Zukunftstechnik

Bis zu 40 Prozent Diesel sparen

Traktor
Helmut Süß
Helmut Süß
am Donnerstag, 28.11.2019 - 09:07

Der VDMA-Fachverband Landtechnik präsentierte auf der Agritechnica ein Forschungsprojekt zur Treibstoffreduktion durch intelligente Prozesslösungen. Fernziel ist die Klimaneutralität, doch auch kurzfristig ist etwas drin.

Wie können Landwirte ihre Äcker effizienter und gleichzeitig umweltschonender bestellen? Die europäische Landtechnikindustrie kann in Sachen Klimaschutz messbare Erfolge vorweisen. „Wenn es um Kohlendioxid, Stickoxide und Feinstaub geht, kommt niemand an unseren umweltfreundlichen Effizienzlösungen vorbei“, sagt VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer. 

„Landmaschinen und Traktoren haben hierzulande einen Anteil von gerademal 0,7 Prozent an den CO2-Gesamtemissionen. Dennoch sehen wir uns klar in der Verantwortung, einen qualifizierten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, erläutert Scherer.

Mit der Kraftstoff-Frage befasst sich die Landtechnikindustrie schon lange. Das hat auch wirtschaftliche Gründe. Schließlich macht der Kraftstoffverbrauch gut 50 % der Lebenszykluskosten eines Traktors aus. In der Motoren- und Maschinenentwicklung hat sich in den vergangenen Jahren allerdings ein Paradigmenwechsel vollzogen. Aus physikalischer Sicht hat die Branche an vielen Stellen bereits das Maximum dessen erreicht, was die Motorenoptimierung hergibt. Die Zukunft der Kraftstoff­effizienz wird daher in der Gesamtmaschinenoptimierung und vor allem im Prozess gesehen.
Innovative Landtechnik – mehr Ertrag, weniger CO2.

Hochkarätiges Konsortium

Treibstoff

In einem großangelegten, vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt zur „Kraftstoffeffizienz in der Agrartechnik“ ist es einem hochkarätigen Konsortium aus Industrie, Wissenschaft und Verbänden gelungen, hersteller­übergreifend nachzuweisen, dass innovative Maschinen, intelligente Prozess-Steuerung und moderne Bedienkonzepte ertragsbezogen mit einer deutlich geringeren Dieselmenge auskommen als herkömmliche Verfahren.

Die Früchte unserer Effizienz­strategie scheinen jetzt erntereif. „Unterm Strich sprechen wir entlang der landwirtschaftlichen Produktionskette, relativ zum Ertrag gesehen, von einer deutlich abfallenden CO2-Kurve“, sagt Dr. Eberhard Nacke, Vorsitzender des Projektkonsortiums. Ansatzpunkte sind hier intelligentes Antriebsmanagement, automatische Reifendruckregelung, Reduzierung des Leergewichtes eines Traktors oder die konsequente bzw. intelligente Kombination von energieintensiven Prozessschritten wie Bodenbearbeitung und Aussaat. Letzteres spart nicht nur Zeit, sondern auch Kraftstoff und Geld bzw. unnötige Feldüberfahrten. Im Mittel über alle Maßnahmen kann sich eine Reduktion des Kraftstoffverbrauchs pro produzierter Erntemenge von 35 bis 40 % in dem Zeitraum von 1990 bis 2030 auf den betrachteten Modellbetrieben einstellen.
Diese Zahlen und vielfältige Handlungsempfehlungen für Industrie, Politik und Landwirte sind Ergebnisse des Projekts EKoTech „Effiziente Kraftstoffnutzung der Agrartechnik“ unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Ludger Frerichs vom Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge an der TU Braunschweig. Ziel war es, Kraftstoff- und damit CO2-Einsparpotenziale beim Einsatz von Landtechnik in der Pflanzenproduktion aufzuzeigen und mess­bar zu machen.

Komplexe Computersimulationen, Modellrechnungen und empirisch erhobene Datensätze weisen diese Spannbreite als praxisnah aus. Damit bewegt sich die Landtechnikindustrie auf einem Effizienzpfad, der den ambitionierten klimapolitischen Vorgaben in Europa gerecht wird.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Alternative Kraftstoffe und Antriebe, Fahrerassistenzsysteme und intelligente Formen des Maschinen- und Datenmanagements sind darüber hinaus aktuelle Entwicklungsfelder und Potenzialträger, um die landtechnische CO2-Bilanz weiter zu optimieren. „Wenn man sich all das vor Augen führt, was momentan in der Pipeline ist, haben wir allen Grund, optimistisch nach vorne zu blicken“, sagt Eberhard Nacke, der überzeugt ist, dass die Landtechnikbranche entscheidend zur klimaneutralen Landwirtschaft von morgen beiträgt.

Damit das große Portfolio intelligenter Technik- und Prozess­ideen möglichst bald die notwendige Marktdurchdringung erreicht, hält der VDMA flankierende politische Maßnahmen auf EU-Ebene für unverzichtbar: „Wir brauchen jetzt Investitionsanreize für klimafreundliche Landmaschinen und Traktoren, eine konsequente CO2-Bepreisung, um die Attraktivität von Innovationen zu steigern und Technologieoffenheit, damit sich die besten Ideen im Wettbewerb durchsetzen können“, resümiert Scherer.