Transportlogistik

Kartoffelmaus beißt zu

MR-2-Ropa-Kartoffelmaus
Veronika Fick-Haas für KBM e.V., Neuburg
am Donnerstag, 05.11.2020 - 16:42

Stärkekartoffelerzeuger testen eine Lademaus im harten Praxiseinsatz – und sind zufrieden. Der Vorteil ist: Die Kartoffeln müssen gar nicht mehr auf den Hof.

Auf einen Blick

  • Stärkekartoffeln auf Feldmieten lagern ist neu.
  • Dadurch können sich Landwirte teuren Lagerraum und Arbeit sparen.
  • Eine neu entwickelte Kartoffelmaus der Firma Ropa ist zur Zeit in der Testphase
  • Die an dem Projekt von Südstärke und Ropa beteiligten Landwirte zeigten sich mit Verlauf und Ergebnis zufrieden.
  • Die Technik funktioniert, ebenso die Organisation über den Maschinenring.

Feldmieten ersparen teuren Lagerraum

MR-1-Ropa-Kartoffelmaus_B

Einen Großteil der Stärkekartoffeln auf Feldmieten lagern – und sich dadurch teuren Lagerraum und Arbeit sparen? Dafür könnten sich in naher Zukunft mehr Landwirte interessieren. Denn die Entwicklung einer Kartoffelmaus, einer Lademaus für Kartoffeln, und damit einer praktikablen Verladung schreitet voran. Die am Projekt von Südstärke und dem Maschinenbauer Ropa beteiligten Landwirte zeigen sich zufrieden. Die Technik funktioniert ebenso die Organisation über den Maschinenring. Entscheidend für den Erfolg scheint die richtige Anlage der Miete.

Der Großteil der Stärkekartoffeln der Sünchinger Lieferanten aus den Feldmieten ist verladen. 27 Landwirte – langjährige Anbauer für die Südstärke sowie einige Neueinsteiger – sind heuer den neuen Weg gegangen. Ihre Erfahrungen mit der Kartoffelmaus sowie mit dem gesamten Verfahren sind durchweg positiv. Jeder von ihnen liefert mindestens fünf Züge, also rund 125 t Kartoffeln. Dies war als Mindestmenge für den Einsatz ausgegeben worden.

Know how aus der Rübenverladung eingebracht

IMG_0676

„Natürlich haben wir unser Know how aus der Rübenverladung in die Entwicklung der Maschine eingebracht“, erklärt Dr. Rupert Geischeder, Bereichsleiter Kartoffeltechnik bei Ropa. Die Kartoffelmaus basiert auf dem Konzept der Euro-Maus 4 mit 326 PS. Allerdings ist die Kartoffel eben keine Zuckerrübe – und so haben die Ropa-Techniker speziell die Aufnahme neu entwerfen müssen.

Bereits beim Prototyp im letzten Jahr entschied man sich bei der Aufnahme anstatt von rotierenden Walzen für klassische Siebketten mit Querrohren. Letztere ersetzte man heuer durch Metallleisten. Die Reinigung, die Herausforderung besonders bei schweren Böden, wurde weiter optimiert. Das Ergebnis ist positiv. Generell zeigt sich eine sehr gute Reinigungswirkung der Maus. Bei Mieten, die jedoch per se einen zu hohen Schmutzgehalt haben, wirkt auch das Verladegerät keine Wunder.

Aufnahmebreite der Verlademaus nutzen

Miete_B

Wichtig ist es, die Aufnahmebreite der Verlademaus von acht Metern zu nutzen und die Mieten entsprechend anzulegen „Ist die Miete zu schmal, kommen seitlich zu viele Kluten in das Gerät. Diese können nicht alle wieder abgetrennt werden“, schildert Landwirt Johann Biener aus Wolkering. Der Stärkelieferant und Pflanzgutvermehrer hat einen Teil seiner Kartoffeln nun schon im zweiten Jahr auf Miete gesetzt. Dadurch spart er sich die Arbeit des Einlagerns.

Dass das Roden per se schneller ablaufe, kann der Praktiker nicht bestätigen. Schließlich müsse der Fahrer beim Abladen und der Anlage der Miete sehr konzentriert arbeiten. Johann Biener arbeitet mittlerweile im vierten Jahr mit dem zweireihigen Kartoffelroder, den die Südstärke ihren Lieferanten anbietet. „Je voller der Bunker ist, umso besser kann man die Miete schön breit und hoch ziehen“, so der Landwirt. Schwierig sei es mit einreihigen Rodern eine entsprechend große Miete anzulegen. Hier gebe es zudem Probleme mit den vielen Fahrspuren. Abhilfe könnte ggf. ein Überladen auf einen Muldenwagen schaffen.

Mieten mit Vlies abdecken

IMG_0685

„Die Mieten sollten nicht zu hoch aufgeschüttet werden. Dies verringert die Durchlüftungsrate im Mieteninneren“, betont Robert Ingerl, Leiter Kartoffeleinkauf Sünching. Überhaupt gebe es bei der Anlage vieles zu bedenken. Grundlegend sind ein trockener Standort auf einer ebenen Fläche, drei bis fünf Meter Abstand zu gut befahrbaren Wegen sowie an der Stirnseite der Miete eine Rangierfläche von mindestens 15 bis 20 m2.

Auch Thomas Scheuerer aus Hagelstadt ist beim Projekt von Südstärke und Ropa dabei. „Ich gebe zu: Man muss sich überwinden, die Kartoffel nach dem Roden wieder auf den Boden zu geben. Als Kartoffelerzeuger bin ich es gewohnt, daheim einzulagern“, sagt er unumwunden.

MR-3-Gruppenfoto_B

Dennoch machte er mit. Heuer sind seine Kapazitäten im Lager knapp. Ein Kollege, der erst 2019 in den Stärkekartoffelanbau eingestiegen ist und von Thomas Scheuerer betreut wird, hat lediglich einen provisorischen Lagerraum. So sind beide froh um die Möglichkeit der Feldmiete und Verladung mit der Kartoffelmaus.

Das Verfahren entzerrt außerdem die Arbeitsspitzen. Wird beim Roden nur abgelegt, sind keine weiteren Arbeitskräfte für das Einlagern am Hof erforderlich.

Der Kartoffelprofi beurteilt das Ganze positiv: „Ich bin von der guten Abtrocknung in der Miete sowie von der Verladetechnik angenehm überrascht. Ein Zug ist in zehn Minuten verladen. Das gefällt mir“, bemerkt er. Wichtig ist dem Praktiker der Hinweis, die Kartoffeln auf der Miete mit einem Vlies vor Nässe zu schützen. Die Stärkefabrik empfiehlt zur Mietenabdeckung ein wasserundurchlässiges, aber atmungsaktives Vlies. Das Vlies wirkt in zwei Richtungen: Zum einen schützt es natürlich vor Regen, zum anderen lässt es die anhaftende Erde besser abtrocknen – ein Pluspuntk beim Verladen.

Belüftung beachten

Bei richtiger Anlage und Handhabung erzielt man generell eine gute Belüftung der Kartoffeln. Damit treten kaum Probleme mit Fäulnis oder mangelnder Haltbarkeit auf. Eine Bachelorarbeit der Hochschule Weihenstephan in Kooperation mit der Südstärke soll in einem Temperaturmessversuch während der Mietenlagerung mit Datenloggern weitere Erkenntnisse auch unter kälteren Bedingungen liefern.

Organisation über den MR

„Wir sind auf die Ergebnisse gespannt. Denn natürlich wird das Thema Frost intensiv diskutiert“, sagt Martin Krinner vom MR Straubing-Bogen. Die Testphase soll erste Erfahrungen liefern, ohne dass die Erzeuger dabei ein allzu großes Risiko eingehen. Letztlich trägt der Anbauer die Verantwortung für die Lagerung der Kartoffeln auf der Miete.
Der dortige Maschinenring übernimmt die Einteilung der Verlademaus und hat die Route vorab geplant. Das Einsatzgebiet ist großräumig und reicht vom Regensburger und Straubinger Raum bis nach Dingolfing und Passau. „Da ist es sinnvoll, nicht zick-zack in der Gegend herum zu fahren“, betont der MR Geschäftsführer. Schon frühzeitig hat er die Termine mit den beteiligten Anbauern und der Südstärke abgestimmt.
Die Organisation des Transportes übernehmen in der Regel die Landwirte selbst, meist in Transportgemeinschaften. Bei weiten Entfernungen kommen Lkw zum Einsatz. Schleppegespanne wären hier zu teuer. Ca. 600 Züge, also rund 15 000 t Kartoffeln, finden in der diesjährigen Kampagne ihren Weg von der Feldmiete in die Stärkefabrik.
An der in Sünching ausgegebenen Vertragsmenge von knapp 330 000 t spielt diese Menge derzeit nur eine geringe Rolle. Doch die Verantwortlichen glauben, dass sich dies in der nächsten Zukunft ändert – vorausgesetzt die Technik funktioniert und die Mieten werden entsprechend sorgfältig angelegt. Der Preis für die Verladung ist derzeit mit 2,50 €/t Bruttomenge zzgl. MwSt. günstig. Die Abrechnung erfolgt über die Selbsthilfeeinrichtung.

Rohstoff Stärkekartoffel

„Wir von der Südstärke wollen unseren Rohstoff – die Stärkekartoffel – sichern. In den letzten Jahren haben viele Anbauer aufgrund des Strukturwandels aufgegeben. Auffangen konnten wir dies, weil bisherige Lieferanten zum Teil ihre Produktion ausgeweitet haben und weil neue Anbauer dazu gekommen sind“, erzählt Robert Ingerl von Südstärke in Sünching. Derzeit beliefern 571 Landwirte die Stärkefabrik – im Durchschnitt mit jeweils knapp 600 t.
Offen ist man für weitere Neuanbauer. Erste Informationen zu Vertragsanbau, Deckungsbeitrag oder Preismodellen sind auf der Homepage der Südstärke zu finden. „Wir glauben, dass der Stärkekartoffelanbau in unserer Gegend noch Potenzial hat“, bekräftigt Ingerl. Neue Verfahren wie die Lagerung in einer Feldmiete und die Verladung durch die Kartoffelmaus erleichtern den Einstieg, bieten aber auch bisherigen Lieferanten Vorteile.