Start ins Vegetationsjahr

Grünland: Glätten, kämmen, nachsäen

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Donnerstag, 11.03.2021 - 15:53

Für eine optimale Bewirtschaftung müssen Weiden und Wiesen jedes Jahr im Frühjahr wieder neu frisiert und fit gemacht werden. Dafür gibt es einige spezielle Techniklösungen, hier ein Überblick über die verschiedenen Maßnahmen.

Auf einen Blick

  • Im zeitigen Frühjahr sollten Maulwurfs- und Mäusehügel eingeebnet sowie die Grasnarbe belüftet und zum Bestocken angeregt werden.
  • Wo größere Lücken in der Grasnarbe entdeckt werden, müssen diese zügig geschlossen werden.
  • Grünland muss das ganze Jahr über sorgsam behandelt werden. Besonders auf die optimale Schnitthöhe von 5 bis 7 cm ist zu achten.

Grünland vielerorts durch Trockenheit betroffen

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Die extreme Trockenheit in den vergangenen Jahren hat vielerorts auch im Grünland Spuren hinterlassen. Zudem können Auswinterung, Wühlmaus- und Maulwurfshaufen sowie Feldmausschäden zu einer Verschlechterung der Gräser und Pflanzenzusammensetzung führen. Bei Weidehaltung können zusätzlich durch Kothaufen oder Trittschäden Bestandslücken entstehen.

Zudem führen Bearbeitungsschäden, wie zu tiefes Mähen und nachfolgend eine zu tiefe Einstellung der Wender und Schwader neben der Futterverschmutzung auch zu Narbenschäden mit nachfolgender Verunkrautung. Hoher Bodendruck und Befahren bei zu nassem Boden kann ebenfalls wertvollere Gräser verdrängen und zur Verschlechterung der Bestände führen. Durch intensivere Nutzung und die Silagewirtschaft ist eine Nachsaat aus dem Bestand (Aussamen der Gräser), wie sie bei früheren Heunutzungen regelmäßig erfolgte, kaum noch gegeben.

Das Grünland wieder auf Vordermann bringen

Daher sollte man Wühlmaus-, Maulwurfs- und Kothaufen einebnen bzw. verteilen, um Futterverschmutzungen zu vermeiden und den Aufwuchs minderwertiger Gräser und Unkräuter zu unterbinden.

Zudem können Engerlinge – im Grünland handelt es sich vorwiegend um die Larven von Maikäfer, Junikäfer und Gartenlaubkäfer – massive Bestandeslücken hervorrufen, aber auch Fehlentwicklungen durch die Ausbreitung von Ampfer oder Gemeiner Rispe können zu Situationen führen, wo eine Sanierung dieser Bestände unumgänglich wird.

Wertvollere Gräser sollte man fördern und die Verunkrautung von Bestandeslücken durch rechtzeitige Nachsaat unterdrücken. Minderwertige, weniger ertragreiche Gräser sollte man an der Ausbreitung hindern bzw. rauskämmen und durch wertvollere Gräser ersetzen. Professionelle Grünlandbewirtschaftung muss mit System und Geduld betrieben werden. Erst nach Bestimmung des Lückenanteiles und der Analyse des Bestandes mit Erfassung der wertvollen Grünlandgräser kann über die Auswahl der Verbesserungsmöglichkeiten entschieden werden.

Bestand erhalten und Lücken schließen

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  • Zu den Zielen bei der Grünlandpflege zählt erstens, den Bestand in der Qualität zu erhalten (Übersaat). Als Standardgerät hierfür eignet sich der Grünlandstriegel (z. B. mit sechs Reihen, mittlere Zinkenstärke, Verstellung des Ausstellwinkels, federbelasteter Planierschiene, pneumatischem Sägerät mit Pralltellerverteilung im mittleren Bereich) für regelmäßiges Nachsäen von geringen Saatgutmengen.
  • Zudem soll der Bestand verbessert und Lücken geschlossen werden: Dabei sollen durch Ausrechen und Nachsäen wertvolle Pflanzen gestärkt und minderwertige Pflanzen zurückgedrängt werden. Der Striegel mit Planierschiene sollte hierfür vier Reihen, kräftige Zinken, aggressive Einstellungsmöglichkeiten und ein pneumatisches Sägerät mit Pralltellerverteilung im hinteren Bereich besitzen. Eine Strukturwalze presst das Saatgut an den Boden. Feste breite Walzeinheiten hingegen können sich dem Boden schlecht anpassen.
  • Ein weiteres Ziel bei großen Lücken kann eine Grundsanierung sein. Dabei erfolgt die Saat in die Narbe mit Schneidscheiben (exakte Tiefenführung) mit pneumatischer oder mechanischer Saatgutdosierung. Die Druckrollen dienen zum Verschließen der Säschlitze. Wenn der extrem geschädigte Bestand es erfordert, kann die Neuansaat mit Umbruch eine weitere Option sein.

Spezialgeräte für Wildschweinschäden

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In den letzten Jahren ist ein weiterer Aspekt hinzugekommen: Wildschweinschäden. Hierbei gibt es entsprechende Spezialmaschinen. In walddurchsetzten Gebieten, vor allem in der vegetationslosen Zeit, verursachen Wildschweine erhebliche Narbenschäden, die meist die Sanierung von Teilflächen bis hin zur kompletten Neuansaat erforderlich machen. Bei Unterlassung der Planierung und Ansaat führen diese Unebenheiten zu Futterverschmutzung, Verunkrautung und Schäden an den Erntemaschinen. Praktiker behelfen sich oft mit vorhandener Technik (Schleppen, Kreiseleggen, Mulchgeräte oder Walzen). Einige Anbieter haben hierzu bereits Spezialtechnik entwickelt. Günstig ist der Maschineneinsatz unter trockenen Bedingungen im Frühjahr.

Da diese Grünlandpflegegeräte nur saisonal eingesetzt werden, sollten Landwirte überlegen, solche Maschinen möglichst überbetrieblich zu nutzen bzw. gemeinsam anzuschaffen. Anlaufstelle kann der örtliche Maschinenring sein. Zuständig bei Wildschäden ist das jeweilige Landratsamt. Dort erhält man entsprechende Hinweise, wie man Wildschäden richtig geltend macht.

Auch im Grünland gilt: Man muss säen, um zu ernten. Durch eine rechtzeitige und regelmäßige Nachsaat sowie Bestandspflege sind laut Untersuchungen je nach Zustand des Grünlandes Mehrerträge von weit über 15 % möglich. Nur durch eine Kombination von entsprechender Erneuerungstechnik mit einer dem Standort sowie der Bewirtschaftung optimal angepassten Saatgutmischung kann das Grünland nachhaltig regeneriert oder saniert werden.

Grünland bei Lücken nachsäen

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Trockenheit, Frost, lange Schneebedeckung aber auch Wühlmäuse und Krankheiten führen immer wieder zu Schäden der Grasnarbe und damit zum Ausfall wertvoller Bestandespartner. Nicht zu unterschätzen sind auch Schäden, die durch falsch eingestellte Geräte, Schlupf, Übernutzung der Bestände oder Beweidung der Flächen verursacht werden. Dazu können Engerlinge – im Grünland handelt es sich vorwiegend um die Larven von Maikäfer, Junikäfer und Gartenlaubkäfer – massive Bestandeslücken hervorrufen, aber auch Fehlentwicklungen durch die Ausbreitung von Ampfer oder Gemeiner Rispe können zu Situationen führen, wo eine Sanierung dieser Bestände unumgänglich wird. Nur durch eine Kombination von entsprechender Erneuerungstechnik mit einer passenden Saatgutmischung können solche Flächen wieder nachhaltig regeneriert oder saniert werden.

Tipps zu den Saatverfahren

Bei der Grünlandsaat unterscheidet man folgende Varianten:

  • Übersaat: Hier erfolgt die Saatgutablage auf die unbearbeitete Oberfläche. Die Saat kann mit einfacher, in der Regel vorhandener Technik erfolgen (Saatstärke: 5 bis etwa 10 kg/ha).
  • Durchsaat: Hier erfolgt die Saatgutablage mit Spezialgeräten in den Boden – ohne wesentliche Beeinträchtigung der Altnarbe (Saatstärke: 20 bis etwa 24 kg/ha).
  • Kombiverfahren: Wiesenpflege- und Nachsaatgeräte können auch mit Striegelvorsätzen und Nivelliereinrichtungen sowie Andrückwalzen kombiniert werden. Hier spricht man von einer Zwischenstellung von Über- und Durchsaat (Saatstärke: 10 bis über 20 kg/ha).
  • Komplette Neuansaat: Diese kann oft mit vorhandener Technik wie Kreiseleggen, Mulchgeräte oder Walzen erfolgen (Saatstärke bis 30 kg/ha).

Welche Technik für welches Saatverfahren?

Für die Übersaat, Nachsaat oder Neuansaat bieten die Landtechnikhersteller ein umfangreiches Technikprogramm an:

  • Beim Einsatz des Düngerstreuers ist die geringe Streufähigkeit der leichten Grassaat und die Windanfälligkeit zu beachten. Deshalb halbe Streumenge und geringere Arbeitsbreite kalkulieren.
  • In Kombination mit einer Wiesenegge kann auch ein Schneckenkornstreuer Saatgut ausbringen. Hier ist eine gewisse Einarbeitung oder Anhaftung an Boden gegeben.
  • Bei Drillmaschinen mit ausgehängten Särohren ist eine exakte Saatmengeneinstellung und -verteilung möglich.

Bei diesen Varianten kann der fehlende Bodenkontakt ein Problem sein. Der Trend geht deshalb zum Einsatz spezieller Pflege- und Nachsaatgeräte, die einen besseren Nachsaaterfolg durch bessere Auflaufbedingungen und Bearbeitungsintensität erwarten lassen. Eine Besonderheit der Nachsaat ist die Güllesaat. Zu beachten ist dabei, dass das Saatgut gleichmäßig in der Gülle verteilt werden muss. Zudem sollte die Gülle dünnflüssig sein (< 5 % TS) und die Samen sollten vorgeweicht sein, damit sie nicht im Fass oben auftreiben.

Anschließend muss der Pflanzenbestand durch einen frühen Schnitt kurz gehalten werden, um der Nachsaat genügend Licht und Feuchtigkeit zur Entwicklung zu geben.