Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Biogas

Mit mineralischen Gärresten düngen

Düngung
Veronika Fick-Haas für KBM e.V., Neuburg
am Donnerstag, 12.12.2019 - 14:40

Wie kann man Gärprodukte aufwerten und/oder außerhalb der Landwirtschaft vermarkten? Beim Vakuum-Verdampfen kann man z. B. aus Gärresten den mineralischen Dünger Ammoniumsulfat-Lösung (ASL) herstellen.

Auf einen Blick

  • Der Flüssigdünger ASL kann aus Gärresten über Vakuum-Verdampfen hergestellt werden.
  • Das ermöglicht die Nutzung der Nährstoffe und hat einen geringeren Lagerraumbedarf.
  • Aus organischem Wirtschaftsdünger wird ein anerkannter Mineraldünger.
  • ASL wird im Cultan-Verfahren ausgebracht.

Düngeverordnung erfordet Handeln

Mit den Vorgaben der Düngeverordnung, besonders mit den zu erwartenden Verschärfungen in roten Gebieten, wird es immer schwieriger, die anfallenden Gärreste auf den eigenen Flächen zu verwerten. Viele Biogas-Betreiber reagieren mit der Abgabe des organischen Düngers. Doch auch hier stößt man an Grenzen. Neue Ideen und Konzepte sind gefragt. Eine am Biogastag der MR Niederbayern GmbH aufgezeigte Möglichkeit ist, Gärreste so aufzubereiten, dass dabei der Flüssigdünger Ammoniumsulfat-Lösung (ASL) entsteht.
 

Entlastet 170-kg-Grenze

Cultan

„Der Charme, ASL aus Gärprodukten herzustellen liegt darin, dass so aus organischem Wirtschaftsdünger ein anerkannter Mineraldünger entsteht“, sagt Wolfgang Sturm, MR Berater der MR Niederbayern GmbH. Sämtliche Nährstoffe des Gärrestes können damit als organischer und mineralischer Dünger im landwirtschaftlichen Betrieb verwertet werden – vorausgesetzt, es werden die Grenzen des Phosphats eingehalten. Da ein Teil der organisch vorliegenden Nährstoffe in mineralischen Dünger überführt wird, entlastet dies bei der 170-kg-Grenze.

Laut Herstellerangaben verbleiben beim Vakuum-Verdampfen aus 1.000 cbm Gärrest rund 250 cbm flüssiger Anteil, 120 cbm feste Fraktion sowie 30 cbm ASL-Lösung. Damit hat man nicht nur ein geringeres Transportvolumen, sondern benötigt überdies weniger Lager. Dies kann für diejenigen interessant sein, die momentan in Lagerraum investieren müssen. Schließlich stehen flächenlose Biogasbetriebe nach der Düngeverordnung ab 2020 in der Pflicht, Kapazitäten für den Anfall aus neun Monaten bereit zu stellen bzw. Ausbringflächen vertraglich zu sichern. „Aufgepasst! Bisherige Abnahmeverträge beinhalten in der Regel keine Flächenangaben. Bestehende Verträge sind anzupassen“, gibt der Referent den Zuhörern ganz prinzipiell mit auf den Weg. Die Maschinenringe können ihren Mitgliedern Muster-Verträge an die Hand geben.

Die Palette der Aufbereitungsmöglichkeiten ist groß

Mathias Hartel vom Fachverband Biogas hatte im Vorfeld ganz unterschiedliche Verfahren zur Gärproduktaufbereitung angerissen – von der Trocknung bzw. Eindampfung über die Vakuumverdampfung bis hin zur Fällung, Stripping und dem Membranverfahren. „Die einzelnen Verfahren sind nach den individuellen Voraussetzungen zu bewerten. Detaillierte Informationen finden Interessierte in unserem Heft Düngen mit Gärprodukten“, empfiehlt er. Die Broschüre kann auf der Homepage des Fachverbandes bestellt, als Datei heruntergeladen oder online gelesen werden.

Bislang geben die meisten Biogasanlagen ihre Gärreste unaufbereitet an landwirtschaftliche Betriebe ab, vorzugsweise in der näheren Umgebung der Anlage. Dies trifft vor allem für flüssige Gärprodukte zu. Bei den festen Produkten werden zunehmend auch andere Kundengruppen erschlossen. Neben dem Einsatz als Bodenhilfsstoff ganz allgemein im Garten- und Landschaftsbau sieht der Fachmann u. a. Privatgärtner als interessanten Zielmarkt.

„Für einen einzelnen Anlagenbetreiber ist es nicht einfach, eine breite Produktpalette von Düngern zu entwickeln und ein Marketing aufzubauen. Denkbar wäre jedoch ein Zusammenschluss von Biogasanlagen zu einer Vermarktungsgemeinschaft“, regt Hartl an. Unterstützen kann ferner die GüteGemeinschaft Gärprodukte e.V. (GGG), die die Gütezeichen für Kompost, Gärprodukte und NawaRo-Gärprodukte ausweist. 

ASL im Cultan-Verfahren

Zurück zum Flüssigdünger ASL. Aufgrund des niedrigen pH-Wertes besteht bei Blattdüngung ein sehr hohes Risiko von Ätzschäden. Interessanter, weil sehr effizient und pflanzenschonend, ist eine Cultan-Injektionsdüngung. Der Fachausdruck Cultan kommt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß geregelte, langsame Ernährung mit Ammonium. Die Stickstoffdüngung der Pflanzen erfolgt dabei, anders als bei herkömmlicher Düngung, einmalig für eine Vegetationsperiode mit Ammonium (NH4+). Der flüssige Dünger wird mit spezieller Technik, sogenannten Liquiliser punktuell in den Boden gebracht.

Seit 2012 begeistert sich Bernhard Reischl aus Lindach/Petershausen für das Verfahren und setzt es vom Donau-Ries über das Ilmtal, Neuburg-­Schrobenhausen bis nach Dingolfing-Landau ein. „Mich überzeugt die Wirkungsweise des Depot-Düngers. Die Bestände entwickeln sich gut, die Erträge stimmen – und das bei langfristig geringerem Dünger­einsatz“, hebt der Landwirt und Lohnunternehmer hervor. Cultan sei aber nicht nur eine Dünge-Variante, sondern ein eigenes System. Besonders wichtig ist eine ausreichende Kalkversorgung des Bodens. Weizen bringt er mit geringeren Saatstärken aus und verwendet Ährentypen.

Die Ausbringtechnik selber ist teuer. Der Lohnunternehmer arbeitet mit mehreren Maschinenringen zusammen und bringt Flüssigdünger jährlich auf etwa 900 ha aus. Schon im Spätherbst melden sich seine Kunden für die Dienstleistung im Frühjahr an. Gedüngt wird bei Wintergerste und Raps sobald das Feld befahrbar ist, Zuckerrüben und Mais bis sieben Tage nach der Saat und Winterweizen ab dem 25. März. 

„Wir haben die Sicherheit, dass der N-Dünger bei Trockenheit aber auch bei ausreichend Feuchtigkeit wirkt und die Pflanzen gleichmäßig versorgt. Es gibt keine Auswaschverluste, keine Überernährung“, fasst Reischl die Vorzüge zusammen. Fast alle, die Cultan-Düngung ausprobiert hätten, seien dabei geblieben. Für die Zukunft erwartet er steigendes Interesse. Denn Landwirte werden mehr denn je gezwungen sein, den Dünger möglichst effizient einzusetzen.

Verfahren der Gärrestaufbereitung

Das flüssige Gärprodukt kann in verschiedenen Verfahren aufbereitet werden:

  • Bei der Separation entsteht neben der Flüssigphase das feste Gärprodukt. Diese kann getrocknet und dann pelletiert oder kompostiert werden.
  • Bei der Vakuumverdampfung entstehen Nährstofflösung, Wasser und Ammoniumsulfat-Lösung (ASL)
  • Beim Membranverfahren entstehen eine Nährstofflösung und Wasser.
  • Bei der Fällung entstehen Calciumphosphat, P-reduziertes Gärprodukt und Magnesiumammoniumphosphat (MAP).
  • Beim Stripping entstehen ein N-reduziertes Gärprodukt, Kalkdünger und ASL.
  • Bei dem Klärverfahren entsteht Wasser.