Gütertransport

Bauern als Spediteure wider Willen

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Helmut Süß
Helmut Süß
am Donnerstag, 17.09.2020 - 09:33

Traktor mit Anhänger, LKW, Unimog oder Agro-Truck? Wie sich Transporte kostengünstig, sicher und schnell erledigen lassen.

Auf einen Blick

  • Auf den meisten Betrieben wird der Gütertransport mit dem Standardschlepper erledigt. Der Lkw oder Agro-Trucks haben sich noch nicht etabliert.
  • Der mit ackertauglicher Bereifung ausgestattete Agro-Truck verursacht gegenüber einem großen Traktorgespann fast 30 % geringere Diesel- und Lohnkosten.
  • Der klassische Lkw-Sattelzug kann im Vergleich zum schweren Schleppergespann mit nur 60 % der Diesel- und Lohnkosten transportieren.
  • Bei Transportarbeiten sind leichte Traktoren schwereren vorzuziehen. Die Straßenbereifung für Traktoren spart Diesel, ist aber nur bei ausreichender Auslastung wirtschaftlich.

Teils gewaltige Mengen zu transportieren

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Das ganze Jahr über fallen verschiedenste Transportaufgaben an: Saatgut und Dünger sind noch relativ leicht zu bewältigen, aber bei der Silageernte, Rund- oder Quaderballen, Holz bzw. Hackschnitzel sowie Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben oder auch Mist und Gülle sind schon zum Teil gewaltigen Mengen vom Feld zum Hof und umgekehrt zu fahren.

Der Transport beinhaltet grundsätzlich drei Stufen:

  • beladen,
  • transportieren und
  • wieder entladen.

Das ist bei der Logistik zu berücksichtigen und gegebenenfalls aufeinander abzustimmen. Und zum Transportieren brauch man eine Zugmaschine und ein Transportfahrzeug. So ist der Landwirt Spediteur wider Willen.

Auf den meisten Bauernhöfen wird der Gütertransport mit dem Standardschlepper erledigt. Verbunden mit verschiedenen Anhängerformen ist eine flexible und oft kostengünstige Transportlogistik möglich. Der Spezialist für schnelle und weite Transporte auf der Straße ist der Lkw. Er hat sich in der Landwirtschaft aber noch nicht etabliert. Vor allem die niedrigen Anschaffungskosten sind sehr verlockend, da sie Massenware sind und man neue oder auch gute gebrauchte Fahrzeuge günstig kriegen kann.

Mischformen aus Lkw und Schlepper

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So wie der Traktor auf das Feld gehört, so ist ein Lkw der Spezialist für die Straße. Doch inzwischen gibt es bei beiden Zugfahrzeugen auch Mischformen. Zum Schlepperbereich zählen auch der Unimog oder sogenannte Schnellläufer wie der Fastrac. Um auch abseits befestigter Wege unterwegs sein zu können, werden seit einigen Jahren Agrar-Lkw, Agrar-Trucks oder Agro-Trucks mit spezieller landwirtschaftlicher Ausstattung angeboten. Auf den ersten Blick sind keine großen Unterschiede zwischen einem Lkw und einem Agrar-Truck erkennbar, da die Hersteller normale Lkw als Grundlage nutzen. In den meisten Fällen werden Sattelzugmaschinen namhafter Hersteller. umgebaut.

Der Agrar-Lkw ist in der Regel mit Allradantrieb ausgestattet. Darüber hinaus kann er mit Zapfwelle, Dreipunkthydraulik und bodenschonender Breitbereifung oder neuerdings auch mit Spezialreifen für eine Reifendruckregelanlage angepasst werden.

Auch für die Schlepper bieten sehr viele Reifenhersteller seit einigen Jahren spezielle Straßenbereifungen mit Blockprofil an bzw. Kombireifen für Feld und Straße. So sollen die Traktoren auch für Straßentransporte effektiver werden. Denn damit sollen Diesel eingespart, der Reifenverschleiß gesenkt und dennoch genügend Traktion übertragen werden können.

Lkw braucht am wenigsten Sprit

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Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat vor zwei Jahren einen Vergleichstest durchgeführt: Dabei wurde ein Schlepper mit Ackerbereifung sowie mit Straßenbereifung eingesetzt. Auch ein Lkw und ein Agrar-Truck wurden mit einem Schlepper-Hänger-Gespann bezüglich Spritkosten verglichen: Die ermittelten Kraftstoffverbrauchswerte bestätigen, der Lkw ist am sparsamsten. Auch der Agro-Truck war sparsam, aber bedingt durch die Breitbereifung kann er mit dem Standard-Lkw nicht mithalten. Der Standard-Traktor verbrauchte bei der Solofahrt als auch bei der Zugleerfahrt am meisten.

Das bestätigt einmal mehr, dass die großen Schlepper für Transporttätigkeiten nicht optimal sind. Denn Traktoren sind nicht für den Straßentransport konzipiert. Sie brauchen im Mittel mehr als 60 % des Sprits für die eigene Fortbewegung. Die beiden Lkw benötigen für ihr eigenes Fortkommen lediglich rund 40 % des Diesels. Erst bei den Ladungsfahrten nimmt der Verbrauch deutlich zu. Die Umrüstung auf Straßenbereifung hat beim Traktor zu einer Dieseleinsparung beigetragen. Im Mittel der Testfahrten wurden dadurch immerhin 11 % weniger verbraucht. Demgegenüber stehen natürlich die Anschaffungskosten für den Satz Straßenreifen und die Arbeitskosten für die Umrüstung. Die Abnutzung der Reifen soll laut wissenschaftlichen Untersuchungen im Vergleich zu Ackerreifen etwa dreimal so lange halten.

Verbrauch der jeweiligen Nutzlast vergleichen

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Um den Dieselverbrauch noch genauer zu vergleichen, ist der Verbrauch für die jeweils transportierte Masse in Liter je 100 km und je Tonne wichtig. Letztlich ist es aber entscheidend wie viel Diesel die Zugkombination für den Transport der jeweiligen Nutzlast benötigt. Aufgrund der geringsten Nutzlast der Zugkombination mit dem Traktor wird mit 2,8 l Diesel pro 100 km je Tonne transportierter Nutzlast der höchste Verbrauch erreicht. Zwischen dem leichten und dem schweren Schlepper beträgt die Differenz für den Transport einer Tonne Nutzlast 0,7 l/100 km. Das sind immerhin 25 % weniger Diesel. Der klassische Lkw erreicht hier die geringsten Werte und bezogen auf die Nutzlast, die der Lkw transportiert, liegt der Verbrauch bei 1,6 l/100 km für eine Tonne Gewicht. Im Vergleich zum Traktor mit Anhängern sind dies 43 % weniger Diesel.

Der Lkw und der Agro-Truck glänzen zudem mit einer fast 30 % schnelleren Transportgeschwindigkeit (Durchschnittsgeschwindigkeit). Die systembedingte höher mögliche Fahrgeschwindigkeit der Lkws reduzierte sich, da im Test die Straßenverhältnisse und auch Ortsdurchfahrten keine schnelleren Geschwindigkeiten erlaubten.

Mit kleineren Schleppern sparsamer transportieren

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Fazit: Der Transport mit dem großen Traktor verursacht die höchsten Gesamtkosten. Der kleinere Schlepper transportiert mit den gleichen Anhängern günstiger und mit der Straßenbereifung können nochmals rund 37 € eingespart werden. Der mit ackertauglicher Bereifung ausgestattete Agro-Truck verursacht gegenüber dem großen Traktorgespann fast 30 % geringere Diesel- und Lohnkosten. Der klassische Lkw-Sattelzug ist nicht zu toppen und kann im Vergleich zum schweren Schleppergespann mit nur 60 % der Diesel- und Lohnkosten transportieren.

Insgesamt sprechen die ermittelten Werte des Vergleichstests klar für den Lkw, aber einzelbetrieblich kann sich das Schleppergespann durchaus besser rechnen, da der Traktor insgesamt eine höhere Auslastung durch den flexiblen Einsatz hat, oder wenn die betrieblichen Transporte nur im Nahbereich erfolgen. So ist immer im Einzelfall zu entscheiden, welches Transportsystem zu welchem Betrieb am besten passt.

Abschiebewägen liegen im Trend

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Die Hersteller bieten für jeden Einsatzzweck den geeigneten Standard-, Spezial- oder Multifunktions-Transportwagen, Rückewagen und Güllefass, Ballentransportwagen sowie die klassischen Ein-, Zwei- und Dreiachskipper, aber auch Muldenkipper sowie Hakenlift-Anhänger, Überladewagen oder die Abschiebewagen in Tandem- oder Triedem-Bauweise, die inzwischen auch als Sattelauflieger mit Tandem-Dolly lieferbar sind.

Nach Einschätzung vieler Landtechnikhersteller – und auch die Verkaufszahlen belegen das – gehört gerade dem Abschiebewagen in größeren zukunftsorientierten land-, forst- und bioenergiewirtschaftlichen Betrieben und in Lohnunternehmen die Zukunft. Er ist Trendsetter, weil seine robuste Technik, seine Flexibilität, sein breiter Einsatzbereich und seine hohe Leistung Transporte noch wirtschaftlicher machen. Zu den Vorteilen des Abschiebewagens gehört neben der höheren Leistung bei der Ernte von komprimierbaren Gütern vor allem die Flexibilität. Sie sind ganzjährig einsetzbar, praktisch alle land-, forst- und bioenergiewirtschaftlichen Rohstoffe können transportiert werden und vorteilhaft bei Transport und beim Entladen ist auch seine Kippsicherheit sowie das Abladen in niedrigen Gebäuden.

Ein kleiner Rückblick verdeutlicht, wie sich am Markt die Größenverhältnisse geändert haben. Vor rund 20 Jahren war der meistverkaufte Anhänger in der Landwirtschaft ein Acht-Tonner-Standardkipper mit Tandemachse, Auflaufbremse und Silageaufbau mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 25 km/h. Heute ist es der Tandem-Muldenkipper mit Druckluftbremsanlage, einer zulässigen Gesamttonnage von 16 t und einer bauartgenehmigten Fahrgeschwindigkeit von 40 km/h.

Leichtere Muldenkipper für mehr Zuladung

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Von Seiten der Landwirtschaft geht der Trend in Richtung noch höherer Geschwindigkeiten und die Fahrzeughersteller bauen gewichtsreduzierte und dennoch hochfeste Muldenkipper für mehr Zuladung. Das bedeutet höhere Nutzlast bei niedrigem Leergewicht, bessere Auslastung, Spritersparnis und maximale Nutzung der Motorleistung des Zugschleppers. Konische Brücken sorgen beim Abkippen für eine vollkommene Entleerung des Laderaums. Wartungsfreie Tandemaggregate mit großem Bodenausgleich und wenig Reibung sollen lange Lebensdauer garantieren und die Grasnarbe schonen.

Weitere Qualitätskennzeichen von Kippern die im Trend liegen sind: Fahrgestell und Rahmen verzinkt, absolut dichte lasergeschweißte Stahlbordwände und ein qualitativ hochwertiger Farbauftrag. Großvolumige Bereifung schont bei Feldfahrten den Boden. Auf der Straße sorgt sie durch geringen Rollwiderstand für zügiges und Kraftstoffsparendes Vorankommen. Vorteilhaft sind beispielsweise eine umsteckbare hydraulische Seitenwandbetätigung, die das Öffnen und Schließen der Bordwände wesentlich erleichtert und vor Unfällen schützt, ein drehbarer Zugholm für Oben- und Untenanhängung oder eine gefederte Zugeinrichtung sowie hydraulische Schiebeachsen für Gewichtsverlagerung und Zugkrafterhöhung.

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Aber immer mehr Betriebe trennen den Transport im Feld. So wird auch bei der Getreideernte das parallele Abtanken immer mehr gefordert, um den Mähdrescher noch effizienter einzusetzen. Hier ist die Nachfrage nach Überladewagen gestiegen. Dieser sollte mindestens 450 t/h fördern und robust sein. Vorteilhaft ist, wenn die klappbare Verlängerung der Überladeschnecke beim Ausschwenken automatisch weit ausklappt mit einem flachen Anstellwinkel. Dadurch steigt die Überladeleistung bei sinkendem Kraftbedarf. Außerdem wird beim Überladen von Dünger und Saatgut am Feldrand sowie Körnerfrüchten im parallelen Ernteverfahren der Abstand von Überlade- zu Transportwagen oder Lkw größer und bringt damit mehr Sicherheit, besonders im hängigen Gelände. Hilfreich sind Sichtfenster an der Stirnseite des Überladewagens, sie verraten dem Fahrer den Füllstand des Saat- und Ernteguts sowie des Düngers.

Ein etwas anderes Transportsystem für den landwirtschaftlichen Bereich ist der Hakenlift-Hänger, der zum Beispiel im Garten- und Landschaftsbau weit verbreitet ist. Bisher hatten diese Anhänger in der Landwirtschaft nur eine geringe Bedeutung. Das hat sich mit der Multifunktionalität der Landwirtschaft geändert. Hakenlift-Anhänger liegen nun ebenfalls im Trend. Auch Betreiber von Biogas-, Hackschnitzel-Heiz- und Recyclinganlagen können vom hohen Rationalisierungseffekt der Hakenlift-Fahrzeuge profitieren.

Hakenlift-Anhänger sind vielseitig einsetzbar

Vor allem bei Lohnunternehmen verdichtet sich die Tendenz, solche Fahrzeuge ganzjährig einzusetzen. Denn für die unterschiedlichsten Einsätze kann mit nur einem Hakenlift-Fahrgestell übers Jahr eine Vielzahl von Containern, auch Abschiebecontainer und sogar voluminöse Güllefässer, transportiert werden. Das spart Fahrgestelle, damit Kosten und schließlich Zeit: vor allem bei Arbeiten, bei denen die Container stationär befüllt werden müssen. Mit dem auf dem Fahrgestell montierten Hakenlift hebt der Traktorfahrer den Abrollcontainer vom Fahrzeug und stellt ihn am gewünschten Ladeplatz ab. Während der Beladung des Abrollcontainers fährt der Traktorfahrer zurück zum Hof, holt dort einen weiteren Container ab, fährt zurück zum Ladeplatz, stellt ihn dort zur Befüllung ab, zieht den mittlerweile beladenen Container per Hakenlift auf das Fahrgestell, befördert die Fracht zum Abladeplatz, lädt sie dort ab und kehrt zurück zum Ladeplatz.

Hydraulische Triebachsen ermöglichen es, mit kleinen Traktoren schwere Anhänger auf schwierigem Feld zu fahren. Das erhöht die Fahrleistung nicht nur auf dem Feld, sondern auch bei Straßenfahrt. Solche hydraulischen Zusatzantriebe werden jetzt auch zusammen mit Bandlaufwerken angeboten. Das Hydraulikaggregat auf dem Anhänger bedingt einen Antrieb mit der Zapfwelle. Die Regelung dieses Antriebs durch den Fahrer ist jedoch sehr anspruchsvoll und unter Umständen kann der Anhänger den Traktor schieben. Es gibt auch eine elektrisch angetriebene Anhängerachse, mit der dieses Schieben sicher verhindert wird. Der Traktor steuert die Antriebsleistung der Triebachse nach seinem eigenen Lastzustand. Voraussetzung: ausreichend elektrische Leistung über einen integrierten Generator.

Klassisches praktisch weiterentwickelt

Viele Hersteller von Transportfahrzeugen bieten technische Weiterentwicklungen oder Neuerungen bei den klassischen Anhängern an wie den Einachs-Hakenlift oder die Systeme „Zwei in Eins“ – Abschiebewagen und Stalldungstreuer, Überladewagen mit Powerband inklusive Rübenreinigung oder Rollbandsystem für Häckseltransportwagen. Das Besondere bei letzterem ist, dass sich ein auf dem Wagenboden montiertes Rollband am Heck des Fahrzeuges abrollt. Das läuft parallel mit der Bewegung des Frontschildes ab. Dadurch soll der Entladevorgang doppelt so schnell „ablaufen“. Kürzlich vorgestellt wurden Trägerfahrzeuge mit Raupenfahrwerk. Auf dem Acker fährt man bodenschonend mit sehr großer Aufstandsfläche. Im Straßentransport-Modus fährt man wie gewohnt auf Reifen. Dabei gibt es verschiedene Andocksysteme.

Sinnvolle Zusatzausrüstungen

Auch einige Zusatzausrüstungen sind sinnvoll und erhöhen die Sicherheit. Eine Aufstiegsleiter, möglichst an der Stirnseite des Wagens montiert, erleichtert den Zugang zum Laderaum. Das Ladegut sollte durch eine Abdeckung geschützt werden. Hier gibt es diverse Lösungen wie eine Rollplane oder Seitenklappen, viele Systeme lassen sich auch hydraulisch vom Schleppersitz aus bedienen. Mit einer Wiegeelektronik lassen sich auf dem Feld die Saat-, Dünge und Erntemenge messen und dokumentiert. Vorteilhaft, wenn Zusatzdisplays mit übergroßen Ziffern das Ablesen des Körnergewichts erleichtern und ein Drucker in einer wasserdichten Box das Ergebnis ausdruckt. Eine Zweikreis-Druckluftbremse sollte heute zum selbstverständlichen Sicherheitsstandard eines Transportwagens gehören, ebenso sinnvoll ist ein hydraulisch bedienbarer Stützfuß, der für sicheren Stand bei abgehängtem Wagen sorgen soll.