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Bodenbearbeitung

Stoppeln einarbeiten: Auf Nässe achten

Bodenbearbeitung
Helmut Süß
Helmut Süß
am Donnerstag, 05.08.2021 - 09:05

Mit der Stoppelbearbeitung will man Erntereste einarbeiten, Unkräuter bekämpfen und Ausfallgetreide zum Keimen bringen. Besonders im nassen Erntejahr 2021 ist darauf zu achten, dass dabei die Bodenverhältnisse stimmen.

Auch wenn dieses Jahr wetterbedingt vieles anders ist: Der Grundsatz, dass eine effektive Stoppelbearbeitung bereits beim Dreschen beginnt, gilt immer. Denn das Stroh und die Streubestandteile sollten vom Mähdrescher möglichst kurz gehäckselt und gleichmäßig über die ganze Arbeitsbreite verteilt werden. Nur so schafft man auch gleich entsprechend gute Voraussetzungen. Denn das Ziel der Stoppelbearbeitung ist nicht primär das Lockern der Böden, sondern das flache Einmischen von Ernterückständen, die Unkrautbekämpfung und das oberflächige Einarbeiten von Samen, die zum Keimen angeregt werden sollen. Strohanhäufungen können später kaum durch ein Bodenbearbeitungsgerät über das Feld gleichmäßig verteilt beziehungsweise eingearbeitet werden.

Flach und ganzflächig bearbeiten

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Die erste Stoppelbearbeitung sollte sich an den diversen „F” orientieren: flache, feine, feste sowie flotte und ganzflächige Bearbeitung des Bodens. Optimal ist es, in möglichst kurzem Zeitabstand nach der Ernte die erste Bodenbearbeitung durchzuführen. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, dass der Boden nicht zu nass ist, sonst können Schadverdichtungen auftreten. Schaden nimmt der Boden auch, wenn mit zu hohem Luftdruck gefahren wird.

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Eine zweite Anwendung der klassischen Stoppelbearbeitungsgeräte ist das Zerkleinern beziehungsweise Einarbeiten von (grünen) Zwischenfruchtbeständen.

In Triesdorf wurden 24 typische Geräte für die Bodenbearbeitung und Saat vorgestellt beziehungsweise in der Forumshalle besprochen und in fünf Gruppen eingeteilt:

  • Anregung der Keimung von Ausfallgetreide und Unkräutern,
  • Bekämpfung von Ausfallgetreide und Unkräutern, Grundbodenbearbeitung,
  • Tiefenlockerer,
  • Mulchsaat.
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Ziel der Bearbeitung ist grundsätzlich, je nach System die Bearbeitungstiefe so zu wählen, dass eine ganzflächige Bearbeitung erfolgen kann. Die Maschinen können dabei wahlweise mit Nachläufer oder Striegel ausgestattet werden. Dies und auch die Arbeitsgeschwindigkeit haben wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der Bearbeitung und die erzielte Arbeitsqualität.

Zapfwellengetriebene Geräte sind aufgrund mangelnder Schlagkraft und hoher Kosten nicht primär für die Stoppelbearbeitung geeignet. Vor allem Kurzgrubber und Kurzscheibeneggen sowie Kombigeräte werden für den Stoppelsturz eingesetzt. Eine Renaissance erlebt derzeit die auch als Kultivator bezeichnete Federzahnegge. Insbesondere die Kurzscheibeneggen haben sich für die ausschließlich flache und intensiv mischende Stoppelbearbeitung und Saatbettbereitung etabliert.

Bewährte und neue Geräte im Praxiseinsatz

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Grundsätzlich bieten die Landtechnikhersteller verschiedene Kombigeräte aus mehrbalkigen Grubbern und Grubber-Scheibeneggen-Kombinationen beziehungsweise den bodenangetriebenen DynaDrive oder DynaDrive Pro (mit der doppelten Zinkenanzahl auf dem hinteren Rotor) an. Diese Geräte erzielen durch die mehrbalkige, lange Bauweise einen besseren Mischeffekt bei flacher Bearbeitung und sind durch den Anbau verschiedener Schare auch für die tiefere Bodenbearbeitung geeignet.

In der Praxisvorführung kamen nur sechs flach arbeitende Bodenbearbeitungsgeräte und zwei Sämaschinen zum Einsatz, da die Bodenverhältnisse für tiefere Bearbeitung zu feucht waren. Das Spektrum reichte von bewährten bis zu ganz neuen Modellen:

  • Knoche Speedmax 300 – ein neues, effizientes Arbeitsgerät zur Restpflanzenzerkleinerung. Die zwei hintereinander liegenden Walzen mit 390 mm Durchmesser haben gegenläufige Messer. Damit erzielt man einen sehr engen Kreuzschnitt auf dem Boden. Als Open-Cage-Technik bezeichnet Knoche die Walzenkonstruktion ohne Innenachse. Auch bei großen Mengen von Restpflanzen oder feuchtem Boden soll dabei das Material förmlich aus der Mitte herauskatapultiert werden. Durch die kurzen Walzenabschnitte (jedes Element ist nur 75 cm breit) soll eine sehr gute Anpassung an die Bodenkontur ermöglicht werden. Dabei kann mit bis zu 25 km/h gearbeitet werden.
    Die Einstellung der Arbeitstiefe erfolgt über Hydraulikzylinder der Sä-Aggregate. Diese dienen gleichzeitig als Stoßdämpfer bei Steinen und großen Unebenheiten im Feld. Zudem verhindern sie Schwingungsübertragungen auf den Maschinenrahmen selbst bei hohen Arbeitsgeschwindigkeiten von 15 bis 20 km/h.
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  • Horsch Einscheiben-Direktsaatmaschinen Avatar 3.16 SD: Michael Horsch entwickelte zunächst Direktsaattechnik auf Zinkenbasis für die Ostmärkte. In der jüngeren Vergangenheit kamen erste Überlegungen auf, Direktsaatmaschinen mit Scheibenscharen zu entwickeln, um den Bodeneingriff zu minimieren und vor Erosion zu schützen. Das Ergebnis ist die neue Avatar SD. Dabei handelt es sich um eine kompakte Maschine mit einer Arbeitsbreite von 3 bis 8 m, zweibalkigem Aufbau mit einem Reihenabstand von 16,7 cm und einem Durchgang von 33,4 cm je Reihe.
    Die leichte Grundmaschine ist geeignet für die Aussaat nach konventioneller Bodenbearbeitung oder Mulchsaat mit der Möglichkeit zum Anbau von Zusatzgewichten, um auch unter schwierigen Saatbedingungen eine sichere Formung der Furche und Einbettung des Saatguts mit dem SingleDisc-Schar zu gewährleisten. Zudem verfügt die Avatar über ein vielseitiges Tanksystem für Saatgut und Dünger beziehungsweise eine Mikrogranulateinheit. Eine Besonderheit ist die Ablage von Saatgut mit unterschiedlichen Korngrößen durch Anpassung der Ablagetiefe an die Ansprüche des jeweiligen Saatgutes (tief für große Körner, flach bei kleinen Körnern).
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  • Väderstad Carrier X 525 ist eine Scheibenegge zur Primärbodenbearbeitung und Saatbettbereitung bei hohen Geschwindigkeiten. Dank ihrer breiten Palette an verfügbaren Vorwerkzeugen, Scheiben und Walzen kann die Carrier von ultra-flacher Bodenbearbeitung bis zur tieferen Einarbeitung eingesetzt werden. Zur Gewichtserhöhung lässt sich die Carrier mit bis zu 800 kg. Die montierten CrossCutter-Discs wurden für Rapsstoppeln und Zwischenfrüchte konzipiert. Sie erzielen dabei einen ganzflächigen Schnitt und intensives Mischen in geringer Arbeitstiefe.
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  • Agriterra Eco-Star (Profiagrartechnik) ist ein Universalrotorstriegel, der auch für den Stoppelsturz (bedingt) oder zur nachfolgenden schnellen Bodenbearbeitung nach Kleegras- oder Luzerneumbruch eingesetzt werden kann. Durch die sehr gute Bodenanpassung in Verbindung mit dem doppelreihigen Striegel war bei der Vorführung das Ergebnis in Bezug auf Unkrautbekämpfung sowie in der Stoppelbearbeitung in Ordnung. Für ein gutes Ergebnis sollte der Rotorstriegel schnell gefahren werden.
Bodenbearbeitung
  • Kvick Finn: Letztes Jahr feierte das Kombigerät (Vertrieb Profiagrartechik) Deutschlandpremiere. Die Besonderheit an ihm ist die aufgelöste Bauweise zwischen einem dreibalkigen Grubber mit Spiralfederzinken, die bei der flachen Stoppelbearbeitung ganzflächig den Boden durchschneiden, sowie einem per Zapfwelle angetriebenen Rotor. Die Aufgabe des Rotors ist es, den bearbeiteten Boden inklusive Pflanzen- und Stoppelresten aufzunehmen, zu enterden und einen großen Teil der Wurzeln bzw. das organische Material an der Oberfläche wieder abzulegen.
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  • Kerner Helix 450 Kurzscheibenegge:Laut Kerner ist durch die besondere Scheibenanordnung und Scheibengeometrie ein seitenzugfreies Arbeiten möglich. Der Prallstriegel und die verschiedenen Walzensysteme sollen auch bei unterschiedlichen Einsatzbedingungen für exakte Arbeit sorgen, wenn es um die flache, schnelle und organische Bodenbearbeitung geht. Zudem bietet Kerner die Messerwalze X-Cut Solo an. Das Einsatzgebiet bei hoher Flächenleistung und geringem Kraftaufwand ist die Zerkleinerung organischer Ernterückstände, zum Beispiel zur Bearbeitung von Raps- und Silomaisstoppeln und zur Zerkleinerung von Zwischenfrüchten.
  • Kverneland Ecomat: Dieser Schälpflug ist ein leichtes Gerät, das den Boden sehr effizient flach pflügt. Neu sind die kurzen Körper aus Stahl oder Kunststoff, sie sollen den Verschleiß weiter senken. Dem Landwirt steht damit eine Alternative zur konservierenden Bodenbearbeitung zur Verfügung. Durch das Unterpflügen soll es weniger Probleme mit Unkraut, Pilzbefall und anderen Krankheiten geben. Der Ecomat hat eine Arbeitsbreite von 1,50 bis 4,00 m und erlaubt Arbeitsgeschwindigkeiten zwischen 8 und 12 km/h. Die Flächenleistung bei der Saatbettbereitung beträgt 2,5 bis 3,5 ha/h bei 3 bis 12 km/h. Beim Stoppelsturz pflügt man mit ihm 6 bis 8 cm tief.
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  • Köckerling Zinken-Direktsämaschine Ultima CS: Die Ablage der Saat erfolgt bei diesem Gerät in Bändern von je 6 cm Breite. Von Bandmitte zu Bandmitte beträgt der Abstand ca. 18,5 cm. Das soll die Standraumverteilung der Pflanzen verbessern (bessere Nährstoffversorgung und geringerer Krankheitsbefall). Die robusten Säzinken mit einer Scharbelastung von mehr als 230 kg halten die eingestellte Tiefe ein. Nachfolgende Blattfedernivellatoren ebnen wieder ein, bevor die STS-Packerwalze die Rückverfestigung erledigt.