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Unfallvermeidung

Sicher arbeiten in der Hof-Werkstatt

Petra Stemmler-Richter, SVLFG
am Donnerstag, 13.01.2022 - 12:03

Winterzeit ist Werkstattzeit: Sägen kreischen, Späne fliegen, Funken stieben durch die Luft. Präventionsexperte Robert Strixner von der SVLFG gibt Tipps, wie die Arbeit sicher wird und auch der Gesundheitsschutz nicht zu kurz kommt.

Foto_Werkstatt

Vor allem, wenn es darum geht, Maschinen und Geräte instand zu halten, braucht es Erfahrung und eine fundierte Ausbildung“, benennt Strixner zwei Grundvoraussetzungen für unfallfreies Arbeiten in der Werkstatt. Der Präventionsfachmann von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) ist froh darüber, dass sich der Ausbildungsstand der land- und forstwirtschaftlichen Unternehmer kontinuierlich verbessert. Unverzichtbar ist darüber hinaus auch der Blick in die Bedienungsanleitungen der Werkstattgeräte und – falls vorhanden – in die Wartungs- und Reparaturanleitungen der Geräte, die repariert werden sollen. „Diese Herstellerangaben sind verbindlich“, betont er. Sicherheitsrelevante Arbeiten, etwa an Bremsen, dürfen nur von autorisiertem Personal, zum Beispiel in Fachwerkstätten, durchgeführt werden.

Gute Organisation und aufgeräumte Werkstatt

Foto_Trennschleifer

Ungeplante Arbeitsunterbrechungen, zum Beispiel weil ein wichtiges Teil fehlt oder man den passenden Schraubendreher nicht zur Hand hat, sind potenziell gefährlich. Unterbrechungen der Arbeitsabläufe machen unkonzentriert, wichtige Arbeitsschritte werden vergessen. Drängen dann bereits andere Termine, wird die Zeit knapp und Bewegungen werden fahrig. „In jedem Fall steigt das Unfallrisiko. Wenn Arbeiten unter solchen Umständen weniger sorgfältig ausgeführt werden, kann es zudem zu Folgeunfällen kommen“, erklärt Strixner. Ein weiteres Problem: Wer seinen Arbeitsplatz plötzlich verlassen muss, lässt unter Umständen Gefahrenstellen für Dritte ungesichert zurück. Daher ist es umso wichtiger, die Arbeit vor Beginn ordentlich durchzuplanen und das Werkzeug sowie Ersatzteile griffbereit in der Nähe zu haben. „Achten Sie auch auf eine ausreichende Beleuchtung. Ein heller Arbeitsplatz macht die Arbeit sicherer.“

Richtige Persönliche Schutzausrüstung nutzen

Besonderes Augenmerk legt Strixner auf die passende Persönliche Schutzausrüstung (PSA): schnitthemmende Handschuhe, Augen-, Gehör- und gegebenenfalls Atemschutz sind genauso wichtig wie gutes, passendes Werkzeug. Die Bedienungsanleitung und die Sicherheitshinweise der Hersteller von Maschinen und Geräten geben Auskunft, welche PSA erforderlich ist.

Die Arbeit mit dem Trennschleifer gehört zu den Königsdisziplinen. Besondere Sorgfalt und ein fundiertes Know-how sind hier Pflicht. Unfälle im Zusammenhang mit Trennschleifern verlaufen in der Regel sehr schwer. Die größte Gefahr geht von fehlenden Schutzeinrichtungen am Trennschleifer sowie von verkanteten, brechenden Trennscheiben aus. „Wenn Trennscheiben brechen, fliegen die Teile wie kleine Geschosse davon“, warnt Strixner. Treffen sie Personen, besteht Lebensgefahr.
Der SVLFG-Mitarbeiter erinnert sich an einen solchen Unfall. „Das Segment der gebrochenen Scheibe traf den Landwirt unglücklich am Oberschenkel. Er verstarb an der Verletzung.“ Intakte, zur Drehzahl der Maschine passende Trennscheiben, machen die Arbeit mit der Flex sicherer. „Entsorgen Sie verschlissene Scheiben sofort, verwenden Sie heruntergeschliffene Scheiben keinesfalls auf kleineren Maschinen weiter“, betont der Fachmann. Zum Bruch der Trennscheiben kommt es zum Beispiel, wenn Werkstücke beim Flexen nicht sicher fixiert sind und sich während der Arbeit bewegen. „Deshalb ist es wichtig, auch schwere Gegenstände wie Stützräder sicher zu fixieren“, betont Strixner. Freihändig ausgeführte Flexarbeiten müssen mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden. Obligatorisch sind bei der Arbeit Schutzbrille, Gehörschutz und stabile, nicht brennbare Kleidung. Handschuhe mit Schnittschutz ergänzen die PSA sinnvoll.

Intakte Elektrik ist lebenswichtig

Elektrische Geräte erfordern intakte Zuleitungen und Steckdosen sowie einen Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) im Verteilerkasten. Der FI-Schalter muss einen Auslösestrom vom 30 mA aufweisen und sollte monatlich mit der Prüftaste ausgelöst werden. „Durch die regelmäßigen Prüfungen wird verhindert, dass der Schalter durch Staub und Luftfeuchtigkeit verklebt. Nur so kann er im Ernstfall schützen“, erklärt der Präventionsberater. Vor jedem Einsatz gilt: Alle elektrischen Werkzeuge und Geräte auf äußere Mängel kontrollieren. Schadhafte Geräte müssen vor dem Einsatz durch eine Elektrofachkraft repariert oder ausgesondert werden. Der Betriebsunternehmer muss zudem alle ortsveränderlichen Betriebsmittel jährlich durch eine Elektrofachkraft überprüfen lassen. Für fest installierte elektrische gilt ein Prüfturnus von vier Jahren.

Schlüssel ziehen, Batterie abklemmen

Gerade bei neueren Maschinen kommt man schnell an seine Grenzen. „Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Reichen Ihre Kenntnisse aus, um Fahrzeuge oder Maschinen zu reparieren? Haben Sie das notwendige Spezialwerkzeug?“, so Strixner. Bevor es an die Arbeit geht, gilt immer: Maschine stillsetzen, deren Stillstand abwarten und Zündschlüssel abziehen. Bei Arbeiten am Motor oder an elektrischen Bauteilen muss die Batterie mit der Masse zuerst abgeklemmt werden. „Kühl- und Hydraulikflüssigkeit, Lacke und Motorenöl sind Gefahrstoffe“, ergänzt Strixner. „Sie sind bei Kontakt schädlich für Haut, Augen und Atemwege. Nutzen Sie unbedingt die geeignete Persönliche Schutzausrüstung!“
Müssen schwere Gegenstände angehobenen werden, besteht immer die Gefahr, dass Stützen oder Stellteile versagen. Sei es, dass Bauteile brechen, Stellteile unbeabsichtigt betätigt werden oder Kraftübertragungssysteme gestört werden. Achten Sie deshalb darauf, dass immer ausreichend mechanische Stützen vorhanden sind. Sichern Sie vor Beginn der Arbeiten zudem Fahrzeuge und Maschinen gegen Wegrollen.

Den Wagenheber richtig ansetzen

Fahrzeuge oder Maschinen können mit Wagenhebern nur bis zu deren maximaler Hubleistung angehoben werden. Moderne Wagenheber haben ein Überdruckventil und sind überlastungssicher. Ihre Bedienungsanleitung gibt dazu Auskunft. Dort finden Sie auch Hinweise auf geeigneten Ansatzstellen für den Wagenheber. Der Untergrund, auf dem der Wagenheber steht, muss fest und eben sein. Auch beim Einsatz eines Wagenhebers gilt: Das angehobene Fahrzeug muss zusätzlich mechanisch abgestützt werden.

Ausführliche Informationen zur Werkstattarbeit bietet die Broschüre „Instandhaltung“. Sie steht zum kostenlosen Download unter www.svlfg.de bereit.

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