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Messe-Nachbericht

Agraria: Gefragt waren Innovationen

Agraria in Wels: Der Besucherandrang 2022 lag auf dem Niveau der letzten Messe 2016, auch die Investitionsbereitschaft der Landwirte war sehr gut. Aussteller und Besucher und damit auch die Veranstalter sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Messe.
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Redaktion Wochenblatt
am Freitag, 09.12.2022 - 11:26

Ein großer Besucherandrang und eine hohe Nachfrage nach neuen Technologien sorgen für ein positives Resümee der Agraria 2022 im österreichischen Wels.

Zu 430 Ausstellern aus elf Nationen auf rund 76.000 m² Hallenfläche der Agraria 2022 mit dem Motto „Land. Wirtschaft. Erleben“ kamen insgesamt 83.200 Besucher, so der Veranstalter, die Messe Wels. Es herrschte eine äußerst positive Stimmung und eine große Investitionsfreude auf der österreichischen Leitmesse für Landwirtschaft in Wels. Die Themen Digitalisierung, Automatisierung, Nachhaltigkeit und Tierwohl standen dabei im Fokus.

Der ausgezeichnete Besuch, der wieder auf dem Niveau der letzten Messe 2016 liegt, und die zufriedenen Aussteller bestätigen, dass landwirtschaftliche Fachmessen in Wels sehr gut funktionieren, heißt es in der aktuellen Messe-Pressemitteilung: „Wels ist der einzige Messeplatz in Österreich, an dem dieses Ausmaß an Innovationen gezeigt und die gesamte Bandbreite der Landwirtschaft abgebildet wird. Das zieht Besucher aus allen Bundesländern Österreichs und den Nachbarländern an. Besonders erfreulich war, dass zahlreiche Gäste aus Deutschland, Kroatien und Slowenien nach Wels kamen, selbst aus Armenien, Norwegen, Slowenien und Kroatien waren Delegationen zu Gast.“

Gute Stimmung unter Landwirten, zufriedene Aussteller

So kann der Messedirektor Mag. Robert Schneider ein äußerst erfreuliches Resümee ziehen: „Die Stimmung unter den Landwirten war sehr gut und das spiegelt sich auch an den Besucherzahlen der Agraria wider. Im Gegensatz zu anderen Landwirtschaftsmessen in Europa konnten wir die Besucherzahlen halten und an manchen Tagen sogar einen Zuwachs verzeichnen. Die Landwirte blicken positiv in die Zukunft und investierten kräftig. Dementsprechend hoch ist auch die Zufriedenheit der Aussteller.“

Das bestätigt auch die Messeleiterin Petra Leingartner: „Die Agraria Wels ist in Österreich die wichtigste Informationsplattform für Investitionsentscheidungen. Der Erfolg der Messe bestätigt auch das wachsende Interesse für neue landwirtschaftliche Technologien.“ Dies werde durch die hohe Anzahl an Ausstellern verdeutlicht, die beeindruckenden Präsentationen und Innovationen zeigten. Durch den klaren Fokus auf drei Themenschwerpunkte und das umfangreiche Rahmenprogramm fördere die Agraria die Vernetzung zwischen den einzelnen Produktionsbereichen der Landwirtschaft und zeige umsetzbare Lösungen für jede Betriebssparte und -größe. Österreich brauche eine starke Landwirtschaft für eine sichere Versorgung.

Lob und Dank vom Landwirtschaftsminister

Mag. Norbert Totschnig, Bundesminister Land- und Forstwirtschaft war Stammgast in Wels und machte sich selbst ein Bild über Österreichs Leitmesse für Land- und Forstwirtschaft: „Die Agraria Wels ist ein besonderer Ort der Begegnung. Ein Schwerpunkt ist das Thema Innovation. Neue Technologien am Land stärker zu nützen ist aus meiner Sicht ein Gebot der Stunde.“ Diese Messe sei auch die richtige Gelegenheit, den Nutzen von landtechnischer Innovation einem breiten Publikum näherzubringen. „Vielen Dank vor allem auch an unsere Bäuerinnen und Bauern, die uns tagtäglich mit regionalen Lebensmitteln versorgen“, bekräftigte er.

Klimawandel, Tierwohl und Landwirtschaft 4.0

Während der vier Messetage der Agraria war klar erkennbar, dass die Themen Klimawandel, Energie und Tierwohl die Landwirtinnen und Landwirte sehr stark beschäftigen, wie es in der Presseerklärung weiter heißt: „Landwirtschaft 4.0 ist in der Praxis angekommen und man setzt sich aktiv damit auseinander. Es gibt einen klaren Trend zu alternativen Bewirtschaftungskonzepten im Ackerbau, ein besseres Datenmanagement in allen Bereichen und man setzt sich sehr intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit und Ökonomie auseinander.“

In der Landtechnik gehe es immer mehr in Richtung hochwertiger, intelligenter Technik, bessere Auslastung und die Zyklen im Maschinentausch werden größer. In der Land-, Forst- und Energiewirtschaft wird weiterhin investiert, die Wirtschaftlichkeit und maximale Flexibilität stehen jedoch mehr als je zuvor im Fokus.

Gemeinsame Resolution von BBV und Bauernbund

Am Freitag, den 25. November wurde der Österreichisch-Bayerische Bauerntag abgehalten. Hier bekräftigten Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, die Bayerische Staatsministerin Michaela Kaniber, Bauernbund-Präsident Georg Strasser sowie der Bayerische Bauernverband-Präsident Günther Felssner ihre Zusammenarbeit. Corona-Pandemie, Russlands Angriffskrieg in der Ukraine, gestiegene Betriebsmittelkosten, der Klimawandel – wir leben in Zeiten multipler Krisen, die unseren Bäuerinnen und Bauern einiges abverlangen. Zudem beinhaltet der Green Deal EU-Überlegungen, die zu einer Reduktion der Lebensmittelproduktion und verstärkten Importen führen könnten. Angesichts dieser Herausforderungen braucht es einen starken, grenzüberschreitenden Schulterschluss. Der Bauernbund und der Bayerische Bauernverband fordern hinsichtlich der Green-Deal-Vorschläge in einer gemeinsamen Resolution Vertreter der europäischen Institutionen auf:

  • die Versorgungssicherheit zu stärken anstelle weiterer pauschaler Verbote,
  • bürokratische Auflagen abzubauen und wissenschaftlich fundierte Folgenabschätzungen zu initiieren,
  • sowie den Ausbau regional erzeugter, nachhaltiger Bioenergie zu forcieren.

Forschungsprojekte auf dem Bauernhof der Zukunft

Auch die Innovation Farm präsentierte unter dem Motto „Bauernhof der Zukunft“ ihre aktuellen Forschungsprojekte und die neuesten Use Cases auf über 600 m² Fläche. Die Digitalisierung und der Einsatz neuer Technologien für eine nachhaltige, ökologische und ökonomische Bewirtschaftung standen an den vier Tagen im Mittelpunkt. Projektleiter Dr. Markus Gansberger: „Die Aufgabe der Innovation Farm ist unter anderem Aufklärungsarbeit zu leisten und den Zugang zu diesen Technologien zu vereinfachen. Eine Messe ist dazu ideal.“

Der Rinderzuchtverband Oberösterreich (RZO) war auf der Agraria nach sechs Jahren Pause ebenfalls wieder stark vertreten. Die Messehalle 4 wurde zur Rinderhalle umfunktioniert und 70 Elitetiere der Rassen Fleckvieh, Brown Swiss, Holstein und Jersey sowie der Generhaltungsrassen Murbodner, Grauvieh und Pinzgauer konnten dem interessierten Fachpublikum an allen vier Messetagen präsentiert werden. Zusätzlich wurde eine Kollektion an Tieren, die bei der Versteigerung am 1. Dezember in Wels zum Kauf angeboten wird, vorab vorgestellt.

Tierschau mit mehreren Rinderrassen

Beim Preisrichten wurden jeweils drei Fleckvieh-, Brown Swiss-, Holstein- sowie erstmals auf einer Messe eine Jersey-Gruppe vorgestellt. Über alle Rassen hinweg zeigte sich Preisrichter Matthias Fankhauser aus Tirol beeindruckt von der Qualität der ausgestellten Tiere.

Der letzte Messetag stand dann ganz im Zeichen der Züchterjugend, welche mit vollem Elan und voller Begeisterung dem Messepublikum ihr Können zeigte. 35 motivierte und engagierte Jungzüchter im Alter von 9 bis 27 Jahren nahmen am RZO-Vorführcup teil und sorgten für volle Zuschauerränge und tadellose Vorführkünste. Die Österreichische Jungzüchtervereinigung nutzte die Bühne für einen kreativen Bundesländercup.

Die nächste landwirtschaftliche Fachmesse, die AgroTier, findet von 5. bis 8. September 2024 in Wels statt und die nächste Agraria öffnet im November 2026 wieder ihre Tore.