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Abgasreinigung

AdBlue: Streit um Manipulationen

Dicke Luft wegen AdBlue: Streit um Abgas-Manipulationen an Lastwagen
Christel Grommel, Land&Forst
am Mittwoch, 16.11.2022 - 11:41

Um das Mittel AdBlue gibt es dicke Luft, denn scheinbar wird an vielen Lkw die Motorelektronik manipuliert.

Die Einführung von AdBlue sollte den Schadstoffausstoß bei Lastwagen deutlich verringern. Eigentlich. Denn Messungen zufolge wird oft Motorelektronik manipuliert, um die Kosten dafür zu sparen. Mit Emulatoren kann die Abgasreinigung an Lastwagen ausgeschaltet werden.

Die kleinen Geräte sind im Internet zu haben und illegal. Damit lassen sich bis zu 2000 Euro jährlich sparen - die Lastwagen werden dadurch allerdings zu Dreckschleudern, die die zulässigen Grenzwerte für den Schadstoffausstoß weit überschreiten. Bei 7070 Kontrollen im letzten Jahr seien 4,1 Prozent der Lastwagen entsprechend aufgefallen, legen die Zahlen des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) in Köln nahe.

Die tatsächliche Quote liegt wahrscheinlich höher

Diese Zahlen kritisieren der Entwickler der Messgeräte sowie die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Letzere beruft sich auf eigene Messungen. „Wir wissen, dass in Deutschland sehr unvollständig getestet wird. Die Messungen, die wir gemacht haben, zeigen deutlich höhere Werte“, sagt DUH-Experte Axel Friedrich. Bei seinen Messungen hielten nur 46 Prozent der Fahrzeuge der Schadstoffklasse VI den für sie geltenden Schadstoffgrenzwert ein.

Er fordert eine Überprüfung der Lkw schon im Fahrbetrieb, denn mit Messsonden ausgestattete Kontrollfahrzeuge könnten die Manipulationen schneller und treffsicherer erkennen. Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) führe zu wenig und falsche Kontrollen durch, kritisiert auch Andreas Mossyrsch vom Transportverband Camion Pro.

Vor allem osteuropäische Speditionen im Visier

Vor allem Lastwagen aus dem Ausland und den osteuropäischen Ländern sollen im großen Stil die AdBlue-Anlagen manipulieren. Das scheinen auch die Zahlen des BAG zu bestätigen. Von 292 bemängelten Lkw kamen nur 19 aus Deutschland. Die Experten stören sich nicht nur an den unzureichenden Kontrollen: Auch die Bußgelder seien einfach zu niedrig. Strafen von zum Teil 100 oder 120 Euro sind gegenüber Kosten von mehr als 2.000 Euro pro Jahr für AdBlue plus Wartung erschwinglich.