Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Landtechnik

Ist der Traktor ein Auslaufmodell?

Schlepper
Helmut Süß
Helmut Süß
am Donnerstag, 28.11.2019 - 11:58

Ob der Traktor Fahrt in die Zukunft aufnimmt oder ob er unterwegs ist in eine Sackgasse, das haben die Landtechnikingenieure diskutiert. Sie sind nicht einig.

Der Traktor steht seit über 100 Jahren als universale Zug- und Antriebsmaschine im Zentrum der landwirtschaftlichen Mechanisierung. Doch wie lange noch? Prof. Dr.-Ing. Peter Pickel, Vorsitzender des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik, präsentierte beim VDI-Pressegespräch „Braucht Landwirtschaft 4.0 noch den Traktor?” die Ergebnisse der Mitgliederbefragung im Rahmen der Internationalen Fachtagung Land.Technik im Vorfeld der Agritechnica.

Digitale Schaltzentrale im technologischen System

Gegenwärtig entwickelt sich der Traktor zur digitalen „Schaltzentrale“ im technologischen System. Die Nutzung digitaler Daten begann mit einem einfachen Bordcomputer zur Anzeige verschiedener Betriebszustände. Wie geht die Entwicklung mit der Schlüsselmaschine der Landwirtschaft weiter? Nimmt der Traktor Fahrt in Richtung Zukunft auf oder ist er unterwegs in eine Sackgasse?

Zentrale Ergebnisse der VDI MEG-Befragung: Aufgrund des vorherrschenden Trends zu größeren Arbeitsbreiten gehen über ein Drittel der Befragten (35 %) davon aus, dass Traktoren zukünftig noch leistungsstärker und damit noch größer und schwerer werden. Dass die Ingenieure die Gefahr der Bodenverdichtung durch moderne Fahrwerkskonzepte in den Griff bekommen, glauben dagegen nur etwa 20 %.

Ebenso geht nur eine Minderheit der Befragten (23 %) davon aus, dass die Bedeutung des Traktors als Schaltzentrale abnehmen wird. Auch bei zunehmender Präzision der Datenerfassung und der Aktorik bei Pflanzenschutz und Düngung wird er seine Bedeutung gegenüber Spezialmaschinen (Selbstfahrern, Feldrobotern) nicht verlieren. Die mit Abstand größte Zustimmung (über 90 %) gab es bei der Forderung nach verstärkter herstellerübergreifender Kooperation, um in Zukunft eine reibungslose Datenkommunikation zwischen den einzelnen Technikeinheiten zu gewährleisten.

Zapfwelle und Hydraulik als Auslaufmodell?

Ein Drittel der Befragten glaubt außerdem, dass in den nächsten zehn Jahren elektrische Traktor-Geräte-Schnittstellen Hydraulik und Zapfwellen vom Markt verdrängen werden. So können die Geräte, die vom Traktor gezogen werden, zukünftig auch von der Fahrerkabine aus vollelektrisch angesteuert und angetrieben werden.

Zurückhaltender reagieren die befragten Mitglieder auf das Thema Konnektivität u.a. durch 5G. Nur 19 % können sich vorstellen, dass in Zukunft der Isobus (Datenbus) zur Datenkommunikation zwischen Traktor und Gerät überflüssig wird. Dennoch können sich fast 40 % vorstellen, dass autonom fahrende Traktoren in Zukunft unsere Felder bewirtschaften.

Wenig Optimismus zum Einsatz von Feldrobotern

Weniger optimistisch ist man hinsichtlich des perspektivischen Einsatzes kleiner autonomer Feldroboter und sogenannte Feldschwärme als Ersatz für Traktor-Geräte-Kombinationen bei Dünge- und Pflegearbeiten auf dem Feld. Nur 18 % können sich das vorstellen.

Eine Renaissance sehen die Mitglieder allerdings in alternativen Kraftstoffen (52 %). Auch der diesel-elektrische Antrieb von Traktoren, inklusive elektrischem Antrieb der Geräte scheint über einem Drittel der Befragten vorstellbar (32 %). Dass der Dieselmotor im Traktor komplett durch elektrische Motoren verdrängt wird, kann sich allerdings nur eine Minderheit vorstellen. Lediglich 11 % glauben, dass dieser in 20 Jahren verboten ist.