mit Stahlklingen und zusätzlichen Nylon-Mähfäden ausgerüstet werden. Er lässt sich dabei an unterschiedliche Schlepperarten im Front- oder Heckbetrieb anbauen.

Das Herzstück bildet der Mähstern, um dessen Mitte drei Ausleger mit jeweils einem Mähorgan drehbar gelagert sind. Er ragt seitlich über den Schlepper hinaus und schafft es durch seine flache Bauhöhe unter den Zaun, wo er mit einer Arbeitsbreite von ca. 0,95 m mäht. Die mit Kunststoffgleitschienen versehenen Mähteller schützen dabei die Pfosten vor Anfahrbeschädigungen. Der Mähstern kann sich bei einem Hindernis (z. B. Pfahl) um die Mittelachse drehen und mäht so selbstständig das Hindernis vollständig frei, ohne dass das Fahrzeug stoppen muss. Die hydraulische Aushebung wird laut Hersteller gleichzeitig auch zur Anpassung bei Steigungen (Böschungen) bis +45° und Neigungen (Gräben) bis –30° eingesetzt. Das Gewicht der Grundmaschine beträgt ca. 265 kg.

Fazit: Der Zaunkönig zeigte ein sehr gutes Arbeitsergebnis. Beim früheren Einsatz konnte das Gerät auch Sträucher wie Schlehen vollständig entfernen. Der patentierte Mähstern macht ein Anhalten zum Freimähen von Pfählen nicht notwendig.

Zaunmäher der Firma Avant Tecno

Dieses Anbaugerät dient zum Schneiden von Gras unter Zäunen, Leitplanken, Sträuchern und vielen mehr. Ebenso kann Wildkraut an Hauskanten entfernt werden. Beim Kontakt mit einem Hindernis schwenkt der Mähkopf automatisch um dieses herum.

Auch hier kann nonstop gemulcht werden. Durch die einstellbare Federkraft sind auch anspruchsvolle Einsätze sicher abzuarbeiten. Die Grundposition ist vierfach einstellbar. Der Schneidkopf ist mit zwei Klingen sowie einem Kantenschutz ausgerüstet. Der schwenkbare Grundarm erlaubt es, nach links oder rechts zu arbeiten. Mit dem verstellbaren Stützrad ist ein angepasstes Arbeiten möglich (vertikales Schweben des Schneidkopfes). Die Schnittbreite beträgt 704 mm, das Gewicht 122 kg.

Fazit: Auch dieser Mulcher zeigte ein sehr ordentliches Arbeitsergebnis. Durch die Messerklingen können auch Sträucher sehr gut entfernt werden. Der Frontanbau ermöglicht eine sehr gute Sicht auf das Arbeitsfeld.

Mähscheibe Typ R.M. AD-TL von der Firma Berti bzw. Götz Landmaschinen

Berti R.M. AD-TL: Der Mähkopf hat einen Durchmesser von 65 cm und ist mechanisch in der Höhe und Neigung zu verstellen. Das Gerät besitzt einen eigenen Tragrahmen mit Dreipunkbock (Kat. I – II). Die mechanische Seitenverschiebung (In/Out) und das Schwenksystem sind einstellbar. Optional kann das Gerät mit zusätzlicher Ausstattung geordert werden.

So gibt es das Modell Typ R.M. 03-TL mit einem Hydraulik-Zylinder für die Seitenverschiebung und eigener Hydraulikanlage. Als weitere Zusatzausrüstungen werden eine elektrische Bedienung für den Motorlauf (Sanft-Anlauf), ein eigener Ölkühler sowie eine hydraulische Gelenkverstellung von Neigung und Höhe angeboten. Die Berti-Mähscheibe hat eine Auslegeweite von 2,40 m und wiegt 285 kg.

Mulchen unterm Wolfszaun

Fazit: Auch die Mähscheibe ist mit den Bedingungen im Praxistest sehr gut zurechtgekommen. Das automatische Ausschwenken des Gerätes ermöglicht ebenfalls ein kontinuierliches Arbeiten, sodass die bauartbedingten Nachteile eines Heckanbaus nicht so ins Gewicht fallen.

Fazit des Vergleichs: Im Flachland gut

Auf der ebenen Weidefläche haben alle Geräte ein sehr ordentliches Arbeitsergebnis abgeliefert. Es gibt am Markt auch Modelle, die nur mit Mähfäden statt Messern arbeiten. Sie beseitigen Sträucher nicht vollständig. Alle Mulcher konnten einwandfrei unter dem Draht in 20 cm Höhe arbeiten. Sehr gut funktionierte auch das Ausweichen bzw. Ausschwenken der Mähscheiben an den Pfosten.

Frontgeräte mit Vorteilen

Grundsätzlich eignen sich Frontgeräte besser: Damit hat der Fahrer eine sehr gute Sicht auf die Arbeitsgeräte und muss sich nicht ständig umdrehen. Das vereinfacht es, am Zaun entlang zu lenken, und macht die Arbeit entspannter. Für Böschungen oder abschüssiges Gelände lässt sich bei allen Geräten die Neigung einstellen. Auch bezüglich der Arbeitsgeschwindigkeit gibt es mit rund 4 km/h keine Unterschiede. Die Preisspanne der vorgeführten Mulcher reichte von 4000 bis über 9000 €. Da beim Ausmähen keine engen Zeitfenster gesetzt sind, könnte man solche Geräte jedoch überbetrieblich einsetzen und so die Kosten reduzieren.

Die Vorführung im ebenen Gelände erlaubt jedoch keine Aussage darüber, wie die Geräte unter steileren Bedingungen, etwa im Alpenvorland oder auf Almen, zurechtkommen.

Wolf im Alpenraum

Der Freistaat hat diese Woche ‚nicht zumutbar schützbare Zonen‘ festgelegt. In den Gebieten gilt der übliche Herdenschutz als nicht machbar. Aufgrund der steilen Hänge und der zerklüfteten Landschaft erscheint auf den Weideflächen der Alpen das Aufstellen von wolfsabweisenden Zäunen als wenig erfolgsversprechend. In nicht schützbaren Weidegebieten werden bei Übergriffen auf Nutztiere in ausgewiesenen Wolfsgebieten Ausgleichszahlungen auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen geleistet.

Was ist ein Wolfszaun?

  • Wolfabwehrzäune sollten mechanische und elektrische Wirkung kombinieren.
  • Rein mechanische Zäune (Maschendraht) müssen untergrabsicher sein. Diese kann man oben und unten mit stromführenden Drähten ergänzen (Mindesthöhe 120 cm oder 90 cm plus Elektrodraht auf 120 cm).
  • Stromführende Festzäune sollten mindestens vier Litzen (20, 40, 65 und 90 cm, besser bis 120 cm) besitzen.