Planung von Windkaftanlagen

Windenergie: Artenschutz vereinfachen

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 05.05.2021 - 14:57

Regional definierte Zonen mit vermehrtem Auftreten von windenergiesensiblen Arten sollen artenschutzrechtliche Konflikte bereits bei der Planung vermindern.

Greifvogel

Das Konzept beruht auf sogenannten Dichtezentren. Es sieht vor, über ausgewiesene Schutzgebiete hinaus Bereiche zu identifizieren, die eine hohe Siedlungsdichte reviertreuer Arten aufweisen. Darüber hinaus sollen diese Gebiete in einigen Bundesländern die Funktion einer (Quell-) Population erfüllen: Durch Reproduktionsüberschüsse in den Dichtezentren sollen Individuenverluste an anderer Stelle ausgeglichen werden. Im Gegenzug sollen Windenergieanlagen dann in den dafür ausgewiesenen Gebieten realisiert werden können.

Eine Reihe von Bundesländern hat die Dichtezentrenausweisung bereits in ihre jeweiligen Leitfäden und Erlasse aufgenommen. Welche Ansätze es in den Ländern gibt, zeigt ein Gutachten des Planungsbüros Bosch & Partner im Auftrag des KNE.

Dichtezentren werden derzeit zumeist für den Rotmilan, in einigen Ländern aber auch für weitere windenergiesensible Vogelarten ausgewiesen. Das können Gebiete mit hoher Individuendichte, aber auch seltene Einzelvorkommen sein. In Hessen wurden auch Schwerpunktvorkommen  für Fledermäuse abgegrenzt.

Bei der Ermittlung von Dichtezentren werden unterschiedliche Kriterien und Methoden angewendet: In manchen Ländern ist im Wesentlichen die Brutpaardichte pro Flächeneinheit ausschlaggebend, in anderen wird auch die Habitatausstattung in die Abgrenzung einbezogen. So entstehen in den Ländern Dichtezentren mit unterschiedlichem räumlichen Umgriff.

Mit Material von Planungssicherheit gefordert

In einem digitalen Fachgesprächs am 29. April 2021 wurden einzelne Länderkonzepte und deren Besonderheiten vorgestellt und eine Reihe fachlicher und methodischer Fragen diskutiert:  Anhand welcher Kriterien grenzt man solche Gebiete sinnvoll ab, und wie weist man nach, dass sie die gewünschte Funktion als Quell-Population auch erfüllen? Wovon hängt es ab, ob für alle windenergiesensiblen Arten Dichtezentren ermittelt werden oder nur für ausgewählte? Reichen die vorliegenden Brutvogelkartierungen aus, und in welchen zeitlichen Abständen sind Fortschreibungen erforderlich? 

Elke Bruns vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende betonte, dass die Ausweisung von Dichtezentren auf soliden fachlichen Füßen stehen sollte, zumal sie Auswirkungen auf die Nutzbarkeit des Raumes und – in einigen Ländern – auch auf die Zulässigkeit von Windenergieanlagen haben. Idealerweise sollte man länderübergreifend im Zuge von Fortschreibungen zu einheitlicheren Vorgehensweisen und Konzepten kommen. 

Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann präsentierte eine Studie, die aufzeigt, wie auf der Grundlage einer Brutvogelkartierung und unter Berücksichtigung von Abstandsradien bundesweit Dichtezentren abgegrenzt werden könnten. Demnach stünde mit den auf Basis dieser Methode ermittelten Dichtezentren mindestens zwei Prozent (und damit noch ausreichend) Fläche für die Windenergienutzung zur Verfügung. Voraussetzung sei allerdings, dass die Windenergieanlagen auf den Flächen außerhalb der Dichtezentren entweder im Rahmen der Regelgenehmigung (Signifikanzprüfung) oder durch die Erteilung von Ausnahmen genehmigt werden würden. Ob diese Voraussetzung erfüllt werden kann, ist gegenwärtig jedoch nicht absehbar.