Klasse 8

Großtraktor: Unterwegs mit der schwäbischen Acht

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Claus Mayer, traction
am Donnerstag, 24.09.2020 - 13:34

Der erste Deutz-Fahr der Klasse 8 trumpft mit hochwertigen Komponenten auf. Nur beim Getriebe gibt sich der Hersteller geheimnisvoll. Die Redaktion traction fuhr den Traktor Probe.

Der Traktorhersteller aus Bayerisch-Schwaben schließt eine Lücke: Erstmals bieten die Lauinger einen Traktor in der umsatzstarken Klasse 8 von 250 bis 300 PS. Die Kundschaft in diesem Segment hat zusätzlich zur Feldarbeit oft viele Transporte zu erledigen. Der 8280 TTV hat dafür einige „Arbeitserleichterer“ an Bord.

Transportspezialist

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Zunächst fährt er optional bis zu 60 km/h und kommt damit auf der Straße schnell voran. Er ist aber auch als 40 oder 50 km/h-Variante erhältlich. In der schnellsten Version bremst er an der Vorderachse mittels trockener Scheibenbremsen. Für die langsameren Modelle sind die Scheiben optional. Im Test zogen wir einen 15 t schweren Anhänger und wussten bei 60 km/h zu schätzen, dass die Maschine stark bremsen kann und sehr präzise auf Pedaldruck reagiert.

Die intelligente Vorderachsfederung erleichtert den Wechsel vom Feld auf die Straße zusätzlich. Im Modus „Soft“ sorgt sie für hohen Fahrkomfort, im Modus „Normal“ ist sie härter eingestellt und hält auf der Straße möglichem Schub vom Anhänger Stand, wenn man abbremst. Man stellt den Modus per Dreh-Drückschalter und das Frontdisplay ein oder überlässt der Vorderachse mit dem Automatikmodus selbst die Wahl.

Wer oft zwischen Straße und Feld wechselt, erhält den 8280 TTV auf Wunsch mit einer Reifendruckregelanlage von PTG. Um den Ruf als Transportspezialist perfekt zu machen, verbauen die Lauinger zudem Unterlenker, die sich in eine Transportstellung hochkurbeln lassen.

Bewährter Motor

Die Power für diese Arbeiten schöpft der Achter aus einem bewährten Aggregat. Der TTCD 6,1-Liter-Sechszylinderdiesel mit Doppelturbo werkelt seit Jahren unter der Haube des Fendt 800 Vario. Frisches Öl verlangt er nur alle 1000 Betriebsstunden. Maximal leistet der Motor 287 PS (211 kW) und liefert ein Drehmoment von 1226 Nm. Die Abgasstufe V erfüllt er durch Dieselpartikelfilter, SCR (selektive katalytische Reduktion) sowie AdBlue. 505 l Diesel und 35 l AdBlue passen an Bord.
Gleich nach dem Motor geht der Hersteller hingegen neue Wege: Das Stufenlosgetriebe SDF T7780 stammt nicht – wie bei den vergleichbaren Modellen – von Zulieferer ZF. So ganz will Deutz-Fahr aber nicht mit der Sprache herausrücken, wie es entstanden ist, spricht von einer „Eigenentwicklung mit Kooperationspartner“.
Wir vermuten, dass das Bauteil von Claas Industrietechnik stammt und von Deutz-Fahr auf die Bedürfnisse des Motors abgestimmt wurde. Es kombiniert ein Stufenplanetengetriebe, eine Kupplung und zwei hydrostatische Einheiten. Zwischen den zwei Fahrbereichen schaltet es automatisch.
Die Kombination von Motor und Getriebe kann sich sehen lassen. Bei unserer Testfahrt mit Anhänger zog die Maschine aus dem Stand kraftvoll an und beschleunigte zügig auf 60 km/h. Dort dreht der Motor 1830 mal pro Minute. Bei 40 km/h reichen dem Motor 1280 Touren pro Minute.
Bei der Hydraulik ist der Achter mehr als solide aufgestellt: Der Öltank fasst 90 l, die Pumpe schafft optional bis zu 210 l/min. Im Heck verbauen die Lauinger bis zu fünf elektronische Zusatzsteuerventile, an der Front maximal zwei. Alle lassen sich proportional ansteuern. Positiv stachen uns der serienmäßig hydraulische Oberlenker, die hydraulischen Unterlenkerstabilisatoren sowie die gute Sicht aus der Kabine auf den Kraftheber ins Auge.
Im Heck stemmt der 8280 TTV bis zu 11 100 kg, an der Front sind es 5450 kg. Die Zapfwellendrehzahl vorne – 1000 oder 1000E – wählt man komfortabel im Frontdisplay.

Viel Elektronik

Die Lauinger vermarkten ihren neuen Achter als „Always on tractor“ und bewerben mit diesem Spruch die Zuverlässigkeit und Datenkonnektivität des Traktors.
So erhält jeder Käufer ein Jahr lang kostenlosen Zugang zum Flottenmanagement „SDF Fleet Management“ des Mutterkonzerns Same Deutz-Fahr. Per Internetbrowser lassen sich jederzeit Standort und Telemetriedaten des Traktors abrufen. Dem Händler kann man Störmeldungen vorab übermitteln, um Service oder Reparatur zu beschleunigen. Auch der bekannte Agrirouter ist an Bord und ermöglicht den Datenaustausch zwischen den Anwendungen verschiedener Landtechnikhersteller.
Grundvoraussetzung ist jedoch eine gute Internetanbindung des Traktors während der Arbeit. Dafür stattet Deutz-Fahr ihn mit einem CTM-Modul aus, das die Verbindung zu jedem beliebigen Mobilfunknetz herstellt.

Neben GPS auch Glonass und Galileo

Seinen Standort ermittelt der Achter mit dem SR20-Receiver, der neben GPS auch mit den alternativen Systemen Glonass und Galileo arbeitet und zudem das Korrektursignal RTK NTRIP nutzt. Sollte er doch mal alle Verbindungen verlieren, ermittelt er die Beschleunigung und Bewegung des Traktors mittels Gyroskop. Optional gibt der Empfänger dann bis zu 20 Minuten lang auch ohne Satellitensignal den Standort des Traktors an. So funktioniert das Lenksystem auch bei Funkstille.

Auch zu TIM, dem „Trakto-Anbaugerät-Management“ (Tractor Implement Management) ist der 8280 TTV in der Lage. Anbaugeräte erhalten dabei Zugriff auf den Traktor und steuern z. B. Fahrgeschwindigkeit, Hydraulikventile, Kraftheber oder Zapfwelle so, dass sie optimal ausgelastet sind.
All die elektronischen Highlights steuert man in der Kabine über den iMonitor 3 mit 8 oder 12 Zoll. Das erschien uns im Test teils unübersichtlich. Wer will, kann den Monitor aber mittels eines Tablets (iPad oder Android-Tablet) duplizieren und so mehr Bildschirmfläche nutzen. Die Datenübertragung von und zum Tablet erfolgt per WLAN. Eine smarte Lösung. Andere Hersteller hätten versucht, einen weiteren Monitor als Option zu verkaufen.
In Serienausstattung gibt es den 8280 TTV ab knapp 250 000 € Nettolistenpreis. Unsere nahezu vollausgestattete Testmaschine schlägt mit knapp 300 000 € zu Buche.