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Grünland

Geräte für die Wiesenpflege: Neues und Bewährtes

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Freitag, 11.03.2022 - 11:42

Walze, Striegel, Sägerät: Sobald das Wetter es zulässt, sollte das Grünland mit den geeigneten Pflegegeräten auf Vordermann gebracht werden.

Wenn Wiesen und Weiden ihre gewohnte Leistung bringen sollen (oder am besten noch mehr), müssen sie regelmäßig gepflegt werden. Nach dem Winter zeigt das Grünland die Schäden, die noch vor Vegetationsbeginn in Angriff genommen werden sollten. Die Grasnarbe sollte jetzt zum Bestocken angeregt und belüftet werden: So müssen die Maulwurfs- und Mäusehügel eingeebnet werden, pflanzliches Restmaterial und Kuhfladen sollten zerrieben und gut verteilt werden, auch gibt es mancherorts mehr oder weniger starke Wildschweinschäden im Grünland.

Das Grünland sehr schonend behandeln

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Bei solch größeren Narbenschäden empfiehlt sich die Nachsaat oder sogar die Neusaat, damit der Pflanzenbestand und die Grasnarbe wieder geschlossen werden. Hierbei ist eine Neusaat nach der ersten Nutzung bis in den Herbst hinein zu empfehlen. Eine Nachsaat im zeitigen Frühjahr ist nicht besonders geeignet, da für die keimenden Pflanzen dieser Saatzeitpunkt oft noch zu früh ist.

Nicht nur die Mäuse, auch Bewirtschaftungsfehler wie Ätzschäden durch Gülle oder Druckschäden können lückige Grasnarben verursachen und damit zu Problemen mit der Gemeinen Rispe oder mit dem Ampfer führen.

Gerade der Stumpfblättrige Ampfer sollte früh bekämpft werden. Das heißt: „Wehret den Anfängen“, denn schon eine Einzelpflanze besitzt ein enormes und hartnäckiges Samenpotenzial. Neben den drei bekannten selektiven Pflanzenschutzmaßnahmen wie Ampferstecher, Dochtstab mit Rückenspritze und Rotowiper gibt es auch den Ampferwiesel oder ganz neu die selektive Feldspritze Rumex (das ist die botanische Bezeichnung für den Ampfer) von der gleichnamigen Startup-Firma aus Marktoberdorf.

Wird eine Pflanze während der Fahrt durch die Bilderkennung erkannt, öffnen sich beim Erreichen des Spritzbalkens die benötigten Spritzdüsen, um die Ampferpflanze vollständig mit Pflanzenschutzmittel zu benetzen.

Ganzjährig sorgsamer Umgang gefordert

Das Grünland muss aber das ganze Jahr über sorgsam behandelt werden. Besonders auf die optimale Schnitthöhe von 5 bis 7 cm ist zu achten und man sollte den Nutzungszeitpunkt am Bestand orientieren. Bei der Grüngut-, Silage- oder Heubergung müssen die Geräte narbenschonend eingestellt werden. Das heißt, Pickup und Schwader dürfen nicht den Boden aufkratzen. Und nicht zuletzt ist es sehr wichtig, auf eine gute Befahrbarkeit der Grünfläche zu achten.

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Denn nach dem beinahe ausgefallenen Winter sind manche Landwirte schon ungeduldig. Dennoch sollte es selbstverständlich sein, dass man nicht zu früh auf die Flächen fährt und bei nassen Bodenverhältnissen arbeitet. Grünlandverbesserungsmaßnahmen können nur dann auch langfristig Erfolg bringen, wenn die Bewirtschaftungsfehler dauerhaft korrigiert werden.

Das Grünland steht stark unter Druck. Schwere Traktoren und Maschinen üben zunehmend Druck auf den Boden aus, zusätzlich wirken Scherkräfte. Das kann zu Narbenverletzungen und Verdichtungen im Boden führen. Zur Schonung der Grasnarbe ist es deshalb wichtig, neben der richtigen bodenschonenden Bereifung auch den Fahrstil so schonend wie möglich zu gestalten, um so wenig Schlupf und möglichst keine Scherschäden zu verursachen. Denn die entstandenen Lücken werden schnell von der unerwünschten Gemeinen Rispe, Quecke, Vogelmiere und vom Scharfen Hahnenfuß oder Ampfer besiedelt.

Zur Grünlandpflege gibt es bewährte, einfache Verfahren bis hin zu aufwendiger Technik. Hierzu bieten verschiedene Landtechnikhersteller (wie Einböck, Frerichs, Frick, Hatzenbichler, Köckerling, Regent, Reinert oder die Firmen Schweiger, Dorn, Sigg oder Joskin sowie Lomma oder Düvelsdorf oder APV) Wiesenstriegel, Wieseneggen und -schleppen bzw. Walzensysteme an.

Abschleppen, striegeln, Wachstum anregen

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Im zeitigen Frühjahr wird hauptsächlich das Abschleppen der Wiesen und Weiden durchgeführt. Neben der Beseitigung von Erdhaufen wird auch die Grasnarbe belüftet, was für den Nachwuchs und Neuaustrieb (Bestockung) günstig ist. Neben Wiesenstriegel und Wieseneggen verwenden die Landwirte vielfach ihre Eigenbaulösungen.

Dabei sind dem Erfindungsreichtum keine Grenzen gesetzt. Häufig finden alte Schlepperreifen ebenso Verwendung wie Baustahlgitter oder Metallringe und ähnliches. Entscheidend ist aber, dass die Geräte frei sind von langen und scharfen Zinken, welche die Grasnarbe verletzen könnten. Ungünstig ist auch das Abschleppen vor Frostnächten und bei mit Reif bedeckten Beständen – sie sind dann empfindlich.

Ein weiterer Effekt der Wiesenstriegel und -schleppen ist das „Zerreiben“ und Verteilen von alten Pflanzenresten, Güllebestandteilen und Mist beziehungsweise von Kuhfladen auf Weiden. Durch Auswahl der Zinken oder durch Verstellmöglichkeiten kann vielfach die Bearbeitungsintensität verändert und den Boden- und Grasnarbenverhältnissen angepasst werden.

Bei größeren Mäuseschäden ist unbedingt nachzusäen und zu walzen. Wer im Frühjahr Auswinterungslücken feststellt, der sollte möglichst zeitnah handeln. Zum einen besteht die Möglichkeit, für eine Neuansaat den Bestand komplett umzubrechen, zum anderen kann die Nachsaat mit speziellen Sägeräten direkt in den Bestand durchgeführt werden.

Auswinterungslücken: Rechtzeitig nachsäen

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Der richtige Saatzeitpunkt für die gegebenenfalls notwendige Nach- und Neuansaat ist dann, wenn ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Günstig ist eine Nachsaat direkt nach dem Mähen, damit eine zu starke Konkurrenz der Altnarbe vermieden wird. Durch den frühen Schnitt zur Grassilage kommt es nicht mehr zur natürlichen Nachsaat. Darum ist regelmäßige Nachsaat von standortgerechten Gräsern ein Muss für alle, die ein hohes Ertragsniveau beibehalten oder besser noch steigern möchten.

Eine kostengünstige Möglichkeit der Narbenverbesserung und Erhaltung des Samenpotenzials im Boden besteht in einer permanenten Übersaat, ob mit Düngerstreuer oder Universalstreugeräten. Ein großer Vorteil eines Striegels mit aufgesatteltem Säaggregat ist das Aufreißen eines vorhandenen Filzes bei Arbeitsgeschwindigkeiten von 12 bis 15 km/h. So kann in einem Arbeitsgang das Grünland gepflegt und umbruchslos erneuert werden. Weitere positive Kriterien sind die hohe Flächenleistung und verschleißarme Technik.

Verschiedene Hersteller wie APV, Düvelsdorf, Einböck, Fiona, Güttler, Hatzenbichler, Köckerling oder Lomma bieten Grünlandnachsaatgeräte meist kombiniert mit Striegel- oder Walzensystemen an. Auch spezielle Geräte gegen Wildschweinschäden sind auf dem Markt.

Kombigeräte zum Einebnen und Nachsäen

Insgesamt gibt es dabei verschiedene Ausführungsvarianten vom mechanischen Sägerät bis hin zu elektrisch angetriebenen Universalstreuern oder pneumatischen Säaggregaten. Neu ist die Güttler-Zinkensaat: Dabei werden die Samen über Saatrohre hinter den Striegelzinken direkt und sicher an den Boden geführt. Somit soll eine sichere Nachsaat auch bei ungünstigen Verhältnissen gewährleistet werden. Die neue Güttler Zinkensaatmaschine GreenMaster zur Grünlandpflege und Nachsaat wurde letztes Jahr in Frankreich bei einem Innovationspreis mit dem 2. Platz prämiert.
Mit diesen Kombigeräten können die Wiesen und Weiden belüftet, eingeebnet und gleichzeitig nachgesät werden. Speziell für die harte Beanspruchung im Grünland sind z. T. Bügelfederzinken entwickelt worden, die durch hohe Aggressivität eine sehr gute vertikutierende Wirkung erzielen können. Zudem dienen höhenverstellbare Schlepp-Vorrichtungen wie Crossboard zur Einebnung von großen Maulwurfshaufen.

Durchsaat mit Spezialmaschinen

Sehr guten Erfolg zur Wiederherstellung dichter Grünlandnarben verspricht die Durchsaat mit Spezialmaschinen (Schlitz-, Scheiben- oder Fräsedrillmaschinen von Köckerling oder Vredo). Hierbei wird selbst bei starker Verfilzung das Saatgut genau abgelegt. Eine Nachsaat ist nach der ersten Nutzung bis in den Herbst hinein zu empfehlen. Das zeitige Frühjahr ist nicht so gut geeignet, da für die keimenden Pflanzen dieser Saatzeitpunkt noch zu früh ist.

Grasnarben auf humosen und sandig-humosen Böden frieren im Frühjahr bei länger anhaltenden Kahlfrösten auf. Dadurch wird der Wurzelanschluss an den Unterboden unterbrochen (Kapillarwirkung). Die Folge ist ein verspäteter Wachstumsbeginn. Auch wenn das nach diesem fast ausgefallenen Winter kaum nötig sein wird: Aufgefrorene Grasnarben müssen im Frühjahr mit Wiesenwalzen angedrückt werden. Der fachlich richtige Zeitpunkt ist dann gegeben, wenn sich die aufgefrorene Grasnarbe mit dem Stiefelabsatz noch eindrücken lässt, ohne dass Wasser in der Andruckstelle erscheint. Der rechtlich richtige Zeitpunkt wird durch die Walzverordnung vorgegeben.
Gezieltes Walzen dient auch der Unkrautunterdrückung. Wird nämlich auf kerbel- und bärenklaureichen Wiesen zu einem späten Zeitpunkt (in der Blüte dieser Unkräuter) mehrmals gewalzt, dann knicken die Blütenstände ab und können in der Folge nicht mehr aussamen. Falsch ist allerdings das Walzen auf bereits stark wachsenden oder durch Nachtfrost erstarrten Pflanzenbeständen. Zur Allgemeinverfügungen zum Walzen von Grünland: Außerhalb der Wiesenbrütergebiete wurde die Frist heuer bis 1. April verlängert.