CO2-Einsparung

Förderfähige E-Mobilität

E-Hoflader_sü
Rita Haas, Stefanie Althammer, LandSchafftEnergie am TFZ
am Mittwoch, 12.05.2021 - 16:20

Landwirtschaft und Gartenbau sollen bis 2030 12 Mio. t CO2-Äquivalente weniger ausstoßen als 2018. Ein neues Förderprogramm soll als Anreiz dienen.

Die Richtlinie zur Förderung der Energieeffizienz und CO2-Einsparung in Landwirtschaft und Gartenbau ist seit 01. November 2020 in Kraft und ersetzt das seit 2016 geltende Förderprogramm für die einzelbetriebliche Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Die neue Förderung ist von Grund auf anders aufgebaut und basiert auf einem CO2-Einsparkonzept anstelle des früheren Energieeinsparkonzepts.

Auf CO2-Einsparung ausgerichtet

Das Programm wurde laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) „zu einem konsequenten CO2-Einsparprogramm im Bereich der landwirtschaftlichen Energienutzung weiterentwickelt.“ Auf bis zu 1,5 Mio. t CO2-Äquivalente wird das Minderungspotenzial in Landwirtschaft und Gartenbau geschätzt, insgesamt muss der Sektor bis 2030 12 Mio. t CO2-Äquivalente weniger ausstoßen als 2018.

Wer kann Anträge stellen? „Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die unbeschadet der gewählten Rechtsform in der landwirtschaftlichen Primärproduktion tätig sind und eine Niederlassung in Deutschland haben“, so heißt es im Merkblatt der BLE.
Das bedeutet, dass eine Biogasanlage, die rechtlich aus dem landwirtschaftlichen Betrieb ausgegliedert ist, nicht förderfähig ist. Auch Lohnunternehmen, Zweckverbände, Maschinen- oder Bruchteilgemeinschaften sowie Betriebe, die keine landwirtschaftliche Primärproduktion betreiben, sind von der Förderung ausgenommen. Es ist zudem nicht möglich, die Förderung mit anderen Programmen zu kumulieren. Betriebe müssen also entscheiden, ob sie eine Förderung nach EEG, EEWärmeG, KWKG oder nach dem Bundesprogramm Energieeffizienz möchten.

Betrieb vollständig betrachten

Das BMEL legt Wert darauf, den Betrieb vollständig zu betrachten und macht deshalb ein CO2-Einsparkonzept sowie eine Beratung durch eine zugelassene Person zur Voraussetzung für die Förderung.

Ausgenommen davon sind Einzelmaßnahmen, wobei zwei Monate nach Inkrafttreten der Förderrichtlinie die ausführende Behörde, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), bekannt gab, dass die Förderung für Reifendruck-Anlagen mit dem 26. Januar 2021 ausgesetzt wird. In 850 von 1000 gestellten Anträgen bis Ende Januar 2021 wurden Gelder für diese eine Einzelmaßnahme beantragt.
Die Erstellung des CO2-Konzepts selbst ist bis zu 80 % des Netto-Beratungshonorars förderfähig. Einen zugelassenen Sachverständigen findet man über die Webseite der BLE.
Was ist neu? Neu aufgenommen wurde die Förderung von selbst erzeugter, regenerativer Energie zur Eigennutzung. Darunter fallen Anlagen zur Energiespeicherung und deren Wiedergabe, Maßnahmen zur Ab- und Fernwärmenutzung, PV-Anlagen und Agri-Photovoltaik, Wärmepumpen basierend auf überwiegend regenerativen Quellen und Geothermie.
Auch Biomasseanlagen und kleine Biogasanlagen können gefördert werden – sofern der Hauptzweck nicht der Elektrizitätserzeugung dient und der Substratanteil an Mais oder Getreide nicht mehr als 10 % beträgt. Der Ertrag an Strom und Wärme darf den Eigenbedarf nicht übersteigen.

Darüber hinaus sind im Programmteil „Wissenstransfer“ die Informationsmaßnahmen zur betrieblichen Energie- und CO2-Einsparung, die Landwirte in Anspruch nehmen, förderbar. Dazu gehören Veranstaltungen und die Erstellung von Informationsmedien.

Große Maschinen benötigen große Mengen Energie

Weil es nicht ungewöhnlich ist, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb mehr Energieverbrauch durch Treibstoffe hat, als durch Strom und Wärme, wurde dieser Bereich neu in die Förderung aufgenommen.

Landwirtschaftliche KMU oder Gartenbaubetriebe können die Förderung beantragen, wenn sie mobile Maschinen und Geräte neu anschaffen, die elektrisch betrieben werden oder Biomethan beziehungsweise kaltgepresstes Rapsöl aus landwirtschaftlicher Erzeugung mit dem Koppelprodukt Rapskuchen als Tierfutter tanken.
Die Förderung gilt gleichermaßen für die Umrüstung von bereits vorhandenen Maschinen: Bis zu 40 % der zuwendungsfähigen Ausgaben können gefördert werden. Dabei kann der Rapsölkraftstoff durch den landwirtschaftlichen Betrieb selbst erzeugt werden oder er kann über eine Beteiligung an einer Genossenschaft, die den Rapsölkraftstoff erzeugt, bezogen werden.
Allerdings gibt das Beihilferecht vor, dass dann der Landwirt oder die Genossenschaft den Rapsölkraftstoff nicht vermarkten darf. Eine Vermarktung von Rapsöl als Futteröl und Speiseöl ist nicht zulässig. Bei gekauftem Rapsölkraftstoff muss der landwirtschaftliche Betrieb ein Biomasseversorgungskonzept über fünf Jahre vorlegen.
Für das Errichten einer Ölmühle, die kaltgepresstes Rapsöl für den Eigenbedarf herstellt und auch für die dafür erforderliche Lager- und Bereitstellungsinfrastruktur, kann es Gelder geben. Dabei darf – analog zu Strom und Wärme – nur so viel produziert werden, wie der Betrieb durchschnittlich im Jahr selbst verbraucht. Eine genossenschaftlich geführte Ölmühle ist denkbar, sie darf jedoch nur den Eigenverbrauch der Mitglieder pressen.

Elektrische Traktoren oder mobile Geräte

E-Mobilität: Möchte der Betrieb elektrische Traktoren oder mobile Geräte anschaffen, kann einerseits die preisliche Differenz zu konventionellen Maschinen gefördert werden. Andererseits sind auch in diesem Fall infrastrukturelle Maßnahmen förderfähig, wie die Erstellung einer Ladestation und des erforderlichen Netzanschlusses.

Zu beachten ist auch hier: Der erforderliche Strom muss selbst erzeugt werden oder direkt aus einer von mehreren Landwirten gemeinschaftlich betriebenen regenerativen Anlage zur Deckung des eigenen Bedarfs kommen. Alternativ ist der Zukauf von Ökostrom möglich.
Das anerkannte Netto-Investitionsvolumen muss für mobile Geräte und Maschinen mindestens 16 000 € betragen; bei Um- und Nachrüstung 5000 €. Unabhängig von der Wahl des Antriebs gilt für geförderte Maschinen, dass diese für den Zeitraum von fünf Jahren mit dem eigens oder überbetrieblich regenerativ erzeugten Strom, Biomethan oder Rapsölkraftstoff betrieben werden müssen. Dies ist auch beim Weiterverkauf sicherzustellen. Ausführliche Hinweise zu „Mobile Maschinen und Geräte“ sind auf der BLE-Homepage zu finden.
Noch bis zum Ende des Jahres stehen die Berater von LandSchafftEnergie den Anfragen aus der Landwirtschaft bei diesem Thema zur Seite.