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Maschinen einwintern

Der Winter naht: Maschinen jetzt einwintern

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Mittwoch, 23.11.2022 - 17:15

Nach den letzten Einsätzen sollten Maschinen und Geräte sauber gepflegt und winterfest gemacht werden. Hier einige Tipps.

Die Felder sind abgeräumt. Die Ernte ist unter Dach und Fach. Auch die Herbstsaat ist im Boden. Nur die Zuckerrübenernte läuft noch. Damit auch nächstes Jahr alle Maschinen zuverlässig laufen, ist spätestens jetzt die Zeit sie entsprechend zu pflegen und winterfest zu machen.

Der aktuell milde Herbst darf nicht darüber hinweg täuschen der Winter –egal ob mild oder streng – wird kommen. Egal, ob Mähwerk, Ladewagen, Grubber oder Pflug sowie Feldspritze etc. vier wichtige Punkte sollten berücksichtig werden:

  • Gründlich säubern mit Wasser oder Luftdruck,
  • Kontrolle bzw. Fehlersuche und -behebung,
  • Abschmieren und anschließend konservieren,
  • an einem witterungsgeschützten Platz sicher abstellen.

Gute Pflege erhöht die Lebensdauer

Die Geräte gut zu pflegen, erhöht die Lebensdauer und Einsatzsicherheit der Maschinen in der Saison. Die einzelnen Arbeitsschritte sind in der Regel bekannt und auch nicht kompliziert. Um Fehler zu vermeiden, sollte man nie unter Zeitdruck arbeiten. Jetzt hat man die Zeit in Ruhe die Maschinen winterfest zu machen. Und sehr wichtig, damit keine Unfälle passieren, immer die Sicherheitsvorkehrungen beachten: wie Motor abstellen, Hydraulikabsperrhahn verriegeln, Geräte wie Mähwerk mit standfesten Böcken absichern, nie an laufenden Maschinen arbeiten etc. Grundsätzlich sollte eine Maschine, die ins Winterquartier kommt, gereinigt und somit sauber sein. Denn bekanntlich ist Schmutz ‚Gift für den Lack‘, hier kann sich leichter der unerwünschte Rost bilden.

Nass- oder Trockenreinigung?

Einwintern-Reinigen-Schlepper-Pflug

Bei der Reinigung stellt sich die Frage: nass oder trocken reinigen, das heiß mit Wasser oder mit Luft? Beide Verfahren sind unterschiedlich geeignet. Je nachdem setzt man besser den Hochdruckreiner oder den Kompressor ein. Für empfindliche Maschinen insbesondere im Motorbereich ist Wasser mit dem Hochdruckreiniger nicht zu empfehlen. Das könnte zu Schäden führen. So sollte man z. B. einen Mähdrescher insbesondere das Innenleben mit Luftdruck sauber machen.

Für Ladewagen, Pflug und den Schlepper (außen) ist eine gehörige Wasserdusche nicht verkehrt. Dennoch sollte man bei den empfindlichen Stellen wie Ventile, Kugellager, Elektronik und Motoren aufpassen und nicht mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten. Auspusten mit Kompressor und Luftpistole ist hier geeigneter, um Schäden zu vermeiden.

Wichtig ist auch, die Maschine nach der Reinigung mit Wasser noch einmal laufen zu lassen und sie danach richtig abtrocknen zu lassen. Am besten findet der große Waschtag bei milden Temperaturen statt. Abschließend sollte man Kugellager und Ketten einfetten. Bei den Geräten mit Keilriemen sollten diese vor dem Winterschlaf gelockert werden. Das gilt ebenso für große Spannfedern – sie sollten nicht gespannt sein.

Motorisierte Maschinen für die kalten Tage rüsten

Die motorisierten Maschinen wie Traktor, Mähdrescher etc. sollten für die kalten Tage gerüstet sein:

  1. Frostschutz: Dazu gehört, dass bei Frostschutzmittel im Kühlerkreislauf und in der Scheibenwischanlage ist. Ist der Frostschutz nicht ausreichend (–20 bis –40 °C), muss entsprechend Frostschutzmittel nachgegossen werden. Danach ist es wichtig, den Motor nochmal anzustellen und warm laufen zu lassen. So ist nicht nur der Kühler vor Frost sicher, sondern auch Kühlkanäle und Motorblock. Zudem schützen Frostschutzmittel vor Korrosion. Deshalb ist es nicht ratsam das Kühlerwasser abzulassen. Hier kann sich leicht Rost absetzen und zu Schäden am Kühler und am Motorblock führen.
  2. Kraftstofftank checken: Auch wenn sich die Maschinen im Winter nicht bewegen, sollte der Tank voll sein. Denn das verhindert mögliche Schäden durch Kondenswasser. Natürlich sollte dabei mit Winterdiesel befüllt werden. Auch hier gilt, den Motor nach dem Tanken erneut laufen zu lassen, damit der Kraftstoff auch in Filter und Pumpen gelangen kann.
  3. Batterien: Für die Batterien an den Maschinen gilt in der kalten Jahreszeit: Abklemmen und/oder Ausbauen und frostfrei lagern.

Am Besten ist ein Dach über den Maschinen

Mit einem umfangreichen Check vor der Einlagerung der Maschinen schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe. Erstens werden die Maschinen richtig gereinigt und konserviert, zweitens werden die Funktionen überprüft und Fehler erkannt und drittens zeigt sich, wo Handlungs- oder Reparaturbedarf durch einen Fachmann besteht.

Zuallerletzt ein paar Worte zum Winterquartier. Damit die gepflegten Geräte vom Winter nicht kalt erwischt werden, sollten nicht nur der Traktor und Feldspritze, sondern auch Grubber und Co. zumindest überdacht abgestellt werden.

Einen Plattfuß vorbeugen

Bei der richtigen Einwinterung von Maschinen dürfen auch die Landwirtschaftsreifen nicht vergessen werden. Wenn bereifte Geräte lange stehen, besteht die Gefahr, dass sich an den Reifen Standplatten ausbilden. Hier drei relevante Maßnahmen:

  • Auf Verschleiß und Reifenschäden kontrollieren: Ist die Abnutzung schon grenzwertig oder gravierende Schäden erkennbar, dann nicht erst kurz vor dem ersten Einsatz einen Ersatzreifen bestellen und erneuern. Das beugt zudem einen möglichen Maschinenausfall in der nächsten Saison vor.
  • Aufpumpen und Reifendruck anpassen: Die Reifen müssen genügend Luft enthalten, um die schweren Achslasten über den Winter zu tragen ohne flach zu werden. 1 bar Reifendruck ist für den Acker in Ordnung, aber nicht für die Zeit der Einwinterung. Der Reifen verliert ca. 0,1 bar pro Monat, in dem er nicht bewegt wird. Deshalb sollten Traktoren mit einem Reifendruck von 1,5 bis 2 bar über den Winter abgestellt werden. Bei Erntemaschinen dürfen es 2,5 bis zu 3 bar sein. Alternativ kann man die Maschinen auch an allen Achsen aufbocken (siehe Punkt 3).
  • Aufbocken: Um die Reifen zu entlasten, muss die Maschine an allen Achsen aufgebockt werden. Das gilt besonders für schwere Fahrzeuge. Einige Anbaumaschinen haben dafür einen entsprechenden Ständer. Tipp: Ein Mähwerk steht im Winter ebenfalls schonender, wenn es auf Kanthölzern und nicht direkt auf dem Boden abgestellt wird.

Checkliste zum Einwintern der Pflanzenschutzspritze

Die Feldspritze mit ihren vielen empfindlichen Bauteilen braucht besonderes Augenmerk und Pflege, damit es nach der langen Standzeit kein böses Erwachen in der nächsten Saison gibt. Hier quasi eine Checkliste, damit man beim Einwintern nichts übersieht.

  • Die Spritze sollte gründlich innen und außen gereinigt werden, dafür gibt es spezielle Reiniger, dann wird sie von eventuellen Pflanzenschutzmittelresten gründlicher sauber.
  • Die Reinigung sollte nur auf dem Acker stattfinden, so vermeidet man Einträge in die Kanalisation oder Vorfluter. Danach die Spritze vollständig entwässern.
  • Über die frostigen Wintermonate sollte man unbedingt Frostschutz in den Tank füllen, dazu eignet sich ‚normales‘ Kühlerfrostschutz in der erforderlichen Konzentration.
  • Danach sollte man alle Funktionen, wie Rührwerk, Einspülschleuse usw. betätigen und auch alle Düsen einschalten, damit das Frostschutzmittel überall vorhanden ist bzw. herauskommt und anschließend abtrocknen lassen.
  • Der nächste Schritt ist das Abschmieren aller Schmierpunkte.
  • Alle Filter, wie Saug- und Druckfilter, aber auch die Düsenfilter, müssen sauber gereinigt werden.
  • Dabei auch Pumpe, besonders die Membranen und den Ölstand genau kontrollieren.
  • Zuletzt sollte man die Spritze an einen trockenen Standplatz gut gesichert abstellen.

Tipp: Es ist sinnvoll alle empfindlichen Bauteile wie Manometer oder Terminal auszubauen und frostfrei zu lagen.

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