Investitionen

Traktor: Kaufentscheidung rational kalkulieren

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Ludwig Volk, Warendorf
am Donnerstag, 17.06.2021 - 07:20

Vor dem Kauf eines Traktors steht die Kalkulation, welches Modell sich über die Nutzungsdauer am besten rechnet. Das hängt nicht nur vom Kaufpreis ab.

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Wer erwägt, einen neuen Traktor zu kaufen, sollte sich vor der Entscheidung für eine Marke und ein Modell einen Überblick über die anfallenden Kosten verschaffen. Zwei Excel-Arbeitsmappen von Rainer Möller, die das Wochenblatt zum Download bereitstellt, können bei dieser Kalkulation helfen. Zu finden sind sie am Ende des Textes.

Ein Beispiel aus der Praxis soll das Vorgehen verdeutlichen: Ein bayerischer Landwirt mit Ackerbau und Schweinemast sucht einen Schlepper mit 150 bis 160 PS. Der Schlepper soll 700 Stunden im Jahr laufen. Der Betriebsleiter spricht mit drei Händlern und vergleicht drei Schlepperneupreise:

  • Claas Arion 630, Preis: 145.500 €,
  • Fendt 716 Vario, Preis: 161.000 €,
  • John Deere 6155R, Preis: 142.000 €.

Die Angebote für die Inzahlungnahme des zu ersetzenden Schleppers sind unterschiedlich. Eine einfache Preisermittlung für den zu ersetzenden Schlepper hat der Landwirt mit dem Gebrauchtmaschinenportal www.technikboerse.com durchgeführt. Aus einigen vergleichbaren Angeboten hat er einen durchschnittlichen Preis von 60 000 € herausgefiltert. Mit diesem Rücknahmepreis geht er in die Gespräche mit den Landmaschinenhändlern.

Rücknahmepreis für den alten Traktor einpreisen

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Während der Claas-Händler für den Gebrauchten als Rücknahmepreis 71.000 € beim Neukauf des Arion 630 ansetzt, bietet der John-Deere-Händler 65.000 € beim Neukauf eines 6155R. Der Fendt-Händler stellt 58.400 € beim Kauf eines 716 Vario in Aussicht.

Den zuvor ermittelten Rücknahmewert von 60.000 € verrechnet der Landwirt mit dem Kaufpreis. Damit sinkt der angenommene Kaufpreis für den Arion 630 auf 134.500 € und die angenommene Zuzahlung für den Fendt 716 Vario steigt auf 162.600 €.

Der Landwirt plant eine Nutzungsdauer von acht Jahren mit insgesamt 5.600 Schlepperstunden. Für unsere Kostenkalkulation nutzt er die Formel zur Schlepperrestwertschätzung des KTBL. Der Landwirt erhöht den errechneten Restwert um 20.000 € und begründet dies mit den Preissteigerungen der letzten Jahre sowie den höheren Wiederbeschaffungskosten in acht Jahren.

Für den Fendt kalkuliert er den Restwert mit 85.817 €, beim Claas mit 79.480 € und beim John Deere mit 78.050 €. Die Schätzung ist unsicher, aber der Landwirt will Preissteigerungen und zu erwartende höhere Restwerte berücksichtigen.

Zu den Jahresfestkosten, vor allem Wertminderung durch Abschreibung, gehören Zinskosten und Versicherung. Claas hat mit 8.447 €/Jahr (12,10 €/h) die niedrigsten Fixkosten, der John Deere kostet 8.944 € (12,80 €/h) und der Fendt hat Jahreskosten von 11.340 € (16,20 €/h).

Bei den variablen Kosten orientiert er sich ebenfalls an den Richtwerten des KTBL: Die durchschnittlichen Reparaturkosten liegen bei 6,30 € je Schlepperstunde. Beim Dieselverbrauch orientiert sich der Betriebsleiter erneut an den Zahlen des KTBL. Es wird bei den drei Traktoren mit je 14 l Dieselverbrauch je Stunde gerechnet, bei 1 €/l Dieselpreis beträgt die Dieselkostensumme je Stunde 14 €. Die variablen Kosten der Neukäufe sind deshalb in der Kalkulation identisch und betragen bei 700 Schlepperstunden – inklusive 20 €/h Lohnansatz – 28.198 € (40,30 €/h).

Wie verwertet man die betrieblichen Stunden?

Die Frage, ob 20 € je Stunde Lohnansatz zu wenig oder zu viel sind, sollte der Betriebsleiter nach seiner betrieblichen und familiären Situation selbst beantworten. Wer eine Stundenverwertung im Stall, der Biogasanlage oder mit Sonderkulturen wie Spargel von 40 € erreicht, sollte den Schlepper nicht für 20 €/Stunde oder weniger fahren. Er verwertet mit zugekaufter Leistung vom Lohnunternehmer seine Arbeitszeit besser.

Wer nebenberuflicher Betriebshelfer sein kann oder Hofgebäude für Mieter attraktiv erneuern kann, hat ebenfalls eine bessere Stundenverwertung im Vergleich zum unbezahlten Familienmitglied. „Ich bin sowieso da“ als Begründung für unbezahlte Mitarbeit ist bei Investitionen eine verfälschende Annahme. Landwirtsfamilien leben und arbeiten in der Generationenfolge. Ein im Altenteil lebender Senior kann, auf eigenem Wunsch, im Betrieb mitarbeiten und den Schlepper fahren. Deswegen gehören zu Investitionsplänen auch Gedanken zur rationellen Arbeitserledigung durch Arbeitsteilung. Die Einkommenskombination kann ein sinnvoller Weg sein, das Familienvermögen zu erhalten.

Es gibt jedoch auch Tätigkeiten, bei denen die Vergabe an Lohnunternehmer mit spezieller Technik sinnvoll ist. Dazu zählt z. B. angesichts steigender Anforderungen an Klima- und Bodenschutz die Gülledüngung.

Feste und variable Kosten berücksichtigen

Um die gesamten Traktorkosten zu beziffern, werden die festen Jahreskosten mit den variablen Verbrauchs- und Reparaturkosten zusammengezählt. Dabei ist der Claas mit 52,40 €/h (36.646 €/Jahr) der kostengünstigste Traktor vor dem John Deere mit 53,10 €/h (37.142 €/Jahr) und dem Fendt 726 Vario mit 56,50 €/h (39.538 €/Jahr). Die Kostenunterschiede zeigen, dass veränderte Kaufpreise, erwartete Restwerte, zu erwartende Reparaturkosten und verschiedene Dieselverbräuche die Reihenfolge verändern können.

Nicht berücksichtigt sind Unterschiede bei bevorzugten Händlern mit leistungsfähiger Werkstatt und fähigen Mechanikern, kompetenten Verkäufern, die Entfernungen zur Werkstatt sowie die Erfahrungen mit der Bedienung der seitherigen Traktormarke.

Großen Einfluss auf die Kosten hat der Fahrer

Welcher Traktor passt zum jeweiligen Betriebsleiter und seinen persönlichen und betrieblichen Anforderungen? Aus Datenaufzeichnungen in der Praxis stammt die Faustzahl, dass die Fahrerfähigkeit, das eingesetzte Wissen und Können im Jahr etwa 3.000 € Kosten- und Leistungsunterschiede ausmachen. Bei den Schlepperkosten im Betrieb hat der Fahrer mehr Einfluss auf Kosten und Leistung als die Traktormarke. An dem vorgestellten Praxisbeispiel sieht man, wie man im Trecker-Check-Rechenblatt mit eigenen Zahlen kalkulieren kann.

Vor der Entscheidung für einen bestimmten Traktor sollte man außerdem vergleichen, welche Finanzierungsoption die kostengünstigste ist. Der Landwirt prüft die Finanzierung mit einem Bankkredit, mit Leasing und mit Mietkauf. Beim Kauf müssen die Zinsen für Eigen- und Fremdkapital dem Kaufpreis hinzugerechnet werden.

Traktor kaufen, mieten oder leasen?

Im Beispiel werden beim Kauf der Traktors als Nettoanschaffungspreis 142.000 € beziehungsweise mit durchschnittlichen, geschätzten Zinsen von 1 % für Eigen- und Fremdkapital 146.544 € als Kostensumme fällig. Umgerechnet auf acht Jahre Laufzeit (96 Monate) der geplanten Traktornutzung ergibt sich eine fiktive Monatsrate von 1527 €, falls man sich für den Kauf entscheidet.

Der Landwirt prüft das Leasingangebot und nimmt den identischen Anschaffungswert von 142.000 €, dazu kommen Bearbeitungskosten von 950 €. Das Leasingangebot beläuft sich auf monatlich 1.595 € oder in acht Jahren summiert auf 154.070 €. Der rechnende Praktiker vergleicht die Kostensumme beim Kauf mit 146.544 € mit der Leasingsumme von 154.070 € und errechnet eine Differenz von etwa 7.500 €. Dann prüft der Praktiker ein Mietkaufangebot über 72 Monate (im Angebot die maximal mögliche Laufzeit) und kommt dabei auf eine monatliche Zahlung von 1.820 €, insgesamt also 159.674 €.

Das Mietkaufangebot würde zum höchsten Kaufpreis führen. Die Reihenfolge bei diesem Landwirt und seinen drei Händlern inklusive Bearbeitungskosten und Restzahlung ist:

  • Kauf mit 146.544 €, monatlich 1.527 €,
  • Leasing mit 154.070 €, monatlich 1.605 €, das sind 7.500 € mehr,
  • Mietkauf mit 159.674 € oder monatlich 2.218 €, damit entstehen 13.130 € höhere Kosten als beim Kauf des Traktors.

Wenn das Geld vorhanden ist oder die Bank einer Finanzierung zustimmt und nicht andere Gründe für Leasing oder Mietkauf sprechen, ist für diesen Landwirt der ‚normale‘ Kauf die kostengünstigste Option.