Düngetechnik

Miststreuer oder Miststreuen kaufen?

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Prof. Dr. Ludwig Volk, Warendorf
am Donnerstag, 20.05.2021 - 12:10

Je nach Größe und Ausstattung kosten Dungstreuer auch mal mehr als 100.000 Euro. Vor der Investition stellt sich deshalb die Frage, ob man Geld für die Technik ausgeben sollte oder besser für die Dienstleistung.

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Mit Miststreuern werden schwerer Laufstallmist, strohiger Pferdemist, Kompost, separierte Gärreste, Hühnertrockenkot, krümeliger Klärschlamm und manchmal feuchter Kalk gedüngt. Hohe Ausbringleistung und störungsfreier Betrieb mit gleichmäßiger Verteilung des Wirtschaftsdüngers auf dem Acker und der Wiese sind wichtige Kriterien.

Vor dem Kauf eines Miststreuers steht die Wahl für ein Modell, die von verschiedenen Faktoren abhängt:

  • welche Mistart verteilt wird,
  • auszubringende Menge,
  • verfügbare Einsatzstunden,
  • übliche Entfernungen,
  • verfügbarer Fahrer mit vorgesehenem Traktor,
  • Lagerkapazität,
  • zu düngende Flächen in der Ebene oder am Hang,
  • Neumaschine oder gebrauchte,
  • eigene Kosten und erfragte Dienstleistungspreise.

Um den strohigen Mist von wenigen Hobbypferden zu verteilen, genügt oftmals ein gebrauchter Streuer hinter einem Oldtimerschlepper. Die Preise für gebrauchte Miststreuer starten bei 1000 €, je nach Zustand und Reparaturbedarf.

Dungstreuer: zwischen 10 000 und 190 000 €

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Neue, großvolumige Streuer mit maßgeschneiderter Ausstattung für Dienstleister können bis zu 190 000 € kosten. Diese Profistreuer werden für viele Betriebsstunden im Jahr genutzt und häufig überregional, zum Beispiel für Kompost oder Klärschlamm, eingesetzt.

Mist laden, transportieren und streuen bieten Landwirte im Maschinenring oder Lohnunternehmer relativ preiswert an. Bei ihnen kann man die Dienstleistungspreise erfragen und gegenüber den eigenen Kosten betriebsindividuell abwägen.

Ein Pensionspferdebetrieb mit strohigem Pferdemist will ohne lange Störung auf dem Hof den Mist abtransportiert, eventuell auf der Mistlagerplatte zwischengelagert und danach fein verteilt auf seinen Weiden und Futterflächen ausgebracht haben. Ein erfolgreicher Rinder- oder Schweinehalter ist oftmals im Stall gut ausgelastet und kauft die Mistdüngung als Dienstleistung zu.

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Bei wenigen Betriebsstunden im Jahr kann ein preiswerter Streuer aus Osteuropa ein sinnvoller Kauf sein, sofern ein Händler berät und die Ersatzteilversorgung gesichert ist. Überwiegend sind diese mit starrem Fahrwerk, kleinen Rädern und Auflaufbremsen ausgestattet.

Wer sich mit einem alten Schlepper und Miststreuer mit 25 km/h Geschwindigkeit begnügt, kann mit dem preiswerten Streuer den Mist verteilen. Bei höheren Geschwindigkeiten sind gefederte Achsen und Druckluftbremsen zu empfehlen, der Streuer fährt sowohl leer als auch beladen ruhiger und bremst besser.

Einachser sind mit einem Eigengewicht ab 2 t mit ca. 4 t Nutzlast bei etwa 8 m³ Ladevolumen oftmals im landwirtschaftlichen Betrieb mit Einkommenskombination mit rund 25 Jahresstunden im Einsatz. Es kann sinnvoll sein, sich für die wenigen Betriebsstunden einen Einachser aus Osteuropa für 10 000 € anzuschauen. Einachser mit seitlichen, großen Rädern werden auch gebaut für Ladekapazitäten bis zu 14 t Mist.

Trend zu Tiefladern

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Bei Miststreuern gibt es einen Trend zu Tiefladern, das heißt, große Räder werden neben dem Aufbau angeordnet und es können große Radialreifen bis 710/75 R42 montiert werden. Große Reifen bieten mehr Bodenkontaktfläche, rollen auf nachgiebigem Boden leichter und sind oftmals ein Kaufgrund für den Tieflader.

Dank niedrigem Schwerpunkt kann umsturzsicher auch am Hang Festmist, Dung oder Kompost ausgebracht werden. Bei Tiefladern kann bei gleichem Volumen die Bordwandhöhe niedriger sein und das Beladen mit dem Frontlader vereinfachen. Bei üblichen Streuerbauarten mit Rädern unter dem Kratzboden (Hochladern) mit 20 bis 24 t zulässigem Gesamtgewicht können zum Beispiel von Tebbe große Reifen bis 1,67 m Durchmesser montiert werden.

Die tiefe Anhängung am Schlepper hat sich bei Neumaschinen durchgesetzt. Das Gespann fährt sich stabiler und die Umsturzgefahr für den Schlepper durch einen schiebenden Streuer am Hang wird minimiert. Eine spielfreie, tiefe Anhängung des Streuers am Traktor bietet die K80-Kugel.

Gefederte, gelenkte und gebremste Fahrwerke

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Bei 100 bis 800 Jahresstunden mit dem Streuer tragen Tandem- und Tridem-Fahrwerke die Gesamtlast von bis zu 30 t. Die Marke Tebbe gilt als Qualitätsführer, auch Samson bietet robuste Profitechnik und ist vor allem bei Dienstleistern und als Leihmaschine im Einsatz.

Als Dienstleister und für eigene betriebliche Verhältnisse will man einen maßgeschneiderten Streuer mit voller Ausstattung einsetzen. Dazu muss man über 100 000 € investieren. Es kommen 200-PS-Traktoren als Zug- und Antriebsfahrzeuge infrage, mit hohem Ölfluss (ca. 80 bis 100 l/min.) für den Kratzbodenantrieb oder das Schiebeschild bei Abschiebewagen. Die Schleppergröße wird vom jeweiligen Gelände bestimmt: In der flachen norddeutschen Tiefebene reichen 180 PS, während zum Beispiel im Schwarzwald oder in der schwäbischen Alb mit 280 PS gearbeitet wird.

Empfehlenswerte Fahrwerke beim Tandemfahrzeug sind gefedert und haben eine hydraulisch gesteuerte mitlenkende Achse. Die passive Nachlaufachse ist nicht zu empfehlen, denn beim Rückwärtsfahren muss sie vom Fahrer gesperrt werden, damit sie keinen Schaden nimmt. Wechselnde Fahrer, insbesondere bei Mietmaschinen, neigen zum Übersehen der Rückwärtssperre. Bei der aktiv gelenkten Achse am Dungstreuer gestaltet sich das Rückwärtsfahren problemlos. Neben der K80-Kugel am Schlepper ist ein auf die zweite Achse wirkendes Gestänge für Lenkimpulse montiert, oder es werden mit einem elektronischen Winkelmesser Lenkimpulse auf die Lenkzylinder an der aktiv gelenkten Achse übertragen. Beim Kurven- und beim Rückwärtsfahren steuern Hydraulikzylinder die Achse.

Die Reifen haben in Kurven weniger Gummiabrieb und rollen bis 1000 Betriebsstunden ausdauernder. Spurtreuer Nachlauf, bessere Lenkfähigkeit und weniger Pflanzen- und Grasnarbenschäden werden so erreicht. Beim Tridemstreuer werden die erste und die dritte Achse gelenkt.

Stahl- aber auch Luft- und Hydraulikfedern

Als Federelemente dienen vor allem Stahlfedern in Parabelform, aber auch Luft- und Hydraulikfedern werden verbaut. Mit Hydraulikfedern im Tandem- und Tridemfahrwerk und Ausgleichsschwingen als Achsaufhängung kann eine Achse geliftet werden, um bei der Gefahr des Steckenbleibens kurzzeitig mehr Achslast auf die hintere Schlepperachse zu übertragen. Mit einem Topzylinder über der Zugdeichsel lässt sich ebenfalls Last auf den Schlepper übertragen. Eine gefederte Deichsel sollte man zur sicheren und ruhigen Straßenfahrt bei den 40-km/h-Streuern wählen. Zum Verzögern sind Zweileiter-Druckluftbremsen die richtige Wahl mit automatischer Bremseneinstellung für die Last.

Wenn man wegen weiter Entfernung zwischen Lagerplatz und Feld schnell auf der Straße fahren will, sollte man die 40-km/h-Ausrüstung wählen – mit Druckluftbremsen, bruchsicherer Beleuchtung, Abdeckung der Streuerbauteile, Unterfahrschutz, seitlichen Leuchtstreifen und großen, radialen Reifen, aktuell mit der Reifenbauart VF (Very flexion; hohe Tragfähigkeit bei niedrigem Reifendruck).

Streugut und Streubreite bestimmen Streutechnik

Den Misttransport auf dem Streuer zu den Streuwalzen und -tellern übernehmen Kratzböden mit bis zu vier starken Antriebsketten. Bei Wirtschaftsdüngern, wie frischem bis verrottetem Stallmist ist das senkrechte Dosierschild vor den Streuwalzen nicht notwendig, bei krümeligem Streugut sollte es bestellt werden. Besonders beim Kalkstreuen verbessert das Dosierschild mit Mengenregulierung die gleichmäßige Zufuhr zu den Streuwalzen und auf die waagerechten Streuteller. Die Verteilgüte hängt vom Mist, dem Fahrer und der Technik ab.
Richtig ist, je nach Mist- oder Düngerart, eine breite Verteilung auf bis zu 20 m, mit maximal einem Fünftel Unterschied, ausgedrückt als Variationskoeffizient. Die breite Verteilung ist sinnvoll für kleine Ausbringmengen je Hektar, z. B. bei Hühnertrockenkot, und vermindert die Spurstrecke im Feld. Als positives Beispiel hat Fliegl vom Testzentrum der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) den Miststreuer Fliegl KDS 270 muck control testen lassen und vorwiegend sehr gute und gute Ergebnisse erreicht. Mit dem Trend zur kostengünstigen, überbetrieblichen Ausbringung von Wirtschaftsdüngern konzentriert sich eine Mittelklasse heraus von leistungsstarken und ausdauernden Streuern mit Merkmalen wie:
  • bis 22 t Gesamtgewicht, 7 t Eigenmasse und 15 t Zuladung,
  • tiefe Kugelkopfanhängung,
  • Tandemachse, gefedert und aktiv gelenkt,
  • großvolumige Radialreifen, zunehmend mit IF und VF Bauweise,
  • Streuwalzen und Streuteller für die feine Verteilung auf großer Arbeitsbreite,
  • Streumenge von 2 bis 20 t/ha,
  • große Arbeitsbreite für weniger Fahrstrecke und Spuren im Feld,
  • senkrechter Dosierschieber und variabler Kratzbodenvorschub etc.
Mist streuen als Dienstleistung wird inklusive Fahrer, Schlepper und Streuer für 65 bis 150 € je Stunde angeboten. Leistungsstarke Teleskop- oder Frontlader sollten zum Dungstreuer passen, damit das Verfahren kostengünstig und damit attraktiv für Tierhalter ist.

Variabler Reifendruck für Feld und Straße

Für Profifahrzeuge ist variabler Reifendruck sinnvoll, denn auf Wiese und Acker sind Spuren dieselzehrend und ertragsmindernd. Ein hydraulisch angetriebener Schraubenverdichter für die Druckluftversorgung am Kompost- oder Miststreuer gilt als Stand der Technik. Leider wurde die Bezuschussung mit 30 % der Kaufsumme von Reifendruckanlagen an Anhängern oder Traktoren ausgesetzt.
Wählt man beim Miststreuer die größtmöglichen, breiten, radialen Reifen und stellt man im Acker und auf der Wiese niedrige, vom Reifenhersteller freigegebene Reifendrücke ein, dann ist eine wichtige Maßnahme für mehr Bodenschutz getroffen. Anhängerreifen werden mit 1 bis 4 bar gefahren. Gerade beim Miststreuer sind niedrige Reifendrücke im Acker richtig, auf der Straße sparen höhere ca. 10 % Diesel durch leichteres Rollen. Rentabel ist ein variabler Reifenfülldruck bei Miststreuern mit über 100 Betriebsstunden im Jahr.