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Technikberater

Was braucht ein Miststreuer?

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Prof. Ludwig Volk, Warendorf
am Donnerstag, 21.04.2022 - 11:18

Das Angebot an Miststreuern ist groß. Hier ein Überblick zu den technischen Besonderheiten.

Aktuell explodieren die Mineraldüngerpreise und so mancher Landwirt setzt wieder mehr auf organische Düngung. Dazu braucht man natürlich auch die entsprechende Verteiltechnik. Miststreuer müssen mit den unterschiedlichsten Substraten zurecht kommen: schwerer Laufstallmist, strohiger Pferdemist, Kompost, separierte Gärreste, Hühnertrockenkot oder feuchter Kalk. Hohe Ausbringleistung und störungsfreier Betrieb mit gleichmäßiger Verteilung sind dabei das, worauf es ankommt. Wer einen Miststreuer kaufen will, sollte folgende Faktoren kennen:

  • Welche Mistart wird verteilt?
  • Auszubringende Menge,
  • verfügbare Einsatzstunden,
  • übliche Entfernungen,
  • verfügbarer Fahrer mit vorgesehenem Traktor,
  • Lagerkapazität,
  • zu düngende Flächen in der Ebene oder am Hang,
  • Neumaschine oder gebraucht,
  • eigene Kosten und erfragte Dienstleistungspreise.

Mist laden, transportieren und streuen bieten Landwirte im Maschinenring oder Lohnunternehmer relativ preiswert an. Bei ihnen kann man die Dienstleistungspreise erfragen und gegenüber den eigenen Kosten abwägen.

Bei wenigen Betriebsstunden im Jahr kann ein gebrauchter oder preiswerter Streuer aus Osteuropa ein sinnvoller Kauf sein, sofern ein Händler berät und die Ersatzteilversorgung gesichert ist. Überwiegend sind diese mit starrem Fahrwerk, kleinen Rädern und Auflaufbremsen ausgestattet. Gefederte Achsen und Druckluftbremsen sind zu empfehlen, der Streuer fährt sowohl leer als auch beladen ruhiger und bremst besser.

Einachser gibt es ab 2 t Eigengewicht mit ca. 4 t Nutzlast bei etwa 8 m³ Ladevolumen. Bei Miststreuern gibt es einen Trend zu Tiefladern, das heißt, große Räder werden neben dem Aufbau angeordnet und es können große Radialreifen bis 710/75 R42 montiert werden. Große Reifen bieten mehr Bodenkontaktfläche und rollen auf nachgiebigem Boden leichter. Dank niedrigem Schwerpunkt kann umsturzsicher auch am Hang Festmist, Dung oder Kompost ausgebracht werden.

Bei Tiefladern kann bei gleichem Volumen die Bordwandhöhe niedriger sein und dadurch das Beladen mit dem Frontlader einfacher sein. Bei üblichen Streuerbauarten mit Rädern unter dem Kratzboden (Hochladern) mit 20 bis 24 t zulässigem Gesamtgewicht können große Reifen bis 1,67 m Durchmesser montiert werden.

Die tiefe Anhängung am Schlepper hat sich bei Neumaschinen durchgesetzt. Das Gespann fährt sich stabiler und die Umsturzgefahr für den Schlepper durch einen schiebenden Streuer am Hang wird minimiert. Eine spielfreie, tiefe Anhängung des Streuers am Traktor bietet die K80-Kugel.

Gefederte, gelenkte und gebremste Fahrwerke

Empfehlenswerte Fahrwerke beim Tandemfahrzeug sind gefedert und haben eine hydraulisch gesteuerte mitlenkende Achse. Die passive Nachlaufachse ist nicht zu empfehlen, denn beim Rückwärtsfahren muss sie vom Fahrer gesperrt werden, damit sie keinen Schaden nimmt. Wechselnde Fahrer, insbesondere bei Mietmaschinen, neigen zum Übersehen der Rückwärtssperre. Bei der aktiv gelenkten Achse am Dungstreuer gestaltet sich das Rückwärtsfahren problemlos.

Neben der K80-Kugel am Schlepper ist ein auf die zweite Achse wirkendes Gestänge für Lenkimpulse montiert oder es werden mit einem elektronischen Winkelmesser Lenkimpulse auf die Lenkzylinder an der aktiv gelenkten Achse übertragen. Beim Kurven- und Rückwärtsfahren steuern Hydraulikzylinder die Achse.

Die Reifen haben in Kurven weniger Gummiabrieb und rollen bis 1000 Betriebsstunden ausdauernder. Spurtreuer Nachlauf, bessere Lenkfähigkeit und weniger Pflanzen- und Grasnarbenschäden werden so erreicht. Beim Tridemstreuer werden die erste und die dritte Achse gelenkt.

Als Federelemente dienen vor allem Stahlfedern in Parabelform, aber auch Luft- und Hydraulikfedern werden verbaut. Mit Hydraulikfedern im Tandem- und Tridemfahrwerk und Ausgleichsschwingen als Achsaufhängung kann eine Achse geliftet werden, um bei der Gefahr des Steckenbleibens kurzzeitig mehr Achslast auf die hintere Schlepperachse zu übertragen. Mit einem Topzylinder über der Zugdeichsel lässt sich ebenfalls Last auf den Schlepper übertragen. Eine gefederte Deichsel sollte man zur sicheren und ruhigen Straßenfahrt bei den 40-km/h-Streuern wählen. Zum Verzögern sind Zweileiter-Druckluftbremsen die richtige Wahl mit automatischer Bremseneinstellung für die Last.

Bei weiten Entfernungen zwischen Lagerplatz und Feld sollte man für ein schnelleres Straßen-Tempo die 40-km/h-Ausrüstung wählen – mit Druckluftbremsen, bruchsicherer Beleuchtung, Abdeckung der Streuerbauteile, Unterfahrschutz, seitlichen Leuchtstreifen und großen, radialen Reifen, aktuell mit der Reifenbauart VF (Very flexion; hohe Tragfähigkeit bei niedrigem Reifendruck).

Streugut und Streubreite bestimmen Streutechnik

Den Misttransport auf dem Streuer zu den Streuwalzen und -tellern übernehmen Kratzböden mit bis zu vier starken Antriebsketten. Bei Wirtschaftsdüngern wie frischem bis verrottetem Stallmist ist das senkrechte Dosierschild vor den Streuwalzen nicht notwendig, bei krümeligem Streugut sollte es bestellt werden. Besonders beim Kalkstreuen verbessert das Dosierschild die gleichmäßige Zufuhr. Die Verteilgüte hängt vom Mist, dem Fahrer und der Technik ab.

Richtig ist, je nach Mist- oder Düngerart, eine breite Verteilung auf bis zu 20 m, mit maximal einem Fünftel Unterschied, ausgedrückt als Variationskoeffizient. Die breite Verteilung ist sinnvoll für kleine Ausbringmengen je Hektar, z. B. bei Hühnertrockenkot, und vermindert die Spurstrecke im Feld. Mit dem Trend zur kostengünstigen, überbetrieblichen Ausbringung von Wirtschaftsdüngern konzentriert sich eine Mittelklasse leistungsstarker und ausdauernder Streuer mit folgenden Merkmalen heraus:

Bis 22 t Gesamtgewicht, 7 t Eigenmasse und 15 t Zuladung, tiefe Kugelkopfanhängung, Tandemachse, gefedert und aktiv gelenkt, großvolumige Radialreifen, zunehmend mit IF und VF Bauweise, Streuwalzen und Streuteller für die feine Verteilung auf großer Arbeitsbreite, Streumenge von 2 bis 20 t/ha, große Arbeitsbreite für weniger Fahrstrecke und Spuren im Feld, senkrechter Dosierschieber und variabler Kratzbodenvorschub etc.

Mist streuen als Dienstleistung wird inklusive Fahrer, Schlepper und Streuer für 65 bis 150 € je Stunde angeboten. Leistungsstarke Teleskop- oder Frontlader sollten zum Dungstreuer passen, damit das Verfahren kostengünstig und damit attraktiv für Tierhalter ist.

Variabler Reifendruck für Feld und Straße

Für Profifahrzeuge ist variabler Reifendruck sinnvoll, denn auf Wiese und Acker sind Spuren dieselzehrend und ertragsmindernd. Ein hydraulisch angetriebener Schraubenverdichter für die Druckluftversorgung am Kompost- oder Miststreuer gilt als Stand der Technik. Wählt man beim Miststreuer die größtmöglichen, breiten, radialen Reifen und stellt man im Acker und auf der Wiese niedrige, vom Reifenhersteller freigegebene Reifendrücke ein, dann ist eine wichtige Maßnahme für mehr Bodenschutz getroffen.

Anhängerreifen werden mit 1 bis 4 bar gefahren. Gerade beim Miststreuer sind niedrige Reifendrücke im Acker richtig, auf der Straße sparen höhere ca. 10 % Diesel durch leichteres Rollen. Rentabel ist ein variabler Reifenfülldruck bei Miststreuern mit über 100 Betriebsstunden im Jahr.