Technikneuheiten

Pflanzen innovativ schützen

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Dienstag, 09.02.2021 - 11:09

Der chemische Pflanzenschutz setzt darauf, reduzierte Mengen gezielter auszubringen. Dazu braucht es intelligente Systeme. Neben Hacke und Striegel sind auch Drohnen und Robotiksysteme im Einsatz.

Wenn man über Pflanzenschutztechnik spricht, denkt man zuerst an Feldspritze und Sprühgeräte. Diese Sparte wird in der Öffentlichkeit inzwischen sehr kontrovers diskutiert. Die Konequenz: Die Hersteller versuchen mithilfe technischer Innovationen, die chemischen Mittel noch gezielter auszubringen und zu reduzieren.

Oder sie lassen sie ganz weg und setzen auf Stahl und Eisen. Das spiegelt sich auch in den folgenden fünf aktuellen Trends im Pflanzenschutz wider.

Kombinierter beziehungsweise integrierter Pflanzenschutz mit präventiven, physikalischen sowie biologischen beziehungsweise biotechnischen Maßnahmen und als letzte Möglichkeit erst chemische Maßnahmen (siehe Wochenblatt Heft 2, Seite 24) rückt wieder verstärkt in den Fokus.

Einen großen Beitrag zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln können hier kombinierte Bearbeitungssysteme leisten. Das heißt, entkoppelte Systeme, wie optimierte Bandspritzsysteme mit hoher Schlagkraft, kombiniert mit Zwischenreihenhacken, die ebenfalls eine entsprechend hohe Schlagkraft aufweisen.

Mit diesen Systemen kann der Praktiker unter den entsprechenden Witterungsbedingungen auf dem Acker deutliche Einsparpotenziale nutzen, ohne auf Effektivität in der Behandlung zu verzichten.

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Mit Stahl und Eisen statt mit Chemie und Spritze: Unkräuter lassen sich nicht nur mit Herbiziden, sondern auch mit Stahl und Eisen bekämpfen beziehungsweise. regulieren. Ein klarer Trend kann in Richtung mechanische Unkrautkontrolle festgestellt werden: Viele Hersteller von Feldspritzen haben nun auch Striegel oder Hackgeräte neu im Programm.

Zu dieser Sparte kann man auch Geräte zählen, die mit elektrischem Strom Unkraut bekämpfen. Ein Hersteller (Lemken)will sogar sein Spritzenprogramm komplett einstellen und nur noch mechanische Geräte zur Unkrautregulierung anbieten.

Optimierte Pflanzenschutztechnik: Gerade die Landtechnikbranche bietet viele neue und verbesserte Ideen, um den ohnehin schon hohen Standard in der Ausbringgenauigkeit noch zu steigern.

Auch verbesserte Prognosemodelle, gekoppelt an die Ausbringtechnik mit Sensoren, Applikationskarten, Programmen und Düsentechniken können zukünftig die Landbewirtschaftung noch besser und nachhaltiger gestalten. Hier sind bereits praxistaugliche Lösungen am Markt.

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Punktgenau platzieren mit intelligenten Düsen: Im Bereich der abdriftreduzierten Düsen bieten so gut wie alle Hersteller Düsentypen an, die sowohl im Bereich der kompakten Injektordüsen wie auch bei den langen Injektordüsen anzusiedeln sind. Dabei sollte man nicht nur die optimierte Abdriftreduzierung, sondern auch die biologische Wirkung im Blick behalten.

Dies ist vor allem auch zu beachten, wenn man an die immer stärker reduzierten Wassermengen oder die steigenden Fahrgeschwindigkeiten denkt. Des Weiteren bieten Systeme wie Dropleg zum Beispiel im Raps die Möglichkeit, einen bienenschonenden Pflanzenschutz zu betreiben.

Auch die pulsweiten, modulierten Düsen, die mit Frequenzen von 20 bis 100 Hertz zuverlässig arbeiten, können diverse Möglichkeiten realisieren: Bei Kurvenkompensationen und Spot Spraying können Aufwandmengen innerhalb des Gestänges variiert werden. Diese Systeme zeigen ein enorm großes Potenzial auf, um den stetig steigenden Anforderungen und Auflagen in der Praxis gerecht zu werden.

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Automatisierung und Robotik: Die ersten Hackroboter haben, wenn auch in sehr geringer Stückzahl, den Einzug in die Praxis geschafft. Auch Drohnen haben sich unter anderem beim Ausbringen von Trichogramma-Schlupfwespen gegen den Maiszünsler bewährt, ebenso wie Sprüh-Drohnen in steilen Weinbergen.

Die Automatisierung mit Spurführungssystemen macht gerade bei den Hackgeräten Sinn. Die sehr gefragten Hightech-Lösungen arbeiten inzwischen sehr zuverlässig und exakt mit unterschiedlichen Systemen. Dazu zählen unter anderem optische Sensoren, Ultraschall oder RTK-basiertes GPS.

Doch alle Techniken haben am Ende des Tages dasselbe Ziel: nur Pflanzenschutzmittel so exakt und gering wie möglich auszubringen und/oder mechanisch das Unkraut zu regulieren, um flächendeckend die Kulturpflanzen in der Praxis zu schützen.

Kompaktspritze

Im Internet wurde eine anonymisierte neuartige Spritzengattung vorgestellt (siehe agrarheute.com): Die Kompaktspritze mit Fahrwerk, ein Bindeglied zwischen Anbau- und Anhängespritze. Die Lenkung wird im Feld aktiv in Abhängigkeit von der Lenkstellung des Zugfahrzeugs vorwärts wie rückwärts gesteuert (extrem wendig, Lenkeinschlag von 45°).

Auf der Straße folgen die Räder dem Zugfahrzeug aus Sicherheitsgründen per Nachlauflenkung. Diese Kompaktspritze hat ein Tankvolumen von 4000 l, bis zu 30 m heckgeklapptes Gestänge, eine Geländeanpassung über hydropneumatisches Fahrwerk, eine gefederte Oberlenkeraufnahme und eine variable Gewichtsverteilung zwischen Traktor und Spritze. Wer sich die Kompaktspritze ausgedacht hat, soll vorerst noch nicht veröffentlicht werden.

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Lemken richtet Produktprogramm neu aus

Lemken bietet als Spezialist für den professionellen Pflanzenbau ein umfangreiches Programm für die Bodenbearbeitung, die Sätechnik und den Pflanzenschutz. Die Diskussionen um einen nachhaltigen Pflanzenschutz sowie die ständig steigenden gesetzlichen Anforderungen veranlassen den Landtechnikspezialisten jetzt dazu, die Produktion von konventionellen Feldspritzen dauerhaft einzustellen.

Das Familienunternehmen Lemken will sich mit diesem Schritt stark und unabhängig für die Zukunft aufstellen. Das bedeutet, dass man das Angebot in den Produktbereichen Bodenbearbeitung, Sätechnik und Crop Care weiter ausbauen will, um sich als innovativer Marktführer zu behaupten.

Dabei wird sich „Crop Care“ künftig auf nachhaltige Pflanzenschutzlösungen (inklusive der kürzlich ergänzten Düngerstreuer) konzentrieren. Dazu hat Lemken vor zwei Jahren den niederländischen Hacktechnikspezialisten Steketee übernommen. Hierdurch ergeben sich Möglichkeiten, die mechanische Unkrautbekämpfung zusammen mit präziser selektiver Bandspritzung oder Spotspraying einzusetzen und damit zu umweltgerechteren Lösungen im Vergleich zur Flächenspritzung beizutragen. Gleichzeitig spart der Landwirt mit den neuen Verfahren Aufwand und Kosten.

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