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Landtechnik-Historie

Landtechnik von Anno dazumal bis heute - Teil 2

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Mittwoch, 29.12.2021 - 06:35

Viele Landtechnik-Unternehmen haben eine Geschichte – manche haben sogar Geschichte geschrieben. Heute noch aktiv und erfolgreich sind Massey Ferguson, Pöttinger, Kverneland und Amazonen-Werke.

In der Welt der Landtechnik zählen manche zu den prägenden Unternehmen. Im ersten Teil unserer Übersicht wurden die traditionsreichen Firmen Lemken, Kuhn, John Deere und Case IH vorgestellt. Hier nun weitere Beispiele – chronologisch geordnet:

1847 – Massey Ferguson

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Die Firma Massey Ferguson entstand aus der Fusion des Landmaschinenherstellers Massey-Harris und dem irischen Unternehmen Harry Ferguson Limited. Die Wurzeln von Massey Ferguson reichen bis ins Jahr 1847, als Daniel Massey in Newcastle (Kanada) die Massey Manufacturing Company gründete. 1891 fusionierte sein Unternehmen schließlich mit dem von Alanson Harris gegründeten Unternehmen „A. Harris and Son Implement“ zur Massey-Harris Company Limited.

Harry Ferguson beschäftigte sich nach Ende des Ersten Weltkriegs mit der Konstruktion von Traktoren mit einer bis dahin einzigartigen Dreipunkthydraulik. Im Jahre 1953 fusionierte schlussendlich die kanadische Massey-Harris Company mir der britischen Harry Ferguson Limited, der gemeinsame Hauptsitz der „Massey Harris Ferguson“ lag nun in Toronto. Ab 1958 trug das Unternehmen den Namen „Massey Ferguson Company“. Ferguson selbst verließ die Firma allerdings 1954, um mit seiner zweiten Firma Rennwagen zu entwickeln.

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In Deutschland sind Massey Ferguson und seine Vorgängerfirmen vertreten, seit Massey Harris 1886 ein Verkaufsbüro in Berlin eröffnete. Vor dem Zweiten Weltkrieg produzierte das Unternehmen außerdem Mähdrescher in einem Werk in Köln-Westhoven. Diese Produktion wurde nach dem Krieg an einen ehemaligen Militärstandort in Eschwege verlegt, wo bis zum Ende der 1970er Jahre Mähdrescher entstanden. 1970 stieg Massey Ferguson außerdem mit 30 Prozent beim deutschen Traktorbauer Eicher ein, drei Jahre später übernahm Ferguson Eicher komplett, verkaufte die Firma aber schon 1982 wieder. Ähnlich lief es mit dem Baumaschinenhersteller Hanomag, den Massey Ferguson 1974 übernahm, aber schon 1980 wieder an die IBH-Holding verkaufte.

Heute ist Massey Ferguson eine weltweit vertriebene Marke der Agco AG mit Hauptsitz in Duluth, USA. Die Deutschlandzentrale der Firma befindet sich seit 2007 in Marktoberdorf.

1871 – Pöttinger

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Das österreichische Familienunternehmen Pöttinger feiert im Jahr 2021 sein 150-jähriges Firmenjubiläum. Aus einem kleinen Handwerksbetrieb in Grieskirchen (Österreich) entwickelte sich ein international erfolgreicher Landmaschinenhersteller.

Es begann auf einem Volksfest in Linz: Franz Pöttinger, ein Uhrmachermeister, erhielt im Jahr 1871 für seine Futterschneidmaschine eine lobenswerte Anerkennung und die Bronze-Medaille. Pöttinger steht von diesem Zeitpunkt an im Dienste der Landmaschinen-Technik. Neben der Futterschneidmaschine wurden Obstmühlen und -pressen, Silo- und Futterhäcksler, Buschholzhackmaschinen und Kartoffelroder hergestellt. In den 1950er Jahren zählte ein Aufladegerät für Heu, Stroh, Gras und Rübenblätter zu den Verkaufsschlagern.

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Einige Jahre später wurde mit der Heuraupe die Berglandbewirtschaftung revolutioniert. Die ständigen Weiterentwicklungen waren verantwortlich, dass der Heuauflader zum Vorreiter für den Ladewagen wurde. Pöttinger ist seitdem Weltmarktführer in diesem Segment. Mit dem Erwerb der Bayerischen Pflugfabrik wagte der Grünlandprofi 1975 den Einstieg in die Bodenbearbeitung: Kreiseleggen, Grubber und Pflüge gehörten ab nun zum Standardprogramm.

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Mit der Übernahme des Rabe-Werkes in Bernburg im Jahr 2001 wurde die Sätechnik zum dritten Standbein. Heute bietet das Familienunternehmen eines der breitesten Gründlanderntetechnik-Programme an vom Mäher, Zetter, Schwader bis zum Ladewagen. Im Ackerbau reicht das Portfolio von Pflügen über Grubber, Scheibeneggen, Kreiseleggen bis zur Saattechnik, neu sind die Geräte zur Kulturpflege mit Striegel und Hackgeräten sowie digitaler Landtechnik mit Terminal und Software.

1879 – Kverneland

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Die Geschichte der Kverneland Group begann 1879, als der Gründer Ole Gabriel Kverneland seine Schmiede im Dorf Kvernaland (Norwegen), 25 km von Stavager entfernt, aufbaute. Er nannte sein Unternehmen „O.G. Kvernelands Fabrik“ und begann mit der Produktion von Sensen. 1882 stellte Kverneland seinen ersten Pflug vor.

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Es folgen weitere Meilensteine: So spezialisierte man sich ab 1910 auf Maschinen für größere Betriebe mit Pferden. Der Pferdepflug wurde während dieser Periode entwickelt.

Mit der Entwicklung der ersten Traktoren in den 1920er Jahren erforschte das Unternehmen die Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen für den Traktor und präsentierte 1928 den ersten Traktorpflug.

Die Kverneland Silogabel wurde 1952 eingeführt und 1972 der weltweit erste Drehpflug mit automatischer Steinbefreiung, der zum Hauptprodukt des Unternehmens wurde. 1992 folgte der Kverneland Packomat, ein Pflug und ein Packer in einem Gerät.

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In den darauffolgenden Jahren wurde expandiert: Kverneland kaufte 1993 die Taarup Maskinfabrik in Dänemark mit Scheibenmähern und Heuwerkzeugen sowie 1995 den italienischen Kreiseleggen-Hersteller Maletti. Schließlich wurden 1996 mit dem Erwerb der Maschinenfabrik Accord in Deutschland Sämaschinen in das Produktangebot aufgenommen, 1999 kamen Rau-Feldspritzen hinzu. Ab 2008 wurden die Maschinen markenstrategisch fokussiert, die Produkte von Taarup, Accord, Rau und Kverneland verschmolzen zur starken Marke Kverneland. 2012 übernahm Kubota Corporation die Kverneland Group und ist seit Mai 2012 alleiniger Eigentümer. Zudem erwarb die Kverneland Group 100 Prozent der Anteile am Ballenpressen- und Wicklerhersteller Gallignani.

Die Kverneland Group bietet heute ein innovatives Sortiment an Sämaschinen, Bodenbearbeitungsgeräten, Futtererntetechnik, Düngerstreuern und Feldspritzen sowie elektronischen Lösungen und digitalen Dienstleistungen für Traktoren und Geräte an.

1883 – Amazonen-Werke

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Die Amazonen-Werke haben ebenfalls eine lange Firmengeschichte. Das Amazone-Logo mit dem Pferd trat zum ersten Mal im Jahre 1892 in Erscheinung. Heinrich Dreyer hat die Firma Amazone 1883 gegründet. 1891 wurde von ihm eine Getreidereinigungsmaschine entwickelt, 1894 folgte der erste Pflug (Karrenpflug). 1904 kam der erste Kultivator namens Siegfried auf den Markt und der Getreidereiniger wurde das Erfolgsmodell mit der Auslieferung des zehntausendsten Getreidereinigers, 1914 waren es schon 50 000.

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Eine weitere Besonderheit war der Walzendüngerstreuer Michel mit der Patentanmeldung um 1915. Der erste Kartoffelsammelroder S 42 folgte 1942, 1949 die erste Sämaschine Amazone D1 und der erste Stalldungstreuer sowie 1958 der erste Zweischeiben-Anbaustreuer ZA. Damit übernahm das Familienunternehmen 1961 in Deutschland die Marktführerschaft bei Zentrifugalstreuern. Auch bei Drillmaschinen wurde Amazone 1966 mit der D4 Marktführer. Zur gleichen Zeit wurden die erste Rüttelegge, die erste moderne Säkombination RE-D4 und wenig später (1969) die erste Pflanzenschutzspritze S 400 präsentiert sowie eine Zahnpackerwalze und die erste Fahrgassenschaltung. Der Einstieg in die Grünflächenpflege erfolgte 1985 mit dem Grasshopper und 1987 wurde das erste Einzelkornsägerät Amazone ED und danach auch eine erste pneumatische Sämaschine (AD-P) auf den Markt gebracht. Zu den Erfolgsmodellen zählen die Kreiselgrubber und Kreiseleggen, davon wurden bis 2008 50 000 Einheiten in 30 Jahren verkauft.

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Heute ist das Familienunternehmen sehr breit aufgestellt: Düngerstreuer, Sämaschinen, aktive (Kreiselgrubber und Kreiseleggen) und passive (Scheibengrubber und -eggen) Bodenbearbeitung, Einzelkornsämaschinen und Pflanzenschutzspritzen. Außerdem bietet Amazone seit Jahren leistungsfähige Geräte zur Park- und Grünflächenpflege sowie für den Winterdienst an. Im Bereich der digitalen Lösungen wie Software, Apps oder Datenmanagement sowie SmartServices 4.0 war Amazone ein Pionier und erhielt dafür viele Agritechnica-Auszeichnungen.