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Landtechnik

Mechanische Alternativen zur Chemie

Helmut Süß
Helmut Süß
am Freitag, 13.05.2022 - 14:00

Maschinenvorführung: Hack- und Striegelgeräte sowie ein Biocut-Schneidwerk - wir geben einen Überblick.

Die Maschinenvorführung im unterfränkischen Retzstadt letzten Donnerstag fiel sprichwörtlich ins Wasser. Denn am Vortag hatte geregnet und die Veranstalter – die Staatliche Beratung sowie der Bioland-Verband – haben auf der Grundlage der guten fachlichen Praxis entschieden, dass die Vorführflächen zu nass waren. Denn der muss Boden schüttfähig sein, damit die mechanischen Geräte ihre unkraut- bzw. beikrautreduzierende Wirkung entfalten können.

Die hauptsächliche Wirkung beim Striegeln beruht auf dem Verschütten, und da eine Vorführung Vorbildcharakter hat, sollte sie auch nur bei geeigneten Rahmenbedingungen stattfinden. Dennoch erhielt das Fachpublikum wichtige Informationen aus erster Hand. So stellten Firmenvertreter ihre Maschinen vor und erläuterten deren Einstellung.

Die ackerbaulichen Fachinformationen gaben Georg May, Betriebsleiter des Bioland-Hofes vor Ort, Manfred Weller, Ackerbauberater vom Bioland Erzeugerring, und Bioland-Berater Simon Siegel. Vor allem die Arbeitstiefe, der Häufeleffekt für die Beikräuter und die Schädigung der Kulturpflanzen wurden erläutert. Weitere relevante Aspekte sind die unterschiedlichen Eigenschaften der Geräte, wie der Zinkendruck je nach Neigung, die Seitenstabilität der Zinken und die Bodenanpassung unterschiedlicher Hackelemente.

Vorteile für die Wasserversorgung

Manfred Weller, der Spezialist für Hacken und Striegeln, ging auch auf die pflanzenbaulichen und technischen Vorzüge der einzelnen Geräte ein. Bezüglich der Beikrautregulierung sagte Weller: „Hacken entfernen im Vergleich zu Striegeln auch Beikräuter, die schon fest verwurzelt und für den Striegeleinsatz zu weit entwickelt sind. Denn gerade Beikräuter, deren Entwicklung bereits über das Keimblattstadium hinaus entwickelt sind, lassen sich durch den Striegel eher weniger beeindrucken. Beim Striegeln kommt es sehr viel mehr als beim Hacken auf den richtigen Zeitpunkt der Maßnahme an.“

Zudem ging er auf die Wasserversorgung in langen Trockenphasen ein: „Ein wichtiger Nebeneffekt von Hacke und Striegel ist die Durchlüftung des Bodens sowie die Brechung von Kapillaren. Das wirkt sich positiv auf die Hitzeregulation des Bodens, die Mineralisation im Frühjahr und die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens aus. Vor allem in dieser unterfränkischen Region mit schweren Böden ziehen die Hacken besser in den Boden ein und funktionieren damit zuverlässiger. In Trockenphasen ist der Wasserspareffekt in den letzten Jahren der wichtigste Faktor für den Ertrag.“

Folgende Geräte wurden von den jeweiligen Firmenvertretern vorgestellt:

Einböck Aerostar-Fusion

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Kulturschonend, kompakt und flexibel mit sehr gutem Arbeitsergebnis, so beschreibt Einböck den völlig neu entwickelten Präzisionshackstriegel vor allem in Spezialkulturen wie Gemüse, Kräutern, aber auch Dammkulturen. Der Premium-Striegel punktet mit indirekt gefederten Zinken, die sich sehr einfach und präzise für ein sensibles und kulturschonendes Arbeiten einstellen lassen. Des Weiteren können natürlich auch herkömmliche Ackerkulturen wie Mais, Rüben, Soja usw., speziell in sehr leichten Böden oder im äußerst frühen Entwicklungsstadium, kulturschonend gestriegelt werden.

Die Aggressivitätseinstellung erfolgt, genauso wie bei seinen Aerostar-Geschwistern, ohne Seilzüge. Dies soll den Fusion sehr bedienerfreundlich und zuverlässig machen. Ein Arbeiten in höheren Kulturen (Getreide, Soja, Mais, …) ist zudem ebenso weiterhin möglich. Die spezielle Rahmenbauweise soll für hohe Laufruhe und gleichzeitig Langlebigkeit sorgen. Gute Flexibilität soll durch die individuell einstellbaren Stützräder sowie der anpassbare Rahmen bringen. Dieser Premium-Striegel ist bereits in einer großen Vorserie verfügbar.

Sichelhacke von Leibing

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Die Sichelhacke wurde von Dieter Leibing, Landwirt und Maschinenbauer, nach seinen eigenen Ansprüchen entwickelt. Sie ist als einzige der gezeigten Vorführgeräte vorne am Schlepper angebracht und sehr einfach aufgebaut.

Die Sichelhacke verzichtet zum Beispiel auf das Parallelogramm und anstatt eines Tastrades, welches bei feuchteren Böden schnell Erde aufnimmt, hat sie eine Gleitkufe, die ein genaues Hackergebnis sicherstellen soll.

Die Sichel kann in der Neigung angepasst und auch ausgetauscht werden. Grundsätzlich können Geräte von zwei bis zwölf Meter Arbeitsbreite hergestellt werden.

Horsch Striegel Cura ST

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Der Horsch Striegel mit zwölf Meter Arbeitsbreite hat einen in sich geschlossenen Vierkantrahmen, wodurch der Striegel recht stabil ist. Es gibt fünf Klappsegmente, die sich mit je einem Stützrad vorne und hinten an den Boden anpassen.

Der Druck lässt sich mit Hilfe der bekannten Alu-Clips nach unten und oben begrenzen oder auf Wunsch auch stufenlos. Dieser Striegel ist im Vergleich zu den anderen etwas schwerer, was Vor- und Nachteile bringt.

Vorteil ist, dass der Striegel auch bei schwierigen Oberflächen zuverlässig arbeitet. Nachteil ist die Bodenbelastung durch den größeren benötigten Schlepper.

Treffler Präzisions-Zinkenstriegel

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Der Präzisions-Zinkenstriegel hat eine Arbeitsbreite von zwölf Metern mit hydraulischer Zinkendruckverstellung und Kombifeder für Zinkendrücke von 100 bis 5000 g.

Die Zinken sind auf Wunsch mit selbstschärfenden Hartmetallzinken und wahlweise als 105°- oder 120°-Zinken erhältlich. Der 120°-Zinken ist vorteilhaft bei Mulchsaat.

Da der Zinkendruck bei jeder Zinkenstellung gleich bleibt, ist der Striegel auch für Dammkulturen bzw. unebene Bodenoberflächen bestens geeignet.

Schmotzer Getreidehacke mit EKP-H Kombi-Parallelogramm

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Die Schmotzer-Hacke mit EKP-H Kombi-Parallelogramm ist auf einer Doppelschiene aufgebaut, sehr gut geeignet für die 25er Weizenreihe. Die Arbeitsbreite beträgt bis zu 9 m.

Für jede Getreidereihe verwendet die Getreidehacke ein eigenes Parallelogramm, was eine optimale Tiefenführung gewährleistet. Durch ihren Aufbau mit Parallelogrammen wirken in Hanglagen weniger Zugkräfte auf den Schlepper, was das Arbeiten sicherer macht.

Die Parallelogramme gibt es in kurzer und langer Ausführung, die Verstopfungen vorbeugen können.

Außerdem verfügt das vorgestellte Modell über eine Okio-Kamera und eine Säeinrichtung für Untersaaten, welche auch für Mikrogranulate und für im Biolandbau zugelassene Dünger genutzt werden kann. Der Vorteil ist, dass man in einem Arbeitsschritt hacken und Untersaaten einbringen kann. In früheren Testfahrten war das Hackergebnis trotz leicht feuchtem Boden zufriedenstellend, auch größere Unkräuter wie Ackerfuchsschwanz wurden gut entfernt. In Bezug auf den Untersaatenstreuer gibt es bei Schmotzer auch eine Ablage ohne Prallteller direkt auf die Sohle hinter dem Hackschar.

Neu vorgestellt wurde auch die Hacke Venterra mit Hochaushubparallelogrammen, Sectioncontrol, hohem Durchgang und neuem verstärkter Rahmen. Das ist eine gemeinsame Entwicklung von Schmotzer und Amazone.

Dickson-Kerner Variofield

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Die Hacke ist zweibalkig aufgebaut. Das Rahmenkonzept erlaubt vielzählige Werkzeugkombinationen und Reihenweiten mit zahlreichen technischen Details. Alle verfügbaren Module lassen sich auf dem vorderen oder auf dem hinteren Profilrohr platzieren. Während beispielsweise am ersten Balken die Hackelemente mit drei oder fünf Scharen platziert sind, folgen am zweiten Balken Fingerhack-Module mit eigenen Parallelogrammen.

Alternativ lässt sich vorne z. B. das Messerwalzen-Modul mit 260 mm Durchmesser und zehn Schneiden platzieren. Hinten kann dann das Hackschar-Modul folgen. Auf Wunsch lassen sich auch beide Balken mit Hackscharen bestücken, um einen vollflächigen Überschnitt zu erreichen. Die Module lassen sich variabel verschieben (alle Reihenweiten und Anordnungen möglich). Die Ausrichtung oder Anpassung der Reihenweite ist einfach einstellbar.

 

Lemken bzw. Steketee

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Die EC-Weeder Hacke eignet sich für alle Kulturen, die in Reihen gesät werden – also angepasste Reihenabstände von 15 bis 150 cm bzw. individuell angepasste Arbeitsbreiten bis 17 m und 70 cm Durchgangshöhe. Dabei sind Fahrgeschwindigkeiten bis zu 15 km/h möglich. Auch hier ermöglicht der Profilrahmen flexible Reihenweiten. Dabei gibt es zahlreiche Inter-Row- und Intra-Row-Werkzeugoptionen, also für ein Bearbeiten zwischen und innerhalb der Reihen nach dem Prinzip: Abschneiden – Entwurzeln – Verschütten.

Sowohl manuelle Lenkung wie auch automatische Steuerung sind möglich. Das erlaubt ein präzises Hacken ohne Beschädigungen an der Kultur. Beide Lenksysteme steuern hydraulisch einen Parallelverschieberahmen an. Neu ist auch die Überkopfhacke von Steketee. Der Schlepper wird mit RTK-Spurführung gefahren und am Hackgerät erfolgt eine GPS-Steuerung. Daher kann sehr genau an die Reihe herangehackt werden. Das Parallelogramm läuft direkt über der Säreihe, daher der Name ‚Überkopfhacke‘.

Garford Hacke RoboCrop

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Die Firma Garford ist Pionier in der Kamerasteuerung. Die RoboCrop 6-m-Hacke hat eine Kamerasteuerung und einen 50-cm-Verschieberahmen (je 25 cm links und rechts). Sie arbeitet mit einem Parallelogramm für drei Getreidereihen.

An einem Parallelogramm befinden sich drei Hackschare, die man hydraulisch einstellen kann. Außerdem hat die Garford-Hacke Multifunktionsträger, welche in elf Stufen verstellbar sind und unterschiedlich bestückt werden können.

Anstelle von Spannfedern hat die Hacke Hydraulikzylinder (stufenlose Vorspannung), wodurch das gesamte Gewicht der Hacke gleichmäßig auf die Parallelogramme verteilt werden kann.

Die spezielle Kameratechnik kann zuverlässig mehrere Kulturreihen gleichzeitig erkennen. Daher ist eine exakte Steuerung möglich. Die Kamera ermöglicht auch sehr hohe Geschwindigkeiten von bis zu 18 km/h auf dem Acker.

Messerbalken für hohe Unkräuter

Von DHM kommt das Biocutschneidwerk zum Abmähen von über den Bestand hinauswachsenden Unkräutern („Distelschneider“). Der spezielle Messerbalken schneidet große Unkräuter und Ungräser über dem Bestand ab. Diese können nicht mehr weiterwachsen und die Samen werden nicht reif. Somit verhindert das Gerät generatives und vegetatives Wachstum von Unkräutern, langfristig gibt es weniger keimfähigen Unkrautsamen im Boden. Zudem wird eine bessere Lichtversorgung der Kulturpflanze und eine einfachere Ernte der Kulturpflanze erzielt. Die Flächenleistung ist groß, bei geringem Kraftbedarf (siehe Heft 9, Seite 28).

Besonderheiten diverser Striegel und Hacken

Bei den Striegeln von den Firmen Treffler, Agrifarm und Horsch wird das System mit gefederten Einzelzinkenaufhängung der Zinken verbaut, die Firma Einböck nutzt direkt gefederte Zinken. Treffler ist quasi das Original der Einzelzinkenaufhängung mit indirekter Federung.

Aber auch die anderen Hersteller verwenden zunehmend Einzelzinkenaufhängen (indirekte Federung), weil sich die Hersteller hier eine bessere Anpassung an den Boden versprechen. So können solche Striegelsysteme auch in Dammkulturen effektiv eingesetzt werden.

In Bezug auf den Bodendruck, vor allem am Vorgewende sollten die Geräte nicht zu viel Gewicht mitbringen (Horsch und Agrifarm sind relativ schwer, Treffler ist dagegen wesentlich leichter). Die Firmen Treffler und Einböck bieten außerdem eine automatische Tiefenführung an.

Fazit: Die Bioland Hack- und Striegel-Veranstaltung war eine gute Gelegenheit, Fachinformationen und persönliche Praxiserfahrungen in Bezug auf die mechanische Unkrautregulierung wieder direkt auszutauschen – auch wenn man keinen individuellen Einblick in das Arbeitsergebnis der jeweiligen Geräte erhalten konnte.

Die Landtechnikhersteller bieten bei Hacken und Striegeln inzwischen eine Vielzahl an unterschiedlichen Techniklösungen an. Es ist sicherlich nicht einfach, das passende Modell für die jeweiligen Standortgegebenheiten ausfindig zu machen. Eine individuelle Vorführung auf dem Betriebsflächen kann hier sehr hilfreich sein. Zusätzlich bietet das Wochenblatt in seinen Online-Kanälen Videosequenzen aus vergangenen Veranstaltungen über die vorgestellten Geräte.