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Historie der Landtechnik

Landtechnik von Anno dazumal bis heute - Teil 3

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Donnerstag, 30.12.2021 - 06:58

Viele Landtechnik-Unternehmen haben eine Geschichte – manche haben sogar Geschichte geschrieben. Heute noch aktiv und erfolgreich sind Deutz/Deutz-Fahr, Köppl und Krone.

In der Welt der Landtechnik zählen manche zu den prägenden Unternehmen. In den ersten beiden Teilen unserer kleinen Übersicht haben wir die traditionsreichen Firmen Lemken, Kuhn, John Deere und Case IH sowie Massey Ferguson, Pöttinger, Kverneland und Amazonen-Werke vorgestellt. Sie haben den Sprung in die Gegenwart beziehungsweise Zukunft erfolgreich geschafft. Hier nun weitere Beispiele – chronologisch geordnet:

1864 – Deutz/Deutz-Fahr

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Die Deutz AG wurde 1864 als N. A. Otto & Cie von Nikolaus Otto gegründet und kann damit als ältestes Motorenwerk der Welt angesehen werden. 1876 begann die Produktion von Ottomotoren. Ab 1924 fertigte die damalige Deutz AG dieselbetriebene Traktoren. Doch der 26-PS-Schlepper sowie der Deutzer Automobilpflug und die Deutzer Pfluglokomotive aus dem Jahr 1907 blieben im Versuchsstadium stecken. Die meisten Erfahrungen sammelte Deutz mit dem Deutzer Trecker ab 1919. Der erste Serientraktor aus Köln hieß MTH 222. Er wurde 1927 vorgestellt und hatte einen 12-PS-Motor mit liegendem Einzylinder sowie ein Zweigang-Getriebe. Mit dem 1936 vorgestellten F1M414 Bauernschlepper wurde die Motorisierung vieler bäuerlichen Betriebe möglich.

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Die Deutz AG ist heute ein börsennotierter deutscher Hersteller von Diesel-, Gas-, Wasserstoff- und elektrifizierten Motoren mit Sitz in Köln. Die ersten Traktoren wurden 1894 von der Deutz-Tochtergesellschaft in den USA entwickelt. Das Unternehmen firmierte in der Vergangenheit unter verschiedenen Namen, unter anderem mit der Abkürzung KHD für Klöckner-Humboldt-Deutz. Neben der bestehenden Produktion von luft-, wasser- und ölgekühlten Dieselmotoren beschäftigte sich das Unternehmen in der Vergangenheit auch mit dem Bau von Ottomotoren, Lokomotiven, Kraftfahrzeugen, Nutzfahrzeugen, Bau- und Landmaschinen sowie dem Anlagenbau. Das seit 1964 verwendete Logo ist ursprünglich dasjenige des übernommenen Fahrzeugbauers Magirus aus Ulm: Es zeigt ein großes „M“ für Magirus in Kombination mit der stilisierten Silhouette des Ulmer Münsters.

Deutz-Fahr: 1975 übernahm KHD die Maschinenfabrik Fahr in Gottmadingen komplett, nachdem man 1968 begonnen hatte, Aktienanteile des Unternehmens zu erwerben. Ab 1975 vermarktete KHD verschiedene Maschinen noch eine Weile getrennt unter den beiden Markennamen Deutz und Fahr. 1977 begann die Produktion unter der neugebildeten Marke Deutz-Fahr. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufte KHD 1995 die Landmaschinensparte mit der Marke Deutz-Fahr an die italienische Same-Gruppe (damals Same Lamborghini-Hürlimann, anschließend umbenannt in Same Deutz-Fahr, SDF).

1978 wurde die neue DX-Baureihe vorgestellt, die mit ihren Fünf- und Sechszylinder-Dieselmotoren einen Leistungsbereich von 80 bis 160 PS abdeckte. 1990 stellte Deutz-Fahr mit der AgroXtra-Baureihe den ersten „Freisicht“-Traktor vor. Zwei Jahre später lief bei KHD der millionste Deutz- bzw. Deutz-Fahr-Traktor vom Band. 1996 wurde die Traktorenproduktion von Köln nach Lauingen verlagert. 2001 folgte die Vorstellung des ersten Agrotron mit stufenlosem Getriebe, des Agrotron TTV. 2006 lief in Lauingen der 50 000. Traktor vom Band. Ab 1982 wurden von Đuro Đaković in Kroatien Mähdrescher in Lizenz gefertigt. 2002 stellte man die Produktion von Mähdreschern im Werk Lauingen ein. Das Mähdrescherwerk von Đuro Đaković in Zupanja wurde 2006 von SDF übernommen und seither zum konzerneigenen Mähdrescherwerk ausgebaut. Seitdem hat Deutz-Fahr sein Mähdrescher-Portfolio stetig erweitert – vom kompakten C5000 bis zum C9300.

Heute gehören die Deutz-Fahr-Traktoren zur italienischen Same-Deutz-Fahr-Gruppe. Das Traktorenprogramm wurde in den letzten Jahren komplett erneuert bzw. überarbeitet und reicht heute vom kleinsten Deutz-Fahr mit 39 PS über die stufenlosen TTV-Modelle bis zum größten Modell aus der Serie 9 mit 336 PS – insgesamt 27 verschiedene Modelle, darunter auch kleine Raupentraktoren für den Weinbau. Darüber hinaus bietet Deutz-Fahr in Kooperation diverse Futtererntetechnik wie Mäher, Rund- und Quaderpressen bzw. Ballenwickler an.

1896 – Köppl

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Die Köppl GmbH ist ein bayerischer Hersteller von Einachsschleppern und zugehörigen Anbaugeräten für die Land- und Forstwirtschaft, den Garten- und Landschaftsbau sowie für den kommunalen Bereich. Das Familienunternehmen hat seinen Firmensitz seit 1896 in Entschenreuth in der niederbayerischen Gemeinde Saldenburg. Die ehemalige Schmiede hat sich zu einem Spezialhersteller entwickelt, der ab Ende der 1940er Jahre zunächst Motormäher und Traktoren fertigte und vertrieb und inzwischen als deutscher Marktführer bei Einachsschleppern und Anbaugeräten gilt.

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1896 übernahm der Schmiedemeister Emil Köppl durch Einheirat die Dorfschmiede. Sein Sohn Karl Köppl sen. entwickelte den Handwerksbetrieb weiter und fertigte fortan zusätzlich Motoren, Fahrräder, Milchzentrifugen sowie Butterfässer. In der Nachkriegszeit wurde die Fertigung von Motorgeräten wieder aufgenommen, und ab 1948 wurden Motormäher und Traktoren aus eigener Produktion im Direktvertrieb verkauft.

Anfang der 1980er Jahre wurden die bisherigen Erfahrungen mit Einachsschleppern und Traktoren in eine Fertigung umgesetzt, neben Traktoren und Spezialschleppern wurden dann zunehmend eigene Motorgeräte entwickelt und produziert. Das Unternehmen entwickelte sich zur Motorgerätefabrik und baute bis 2010 die Fertigung und den Vertrieb eigener Motor- und Anbaugeräte weiter aus. Anlässlich des hundertjährigen Firmenjubiläums im Jahr 1996 blickte das Unternehmen auf den europaweiten Vertrieb von über 10 000 Motormähern aus eigener Fertigung zurück.

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Das Angebot umfasst gegenwärtig zehn Einachs-Motorgeräte-Serien und eine Aufsitztraktor-Serie. Neben den Grundgeräten fertigt Köppl auch etwa 90 Anbaugeräte für spezialisierte Einsatzzwecke. Mit Karl Köppl jun. jun., dem heutigen Geschäftsführer, ist inzwischen die vierte Generation in dem Familienunternehmen tätig. Am Standort werden bis auf die Motoren und Reifen alle Produkte entwickelt, konstruiert, gefertigt und montiert.

1897 – Krone

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Die Bernard Krone Holding SE & Co. KG ist ein deutsches Familienunternehmen, welches in den Bereichen Landtechnik und Nutzfahrzeugbau tätig ist. Die Hauptproduktionsstätten befinden sich in den emsländischen Orten Spelle und Werlte. Bernhard Krone macht sich 1897 in einer angemieteten Schmiede im westfälischen Ochtrup selbstständig. Als seine Frau Anna 1906 ihr Erbe – eine kleine Landwirtschaft sowie eine Gaststätte – in Spelle antrat, errichtete Bernhard gegenüber der Gaststätte seine neue Schmiede. Neben dieser betrieb das Ehepaar Anna und Bernhard Krone eine Gastwirtschaft und handelte mit landwirtschaftlichen Geräten, aber auch Eisenwaren, Haushaltsgeräten sowie Kochherden und Öfen.

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Nach dem Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren profitierte die Maschinenfabrik vom Wirtschaftswachstum der 1950er Jahre und brachte neue Produkte auf den Markt. Während das Unternehmen im Jahr 1950 noch 70 Angestellte zählte, waren zehn Jahre später bereits 320 Mitarbeiter für Krone tätig. Anfang der 1960er Jahre war der Arbeitsmarkt in der Umgebung ausgeschöpft, sodass täglich rund 200 Mitarbeiter aus einem Umkreis von 50 km mit Bussen heranfahren werden mussten.

Für die gestiegene Landmaschinenproduktion entschloss sich Bernard Krone für einen zusätzlichen Produktionsstandort in Werlte, wo ein Anschluss ans Bahnnetz und Arbeitskräfte vorhanden waren. 1964 wurde dort die Fertigung von Aufbauten für die Ladewagenproduktion in Spelle aufgenommen. Wenig später kam die Serienfertigung von landwirtschaftlichen Kippern dazu. 1969 verließen 25 000 Maschinen die Werke.

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Nachdem sich der Markt für Landtechnik rückläufig entwickelte, begann ab 1971 der Nutzfahrzeugbau. Zum 1. Januar 2000 trat die neue Gesellschaftsform der GmbH & Co. KG an die Stelle der GmbH. Aus einer einfachen Schmiede entwickelte sich in nunmehr mehr als 110 Jahren die Maschinenfabrik Bernard Krone GmbH & Co. KG zu ihrer heutigen Größe mit Exporten in mehr als 60Länder weltweit und zu einem Full-Liner im Bereich der Grünfutterernte mit Mähern sowie Feldhäckslern, Zettern, Schwadern, Grünland-Transporttechnik sowie Rund- und Quaderballenpressen bzw. Wickelgeräten. Relativ neu ist die gezogene Pelletierpresse.

In der vierten Generation familiengeführt bewahrt Krone das Image eines mittelständischen Familienunternehmens, das durch innovatives und verantwortungsbewusstes Handeln den Standort Spelle und die Region Emsland nachhaltig stärkt.