Berglandwirtschaft

Futter bergen in den Bergen

GL-Aufmacher-Schwaden-Wetter
Helmut Süß
Helmut Süß
am Mittwoch, 12.05.2021 - 11:56

Um bestes Heu gerade in Hanglagen zu gewinnen, muss vor allem das Wetter passen. Zudem sollte die komplette Arbeitskette aus Mähen, Kreiseln, Schwaden und Bergen aufeinander abgestimmt sein.

Ein Wettlauf mit dem Wetter

GL-Zetten-Traktor

Ist schon im Flachland die Heuernte ein aufwendiges Unternehmen, so stellen Hanglagen in den Bergen noch extremere Herausforderungen für Mensch und Maschinen, denn das Wetter kann sehr schnell umschlagen. In der Rinderhaltung hat Heu oft einen festen Platz in der Futterration. Die hohe Qualität des Heus mit der größtmöglichen Menge an verdaulichen Nährstoffen spielt hier eine große Rolle. Dagegen dient Heu in der Pferdehaltung oft als reiner Rohfaserlieferant. Hier wird eine größtmögliche Ertragsmasse angestrebt.

Die hohe Qualität von Bergwiesen oder extensiv genutztem Grünland liegt unter anderem am hohen Anteil an Kräutern sowie in blattreichen und vielfältigen Artenbeständen. Das daraus gewonnene Heu wird von den Rindern sehr gern gefressen und in gute ‚Bergbauernmilch‘ veredelt. Zudem gewinnt die Milch-Marke ‚Heumilch‘ auch bei den Verbrauchern zunehmende Wertschätzung. Wie erreicht man gutes Qualitäts-Heu?

Gutes Wetter ist die wichtigste Voraussetzung, um energie-, mineralstoff- und strukturlieferndes Heu zu ernten. Heu zu machen, ist ein Wettlauf mit dem Wetter – je schneller das Gras getrocknet ist, desto geringer ist das Risiko, dass es durch Regen wieder nass wird.

Schonend und sauber arbeiten

GL-Ernten

Schonende Arbeitsweise beginnt schon bei der Wiesenpflege: Narbenschäden sollten unbedingt vermieden werden. Grundvoraussetzung dazu sind hangtaugliche Fahrwerke, bodenschonende Bereifung bei Traktor und Gerät sowie gute Geländeanpassung und richtige Arbeitseinstellung der Maschinen. Früher wurde das Gras mit der Sense gemäht, per Hand gewendet und zusammengerecht, aufgeladen etc. Schonender für Boden und Futter geht es nicht. Aber dazu braucht es viele Hände. Das ist heute arbeitskräftebedingt nicht mehr machbar.

Doch es gibt technische Helfer wie Spezialmaschinen für extreme Hanglagen: etwa Einachsgeräteträger mit den dafür abgestimmten Anbaugeräten wie Doppelmesserbalken, Heurechen oder Schwader. Aber auch Spezial-Hangtraktoren mit Doppelbereifung etc. oder Mähtraktoren sowie Mulis bzw. Transporter haben sich in den Berggebieten seit Jahrzehnten bewährt.

GL-Mähen-Hand

Auch Schnitthöhe, Futterverschmutzung und Futterkonservierung spielen bei der Qualität des Grünfutters eine zentrale Rolle: Die maschinelle Futterernte kann zu spürbaren Erdeinträgen in das Futter führen. Je feuchter das Wiesenfutter bei der Mahd ist, desto höher wird der Gehalt an Rohasche. Deswegen sollte die Mahd erst dann erfolgen, wenn der Pflanzenbestand abgetrocknet und auch der Boden nicht mehr zu feucht ist. Futter, welches unter fünf Zentimeter Schnitthöhe gemäht wurde, hat – das belegen Untersuchungen – deutlich höhere Erdanteile als jenes, das über fünf Zentimeter geschnitten wurde. Mähtechniken mit schnell rotierenden Messern sind besonders verschmutzungsrelevant bei lückigen Futterbeständen, Flächen mit Wühlmausbefall, aber auch bei stark ausgetrockneten Böden.

Mähaufbereiter sind kritisch, weil bei intensiv aufbereitetem Futter aus den verletzten Pflanzenteilen zuckerhaltiger Zellsaft austritt, woran Erdpartikel sehr gut haften. Moderne Mähtechnik sollte Bodenanpassung aufweisen und die Mähmodule sollten auf unebenen Flächen nicht breiter als drei Meter sein. Zudem gibt es Traktoren mit einer achsgeführten Anbaumöglichkeit des Frontmähwerks, das soll eine besonders gute Bodenanpassung ermöglichen.

Behutsam zetten und wenden

GL-Zetten-Hand

Damit das Gras gleichmäßig und schnell trocknet, wird es mit einem gezogenen oder getragenen Kreiselzettwender mehrfach auf dem Boden gewendet. Die Einstellung der richtigen Arbeitshöhe ist wichtig, damit es nicht zu Bröckelverlusten und unnötiger Futterverschmutzung kommt. Die Zinken sollten bei der Grundeinstellung bei einem festen Untergrund rund zwei Zentimeter vom Boden entfernt drehen. Die Kreiselneigung bestimmt das Verteilbild der Mahd. Mit einem flachen Winkel erreicht man, dass die Zinken eine große Fläche überstreichen. Besonders bei großen Grasmengen ist darauf zu achten, dass das Schnittgut locker und gleichmäßig verteilt wird. Kleine Kreiseldurchmesser haben sich hinsichtlich der Verteilgenauigkeit bewährt.

Oft wird beim Zetten und Wenden zu schnell gefahren. Dadurch bauen die Zinken große Brocken auf und legen sie als Haufen ab, die sich später nicht mehr auflösen lassen. 6 bis 7 km/h Fahrgeschwindigkeit sind bei hohen Ertragsmengen optimal. Ein weiterer wichtiger Einstellparameter ist die Zapfwelle. Sie soll mit der Normdrehzahl laufen.

Daneben entscheiden Anzahl und Zeitpunkt der Wendevorgänge. Je seltener gewendet wird, desto weniger Schmutz gelangt ins Heu. Bei aufbereitetem und breit gestreutem Futter reicht oft ein Arbeitsgang. Drei bis vier Stunden nach dem Mähen, wenn das trockene Gras leicht ergraut ist, wird einmal breitflächig gewendet. Wenn die Schwade mittig von einem Kreisel oder zwischen zwei Kreiseln aufgenommen werden, wird die beste Verteilung erzielt.

Locker und gleichmäßig das Heu schwaden

Wichtig ist ein lockeres und gleichmäßiges Schwad, damit das Material gleichmäßig trocknet. Die Schwaderzinken dürfen den Boden nicht berühren. Sie sollen darüber kreisen, aber auch nicht viel Futter liegen lassen. Ein Problem stellt die Fahrspur des Traktors dar. Er drückt die Grasstoppeln und damit die Auflagefläche des Futters nieder. Das Futter lässt sich dann kaum sauber und verlustarm ernten.

GL-Schwaden-Trac

Die Qualität des Schwads hängt von der Fahrgeschwindigkeit und der Kreiseldrehzahl ab. Als Faustregel gilt: hohe Geschwindigkeit bei langsamer Kreiseldrehzahl ist deutlich besser als hohe Kreiseldrehzahl und niedrige Geschwindigkeit. Die Zapfwelle sollte mit 350 bis 400 1/min drehen. Bei dieser Drehzahl werden die Halme überwiegend quer zur Schwadrichtung abgelegt. Der Ladewagen oder die Pick-up der Presse können das Heu dann am besten aufnehmen. Seitenschwader verursachen höhere Verschmutzungen als Mittelschwader. Exakte Bodenanpassung durch Tasträder und richtig vorgewählte Fahrgeschwindigkeit verringern das Risiko der Erdkontamination, ebenso bringen Schwadtechnologien mit Querförderbändern durchaus Vorteile.

Egal ob in flachen oder in bergigen Regionen – man will sauberes, hoch qualitatives Futter fürs ganze Jahr bergen. Um bestes Heu gerade in Hängen zu gewinnen, muss neben dem Wetter die komplette Arbeitskette vom Mähen, Kreiseln und Schwaden bis zum Bergen aufeinander abgestimmt sein. Das Aroma wird durch Erde negativ verändert. Erdig verunreinigtes Heu riecht gegenüber sauber geerntetem Raufutter wenig aromatisch und deutlich erdigstaubig. Das fressen die ‚Veredler‘ nicht so gerne und auch Milchleistung und -qualität sind entsprechend niedriger. Eine standortangepasste Pflege, Düngung und ressourcenschonende Grünlandbewirtschaftung sowie eine maßvolle Nutzung der Tiere mit bestem Futter sollte auf den Betrieben absoluten Vorrang haben.