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Mineraldünger

Düngung: Nicht einfach Schieber auf und los

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Felix Schopp
am Donnerstag, 10.02.2022 - 13:47

Damit man die Einzelpflanzen optimal mit Mineraldünger versorgt, müssen die Streuereinstellungen passen. Dabei spielen die mechanischen Eigenschaften der Düngemittel für eine exakte Ausbringung eine große Rolle.

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Bei der ‚klassischen‘ Mineraldüngerausbringung mit einem Zentrifugalstreuer ist folgendes Schema grundlegend:

Direkt hinter dem Schlepper wird die höchste Düngermenge ausgebracht. Nach links und rechts fällt die ausgebrachte Menge im Optimalfall gleichmäßig ab, sodass sich ein Dreiecksprofil der ausgebrachten Düngermenge ergibt. Durch Überlappung kommt es zu mehr oder weniger gleichmäßigen Streubildern. Das Maß für die Genauigkeit der Düngerausbringung ist der Variationskoeffizient (VK), der oftmals auch als Streufehler bezeichnet wird. Er bildet die mittlere prozentuale Abweichung der Ist-Streumenge von der Soll-Streumenge je Teilbereich der Arbeitsbreite ab. Oder anders ausgedrückt: Streut der Düngerstreuer in jeden Teilbereich meiner Arbeitsbreite die gleiche Menge an Dünger? Je niedriger der VK, desto exakter die Düngerausbringung.

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Erst ab einer Abweichung von 25 % kann der VK bei stickstoffhaltigen Düngemitteln als die klassische „technische Streifenkrankheit“ wahrgenommen werden. Bei Phosphor und Kali ist dies nicht so deutlich sichtbar – aber deshalb nicht weniger schlimm. Denn bereits ein VK von mehr als 15 % wird von der DLG mit nicht ausreichend bewertet. Ein VK von 10 bis 15 % gilt als befriedigend und ein VK von 5 bis 10 % erhält die Note gut. Ein sehr gut (< 5 %) ist in der Praxis nur schwer zu erreichen.

Folgen eines hohen VK sind bei Getreide unter anderem ungleichmäßige Qualitäten, geringere Druschleistung, erhöhtes Lagerrisiko, schlechte N-Effizienz und gegebenenfalls Umweltbelastungen. Grundlage für einen geringen Variationskoeffizient ist das Dreiecksprofil der ausgebrachten Düngermenge und dadurch eine gleichmäßige Überlappung der Streubilder. Worauf kommt es hierbei an?

Worauf es beim Dünger ankommt

  • Korngrößenverteilung der Düngerkörner: Hierbei ist ein definiertes Korngrößenspektrum optimal. Gleichmäßige Körner fliegen beim Streuen gleich weit, was eine ausreichende Überlappung und somit das Erreichen eines geringen Variationskoeffizienten erschwert. Eine definierte Variation führt zur Differenzierung der Wurfweite anhand der unterschiedlichen Korngrößenverteilung und dadurch zu einer besseren Überlappung und somit zu einem exakteren Streubild. Wichtig ist allerdings, dass weder zu viele Über- noch Untergrößen dabei sind.
  • Kornhärte der Düngerkörner: Vom Transport aus den Werken bis zur Ausbringung sind die Düngerkörner je nach Logistikkonzept unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Die größte Belastung kommt oftmals am Ende der Düngelogistik: Bei der Beschleunigung der Düngerkörner auf den Streuschaufeln. Bei mangelhafter Kornhärte können Körner zertrümmert werden oder im schlimmsten Fall zu Staub zerfallen. Eine gleichmäßige Verteilung ist dann nicht mehr möglich.
  • Optimale Flugeigenschaften der Düngerkörner: Sie sind Grundlage für große Wurfweiten und damit eine ausreichende Überlappung. Das Gewicht und die Aerodynamik der Düngerkörner sind hierbei wichtige Faktoren.

Das ist beim Streuer zu beachten

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  • Verschleiß: Ein rechtzeitiger Blick auf die Streuschaufeln des Düngerstreuers lohnt sich. Streuschaufeln verschleißen. Und das ist auch gut so – denn Grundlage für ein exaktes Streubild sind Düngekörner mit einer hohen Kornhärte. Harte Düngerkörner beanspruchen die Streuschaufeln stark, und es können sich wellenförmige Abtragungen zeigen. Dann sollten Sie die Streuscheiben ersetzen. Mit Löchern in den Streuschaufeln ist es unmöglich, einen geringen VK zu erzielen. Auch während der Arbeit lohnt es sich, die Streuschaufeln zu prüfen. Unzureichende Kornhärte oder feuchte Ware kann zu Ablagerungen an den Streuschaufeln führen, welche den VK erhöhen. Weitere technische Grundvoraussetzungen für einen geringen VK sind ein intaktes Rührwerk, eine saubere Auslauföffnung mit leichtgängigem Auslaufschieber und eine komplette Einweisbürste.
  • Anbau: Vor Arbeitsbeginn sollten Sie sicherstellen, dass gleiche Reifeninnendrücke vorliegen und die Unterlenker gleichlang sind. Die Neigung des Streuers in Fahrtrichtung ist in den jeweiligen Apps der Streuer Hersteller oder in der Streutabelle zu finden. Sie sollte – falls nötig, beim Entleeren des Streuers angepasst werden. Um die Neigung bequem vom Schleppersitz aus sehen zu können, hat sich die Anbringung einer Kette bewährt. Diese sollten Sie zu Beginn der Arbeiten auf die passende Länge einstellen.
  • Streuereinstellung: Bei der Einstellung des Düngerstreuers helfen die klassische Streutabelle, Apps und das Terminal. Hier werden allerdings immer Richtwerte ausgegeben. Da sich die beschriebenen physikalischen Eigenschaften wie Oberfläche, Korngrößenverteilung, Kornhärte und Korngewicht während Transport, Lagerung und Handhabung ändern, sollte zunächst überprüft werden, wie sich die Düngerkörner bei Dosierung, Verteilung und in der Luft verhalten.
Das Nachfließen der Düngerkörner zum Auslaufschieber lässt sich mithilfe von Radarsensoren überprüfen. Diese Technik ist nicht überall vorhanden. Zudem wird die tatsächliche Genauigkeit in der Düngerverteilung mittels Radarsensoren nur teilweise abgebildet. Und auch die Sensoren müssen kalibriert werden. Deshalb bietet sich der Einsatz der klassischen Prüfschalen nach wie vor an.

Vor Arbeitsbeginn Querverteilung prüfen

Unsachgemäße Umschläge und Lagerung gehen auch an Düngemitteln, die alle beschriebenen Qualitätsansprüche erfüllen, nicht spurlos vorbei. Dies führt dazu, dass die auf dem Hof befindliche Ware von der Ware, die zum Erstellen der Streutabelle hergenommen wurde, abweicht. Eine Kontrolle der Querverteilung mittels Prüfschalen oder Prüfmatten sollte deshalb vor Arbeitsbeginn zur Gewohnheit werden. Doch nicht nur zu Beginn der Streuarbeiten ist die Kontrolle der Querverteilung wichtig. Prüfen Sie auch während der Düngesaison sowie an langen Dünge- tagen immer wieder die Querverteilung. Denn auch innerhalb eines Haufwerks, sei es beim Landhandel oder auf dem Hof, ändern sich oftmals die Qualitäten des Düngers. Eine Alternative zum losen Haufwerk bietet der Einkauf von Dünger in Big-Bags.
Das Prüfen des Streubilds mittels Prüfschalen ist nicht nur schnell durchgeführt, sondern rentiert sich immer. In der Literatur findet man Angaben, dass die Eingangs beschriebene Streifenkrankheit schnell einen Minderertrag von 10 % verursachen kann. Das ist finanziell beachtlich und bildet eine exzellente Entlohnung für die Überprüfung des Streubildes. Dazu legt man entlang einer Arbeitsbreite in der Mitte eines Schlags Prüfschalen quer zur Fahrtrichtung aus. Zuerst wird in der Fahrgasse mit den Prüfschalen Dünger gestreut und anschließend in den benachbarten Fahrgassen. Wie viele Düngerkörner in den einzelnen Prüfschalen aufgefangen wurden, stellt das Bewertungskriterium für die Streuereinstellung dar. In der Betriebsanleitung des Streuers ist beschrieben, wie sich beim jeweiligen Streuer das Streubild optimieren lässt.
Aber die beste Streuereinstellung und die beste Sensortechnik sind nur so gut wie der verwendete Dünger. Achten Sie also unbedingt auf Qualität bei der Düngerbeschaffung.