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Controlled Traffic Farming

Rapsernte Australien: 2 deutsche Junglandwirte dreschen hohe Erträge

Lukas und Clemens sammeln Erfahrungen in Australien: Ungewöhnlich hohe Niederschlagsmengen, das Controlled Traffic Farming“-System (CTF) sowie dessen Vor- und Nachteile beschäftigen die deutschen Junglandwirte.

am Samstag, 10.12.2022 - 10:14
Die letzten Vorbereitungen bevor es losgeht. Einmal tanken, abschmieren und Filter auspusten.
Die letzten zwei Bahnen der Rapsernte 2022!
Dieses Jahr freut sich unser Chef. Die Feldsilos sind schneller voll als die letzten Jahre.
Drei Korntanks der STS John Deere Mähdrescher passen in den Überladewagen.
Nachteil des Controlled Traffic Farming sind die teilweise extremen Unebenheiten in den Spuren.
Beim Abtanken muss Lukas in der halben Spur fahren. Mit der rechten Reifenseite fährt Lukas im Wachstumsbereich, da das Abtankrohr des Mähdreschers zu kurz für das CTF-System ist.
Durch die extreme Verdichtung des CTF-Systems ist die Fahrspur trotz stehendem Wasser befahrbar. Gerät man von der Spur ab, steckt man direkt fest.
Links sieht man den Wachstumsbereich (dickere Rapsstoppeln) und direkt bei der Rapsschwad die Fahrspur. Im Fahrbereich erkennt man klar die nur halb so starken Rapsstängel.

Lukas und Clemens haben vor Kurzem ihre landwirtschaftliche Ausbildung in Deutschland beendet. Auf einer Tour rund um die Welt wollen die beiden jetzt schauen, was sie von ausländischen Betrieben für ihre eigenen lernen und mitnehmen können.

Nach spannenden Rapsernte-Wochen in Lettland (agrarheute berichtete) ging es für die Junglandwirte pünktlich zur deutschen Winterzeit weiter zum "Harvesting in Down Under". Hier ihre Erfahrungen vom fünften Kontinent:

Überdurchschnittliche Ernteerträge

Seit Ende Oktober hat es insgesamt 250 mm Niederschlag gegeben und wir hatten wenige Erntetage hintereinander. Laut unserem Chef ist das für diese Zeit nicht normal. Eigentlich liegt in dieser Region der Niederschlagsdurchschnitt im Jahr bei 450 mm.

Die Rapsernte ist nun abgeschlossen.1100 ha haben wir bis auf zwei kleine Probleme gut dreschen können. An guten Tagen waren 150 ha Tagesdruschleistung zu schaffen. Angefangen haben wir morgens um 10 Uhr, nachdem die Maschinen ausgepustet und abgeschmiert waren. Aufgehört haben wir meistens gegen 22 Uhr, aufgrund von mangelndem Platz in den Feldsilos.

Ernten in Down Under – erst der Raps, dann die Gerste

Wir haben insgesamt sechs Flächen Raps gehabt. Auf 1100 ha ergibt das eine Durchschnittsgröße von 183 ha pro Schlag. Der Ertrag schwankte zwischen 2 t/ha und 3 t/ha und war damit überdurchschnittlich für westaustralische Verhältnisse. Im Vergleich: 2019 lag der Ertrag unter 1 t/ha.

Unser Miterntehelfer Patrik hat dann mit dem Schwaden der Gerste begonnen, womit es dann als nächstes weiter gehen sollte. Wie dort die Erträge sind, werden wir berichten. Hier in Australien wird grundsätzlich mit dem Raps begonnen, nicht wie bei uns mit der Gerste.

Controlled Traffic Farming im praktischen Einsatz

Auf seinem 2700 ha großem Familienbetrieb wendet Micheal Swarbrick „Controlled Traffic Farming“ (CTF) an. Bei dieser Art der Landwirtschaft hat man über Jahre feste Fahrspuren, auf die die Fahrspuren und Arbeitsbreiten der Maschinen angepasst werden müssen.

Bei Swarbricks Betrieb sind diese Fahrspuren 12 Metern weit auseinander. Dies passt mit der Arbeitsbreite der Mähdrescher, des Schwadlegers und der Drillmaschine überein. Ebenso passen die Spritze und der Düngerstreuer mit einer Arbeitsbreite von 36 Metern in dieses System. Die Mittelpurbreite der Maschinen beträgt 3 Meter. Der John Deere 8260R vor dem Überladewagen hat eine verbreiterte Spur (Gesamtbreite 3,65 m), um mit seinem hohen Gewicht in denselben Spuren zu fahren. Der Betrieb verfügt nur über einen Brednar Tiefenhaken, welcher nach Bedarf eingesetzt wird. Grundsätzlich wird alles im Direktsaatverfahren ausgesät. Mit diesem System gibt es einen Fahrbereich und einen Wachstumsbereich. Im Fahrbereich, bis auf die Fahrgassen (36 m), werden die Kulturen ebenfalls ausgesät. Dort lassen sich schwächere Pflanzen feststellen als im Wachstumsbereich. Der Bestand ist in den Spuren lichter und die Rapsstängel nur halb so stark.

CTF: mit festen Fahrspuren gegen Wuchsdepression

Durch die schweren Gewichte der Maschinen und die dadurch hohe Bodenverdichtung wird die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens gesenkt. Ebenso ist in einem verdichteten Boden die Luftzirkulation geschwächt, wodurch die Pflanze Wuchsdepressionen erfährt. Die Fruchtbarkeit des Bodens in den Fahrspuren wird beim Controlled Traffic Farming sehr geschwächt, wodurch der unberührte Wachstumsbereich stark gefördert wird.

Im Wachstumsbereich hat man einen dauerhaften abgesetzten Boden, welcher durch den tiefwurzelnden Raps in der Fruchtfolge gelockert und dadurch gut durchlüftet ist. Gerade in nassen Jahren wie diesem, kann man trotz Wasser auf dem Feld in den Fahrspuren durch die hohe Verdichtung fahren.In der Theorie hätte man bei einer idealen quadratischen 100 Hektar großen Fläche, bei einer Reifenbreite von 710 mm, etwa 12 Hektar verdichtete Fahrspuren, dagegen 88 Hektar unberührten Boden. Im Gesamten soll dieses System zu einem Mehrertrag von bis zu 5 Prozent führen.

CTF muss zum Betrieb passen

Bei diesem System entstehen Unebenheiten durch die Fahrspuren auf dem Feld und dadurch leidet die Qualität der Ablagetiefe des Saatkorns. Des Weiteren müssen die Maschinen ideal aufeinander abgestimmt sein. Selbst das Abtankrohr der Mähdrescher müssten eine passende Länge haben, damit der Überladewagen in der benachbarten Spur fahren kann. Dies passt beim Betrieb von Micheal Swarbrick nicht, da die Rohre etwas zu kurz sind, weshalb der Überladewagen beim Überladen etwa 1,5 Meter versetzt zur Spur fahren muss und für Verdichtungen im Wachstumsbereich sorgt.

Das stärkste Argument für dieses System ist die Kostenreduzierung auf ein Minimum bei der Bodenbearbeitung. Energie, Maschinen und Personalkosten werden eingespart.