Landtechnik

Neues rund um die Gülle

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Montag, 22.02.2021 - 16:13

Das Ausbringen von Gülle soll effizienter werden. Wir bieten einen Überblick über Weiterentwicklungen und Innovationen am Markt.

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Technische Weiterentwicklungen auf einen Blick:

  • Möscha hat einen leichten Schleppschuhverteiler entwickelt,
  • Evers zeigt seinen neuen Gülle-Scheibeninjektor,
  • Voglsang präsentiert einen neuen Nachrüst-Schleppschuhverteiler, einen Säure-Zusatz zur pH-Wertabsenkung sowie neue leichtere und stabilere Pumpen.
  • Fliegl steigt in die Gülle-Hacktechnik ein und hat weitere Neuheiten wie eine Twin-Düse für Schleppschuhverteiler.

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Vor dem Start in die Düngesaison 2021 bringen einige Hersteller technische Weiterentwicklungen und Neuheiten auf den Markt. Hier eine kurze Zusammenstellung:

Die Firma Möscha ist bekannt für ihren Schwenkverteiler. Die neuste Entwicklung ist der Möscha Schleppschuh (Eurotier Silbermedaille) mit zwei neuen Besonderheiten. So ist laut Firmenchef Helmut Mößmer zum einen die leichte und doch stabile Bauweise des Gestänges durch die Verwendung eines tragenden Rohrs aus Kunststoff die Grundlage für eine erhebliche Gewichtsreduktion.

Dadurch soll auch der Einsatz an kleineren Fässern mit niedrigerem Zugkraftbedarf möglich sein. Der Schleppschuhverteiler mit 15 m Arbeitsbreite wiegt 850 kg. Bei einer Arbeitsbreite von 9 m wiegt das Gestänge 400 kg. Der Möscha Schleppschuh wird nach Wunsch mit einer Arbeitsbreite zwischen 6 und 15 m gebaut. Zudem hat die Firma Möscha einen neuen Schnecken-Cutter entwickelt.

Evers: Einarbeiten und Abdecken von Gülle

Der 1-reihige Scheibeninjektor von Evers zeichnet sich durch eine effektive Einarbeitung von Gülle und deren Abdeckung auf einer größeren Arbeitsbreite aus. Die seit Jahren verwendeten Scheiben des Evers Toric-Injektors öffnen und bearbeiten den Boden.

Diese Maschine passt in ein Verschlauchungssystem ebenso wie zu einem Gülle-Selbstfahrer. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und sehr guten Gewichtsverteilung passt der 1-reihige Injektor auch hinter ein Güllefass.

Die Maschine ist so konstruiert, dass der Schwerpunkt der Maschine weniger als 50 cm hinter der Mitte der Unterlenkerkugeln liegt (keine negative Stützlast). Bei einer Arbeitsbreite von bis zu 9 m wiegt er weniger als 3000 kg.

Der Toric Mono hat einzeln aufgehängte gezackte Hohlscheiben mit einem Durchmesser von 51 cm wartungsfreien Torsionsfederung aus Gummi. Die Gülle wird 5 bis 10 cm tief deponiert.

Die in einem Winkel angebrachte Schleppzinkenreihe deckt die Gülle mit dem von den Scheiben aufgeworfenen Boden zu. Durch das direkte Deponieren der Gülle in den Boden verringern sich die Stickstoffverluste und erhöht sich die Wirksamkeit der Nährstoffe.

Fliegl: Hackgeräte zum Einarbeiten der Gülle

Fliegl bietet für die Saison 2021 ab sofort die 6- und 8-reihige Hackgeräte (Dexter 6 und 8) zur Gülleeinarbeitung an (auch nachrüstbar). Die neue Technik wird mit dem bewährten Schneckenverteiler von Fliegl ausgestattet.

Hinsichtlich des Hackwerkzeuges greift das Unternehmen auf die Funktion einer liegenden Kreiselhacke (System Busa) mit hoher Verschleißfestigkeit zurück. Dabei arbeiten die rotierenden Elemente auch bei hohem Unkrautbesatz zuverlässig und erlauben ein sehr dichtes Hacken bis an die Kulturpflanze ohne diese zu beschädigen.

Die Hacksterne kämmen die ungewünschten Pflanzen zwischen den Reihen regelrecht heraus und bedecken die in der Reihe gewachsenen Unkräuter mit Feinerde. Durch die Rotation der Kreiselhacke treten keine Verstopfungen auf.

Zur Verstellung der Arbeitstiefe kann der Neigungswinkel der Rotoren mit wenigen Handgriffen verstellt werden. Ebenfalls wird eine vollständige Einarbeitung der Gülle garantiert, da die Ablage der Gülle vor den Hackelementen erfolgt (keine Verätzung der Kulturpflanze).

Optional kann ein zusätzliches kameragestütztes Pflanzenerkennungssystem installiert werden. Auf Anfrage werden ausgewählte Einachs-Fässer mit einer Lenkung der Achse versehen, um maximale Wendigkeit am Vorgewende zu gewährleisten.

Schleppschuhverteiler Skate 2.0

Als weitere Neuheit präsentiert Fliegl den Schleppschuhverteiler Skate 2.0 mit sämtlichen Verbesserungen und Zusätzen wie die Schleppschuhdüse Twin. 2016 wurde der bewährte Fliegl Schleppschuh Skate eingeführt. Beim neuen Skate 2.0 wurde u.a. die Klappgeschwindigkeit um ein Drittel verkürzt.

Zudem gibt es den optionalen Anfahrschutz. Dabei können nun beide Enden des Schleppschuhs mechanisch zusammengeklappt werden für mehr Sicherheit für Mensch und Maschinen. So kann auch die Arbeitsbreite von 15 m auf 12 m reduziert werden. Auch das Speichern der gewünschten Arbeitsposition ist möglich und die Aushubhöhe am Vorgewende kann durch die Komfortsteuerung Easy beliebig eingestellt werden.

Eine Besonderheit ist das System Twin zur Minimierung der Futterverschmutzung, das bereits auf der Agritechnica 2019 gezeigt wurde. Es besteht aus Y-förmigen zweigeteilten Schleppschuhdüsen. Das Splitten des Gülleflusses sorgt für eine Verdopplung der abgelegten Güllebänder und gleichzeigt wird die Güllemenge pro abgelegtem Gülleband halbiert. Der Strichabstand verringert sich dabei von 250 mm auf 125 mm bei nahezu gleichbleibendem Eigengewicht des Schleppschuhverteilers.

Vogelsang: Syren stabilisiert die Gülle

Vogelsang bringt mehrere Lösungen zur präzisen Gülleausbringung und -förderung auf den Markt. Mit dem kompakten UniSpread stellt Vogelsang ein weiteres schlagkräftiges Gestänge für kleine Arbeitsbreiten von 6 bis 9 m vor, das die Gülle bodennah und emissionsarm ausbringt. Im Fokus für größere Arbeitsbreiten steht das BlackBird-Schleppschuhgestänge mit 24 m Arbeitsbreite.

Das chemische Verfahren Syren stabilisiert die Gülle durch den Zusatz von Schwefelsäure und reduziert die Stickstoffverluste um bis zu 70 %. Über einen Sensor misst das Syren-System automatisch den pH-Wert der Gülle und gibt die erforderliche Menge Schwefelsäure hinzu, um ihn abzusenken und die Gülle auf den Zielwert zu stabilisieren.

„Unser Ziel ist es, die Gülle mit all ihren Nährstoffen voll auszuschöpfen, Mineraldünger einzusparen und Emissionen zu reduzieren. Das sorgt nicht nur für mehr Wirtschaftlichkeit im gesamten Güllemanagement, sondern auch für eine höhere soziale Akzeptanz und Umweltverträglichkeit“, sagt Harald Vogelsang, Geschäftsführer von Vogelsang.

Voglsang weiter: „Syren ist ein geschlossenes, sicheres System, mit dem Landwirte und Lohnunternehmer ihre vorhandenen Techniken wie Schleppschlauch- oder Schleppschuhgestänge nachrüsten können und damit vergleichbar geringe Emissionen wie bei der Schlitztechnik erzielen. Gleichzeitig profitieren sie von der Schlagkraft und hohen Flächenleistung dieser Ausbringtechniken.“

Für mehr Effizienz in der Gülleausbringung sollen auch die weiterentwickelten Drehkolben der Vogelsang-Pumpen sorgen. Der Kolben ist nicht nur leichter, sondern auch stabiler. Darüber hinaus hat die Firma Vogelsang die Schutzplatte modifiziert.

Hölzle stellt einfach gebauten Separator vor

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Aus der Tüftlerwerkstatt von Max Hölzle (Hölzle Landtechnik, Baiswail) stammt ein relativ einfach gebauter, patentierter Gülle-Separator, der von einen Ölmotor angetrieben wird. Bei sehr vielen Landwirte führen hauptsächlich Silagereste und so mache Fremdstoffe in der Gülle bei der Ausbringung zu Verstopfungen.

Zwei rotierende Walzen kämmen mit rund 50 U/min z. B. beim Umpumpen der Gülle diese langfrasrigen Reststoffe oder auch verlorene Halsbänder sicher aus der Gülle. Die erste Walze besteht aus flexiblen, 20 cm langen Glasfiberstäben. Die zweite Bürste mit ebenfalls 20 cm langen Kehrborsten greift in die Erste und transportiert so die Fremdstoffe aus dem Güllestrom.

Fazit: Im Zuge der Düngeverordnung ist unter Umständen nur noch die bodennahe Gülleausbringung zulässig. Mit vielen dieser Neuentwicklungen können Landwirte und Lohnunternehmer ihre vorhandene Ausbringtechnik weiter einsetzen und zu überschaubaren Investitionen gesetzeskonform nachrüsten.

Ein weiterer technischer Ansatz hat das Ziel, weniger Verschmutzung durch Reste oder Krusten der „Güllewürste“ von Schleppschlauch und Schleppschuh zu verursachen. Dadurch soll mehr Infiltration bzw. weniger Gülle pro abgelegtem Band erfolgen und somit ein effizienteres Ausbringen gewährleistet werden.

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