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Ausbildung zum Agrartechniker in Landsberg

Agrartechnik: Fragen am Feld beantworten

Ist das Saatgut in der richtigen Tiefe abgelegt: Simon Flingelli (r.) und Christoph Priller (l.) schauen unter der Begleitung von Versuchstechniker Heinrich Weinzierl genau nach. Mit der speziellen Parzellen-Sämaschine wird jede Versuchsfläche aus der vorbereiteten und entsprechend beschrifteten Tüten eingesät.
Helmut Süß
Helmut Süß
am Freitag, 18.11.2022 - 07:33

Selbst Feldversuche planen, durchführen, auswerten: Angehende Agrartechniker in Landsberg lernen nicht nur aus Büchern, sondern auch draußen am Acker.

Es ist Anfang Oktober, ein herrlicher sonniger Herbsttag, der Boden ist gut abgetrocknet, genau richtig für die Herbstbestellung. Doch mit welcher Sorte bzw. Gemengegemisch und in welcher Saatstärke soll man dieses Jahr die Felder bestellen? Diese Fragen stellen sich auch die Studierenden der Technikerschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung Landwirtschaft in Landsberg und ihre Antwort darauf wollen sie auf dem Feld finden.

Allerdings nicht auf irgendeinem Feld: Nordöstlich des Agrarbildungszentrums liegen dessen Versuchsflächen. Dort sind auf über 1000 Parzellen Feldversuche in Mais, Winterweizen, Wintergerste, Braugerste, Triticale, Dinkel und in verschiedenen Leguminosen angelegt – die Studierenden haben dabei mitgeholfen und sie werden sie mit auswerten. Das Wochenblatt war an diesem Oktobertag vor Ort und begleitete die Studierenden, unterstützt vom Versuchsfeldtechniker Heinrich Weinzierl und vom Pflanzenbaulehrer Bernhard Thuy.

Umweltverträglichkeit rückt in den Vordergrund

Nützliche Helfer: Mit dem Mengenteiler werden die Tüten für jede Parzelle aufgeteilt und später nochmal abgewogen.

„Ziel dieser Versuche ist, das im Unterricht gelernte Wissen zu vertiefen, in die Praxis umzusetzen und an das wissenschaftliche Arbeiten im Feldversuchswesen und für den späteren Beruf herangeführt zu werden“, erklärt Thuy. Die Beurteilung der Bodengesundheit, Ermitteln von Schadschwellen oder die Umsetzung und Überprüfung des integrierten Pflanzenschutzes ist auf den Versuchsflächen möglich. „Die Versuchsfragen werden von den Studierenden selbst erarbeitet“, sagt Thuy. Diese ändern sich mit der Zeit – immer mehr beschäftigen sie sich mit der Frage, wie die moderne Landwirtschaft noch umweltverträglicher gestaltet werden kann.

Die beiden Schüler Simon Flingelli und Christoph Priller wollen unter der Begleitung von Versuchstechniker Heinrich Weinzierl verschiedenen Saatgüter bezüglich Ertrag, Qualität etc. miteinander vergleichen. Zum Beispiel Hybrid-Gerste und Hybridweizen im Vergleich zum jeweiligen normalen Z-Saatgut oder der Ertrag von Wick-Roggen als Substrat für die Biogasanlage.

Exaktversuch über die ganze Saison hinweg begleitet

Exakt arbeiten: Nach Erstellen des Felsplans wird für diese Versuche die Saatgutmenge pro Parzelle erst ermittelt.

Der Exaktversuch wird die ganze Saison von ihnen begleitet. Zunächst erstellten die beiden Studierenden einen Feldplan und die 10,5 Meter langen Parzellen wurden angelegt. Dann wurden die Saatgutmengen pro Versuch ermittelt und abgewogen und für die spezielle Parzellen-Sämaschine in entsprechend beschriftete Tüten vorbereitet. Auf dem Feld zeigte Weinzierl vorher die entsprechende Einstellung der Sämaschine. Beim Säen müssen Simon und Christoph dann die Maschine selbstständig bedienen. Natürlich wurde nach den ersten Metern neben den Parzellen auch die Saattiefe kontrolliert.

„Die Möglichkeit, eigene Versuche zu entwerfen und eigenen betriebsindividuellen Fragestellungen auf den Grund gehen zu können, ist eine große Stärke der Technikerschule in Landsberg“, betonte Weinzierl. .

Nährstoffgehalte im Boden messen

Moderne Technik: Mit dieser speziellen Parzellen-Sämaschine werden dann die entsprechend beschriftete Tüten für jede Versuchsfläche eingesät.

„In einem Versuch sollen laufend die Nährstoffgehalte im Boden gemessen, die Wirkung der einzelnen Düngergaben und -formen überprüft und so die Stickstoffeffizienz erfasst werden“, erklärte Thuy. Ziel dabei sei, die Studierenden für die Umweltwirkung ihres Handelns zu sensibilisierten und die natürlichen Ressourcen zu schützen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die mechanische Beikrautregulierung. Denn in den letzten Jahren ist eine Zunahme von Resistenzen und der Wegfall von Wirkstoffen zu verzeichnen. Das führt zur intensiven Auseinandersetzung mit Alternativen zur chemischen Unkrautbekämpfung. Dazu erläuterte Thuy: „Immer mehr rückt in der Praxis die mechanische Beikrautregulierung in den Vordergrund. Eine Gruppe von Studierenden setzte sich dabei mit dem Einsatz von Striegel und Hacke im Raps auseinander.“ In dieser oft sehr intensiv geführten Kultur können durch Verzicht auf Herbizide bis zu zwei Überfahrten mit Pflanzenschutzmitteln eingespart werden.

Beikrautregulierung mit Hacke und Striegel

„Daneben wird der Einsatz des Striegels und der Hacke in klassischen ökologisch geführten Kulturen wie Dinkel getestet. Dank der Investitionen des Bezirks in moderne Geräte können diese Versuchsfragen am Agrarbildungszentrum durchgeführt werden“, hob Thuy abschließend hervor und verwies auf das zunehmende Interesse der Studierenden an alternativen heimischen Eiweißlieferanten wie Lupinen und Kichererbsen. Die Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft hat sich hier als sehr hilfreich erwiesen und erstmals konnte zusammen mit den Studierenden ein Sortenversuch in Kichererbsen durchgeführt werden.

Doch Simon Flingelli und Christoph Priller interessiert zunächst ihre Versuchsparzelle. Auch bei den nächsten Pflegemaßnahmen werden die beiden vom Wochenblatt begleitet. Helmut Süß

Info-Nachmittag Technikerschule Landsberg

Am Samstag, 3. 12. findet ab 13.30 Uhr ein Info-Nachmittag der Technikerschule für Agrarwirtschaft statt. Wer Interesse hat, als Berater, Dienstleister oder Unternehmer zu arbeiten, kann sich dort informieren. Lehrer, Studierende und Absolventen beantworten Fragen rund um die Fortbildung zum Techniker. Ort: Kommerzienrat-Winklhofer-Str. 1, 86899 Landsberg am Lech, Tel. 08191/3358-111