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Energie aus Bioabfall

Wärmeversorgung: So viel Energie steckt im Bioabfall

Bioabfall
Anna Maria Buchmann
am Freitag, 10.06.2022 - 10:21

Jährlich werden in Deutschland 14,5 Millionen Tonnen Bioabfälle zu Wärme, Strom oder Biogas weiterverarbeitet. Doch da ist noch Luft nach oben, sagt der Fachverband Biogas auf einer Pressekonferenz.

Ganze 4,5 Millionen Tonnen Biomüll werden aktuell nämlich nicht zur Biogaserzeugung genutzt. Diese könnten eine Million Megawattstunden Strom liefern und damit 360.000 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen. Das erklärte der Fachverband Biogas zum Auftakt der IFAT, der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft in München.

Durch Mülltrennung mehr Bioabfälle verwerten

Dass besagte 4,5 Millionen Tonnen nicht genutzt werden, liegt hauptsächlich an einer falschen Mülltrennung. Im Restmüll landen jährlich 4 Millionen Tonnen Bioabfall. Weitere 500.000 Tonnen gehen für die energetische Nutzung verloren, weil die Abfalltonne verunreinigt ist und resultierende Reinigungsschritte das Biogut unverwertbar machen. Durch einwandfreie Mülltrennung würde das verlorene Potenzial nutzbar.

Bioabfälle als regionale Energiequelle: Ein Zukunftsmodell?

400 deutsche Bioabfall-Vergärungsanlagen verarbeiten derzeit 14,5 Millionen Tonnen Abfälle pro Jahr, bestehend aus Biogut, Grüngut und Gewerbeabfällen. Das gesamte Potenzial ist damit noch lange nicht ausgeschöpft. Bioabfälle könnten in Zukunft intensiver als Energiequelle genutzt werden und einen sicheren Beitrag zur Wärmeversorgung leisten.

In Bayern fallen jährlich 2,4 Millionen Tonnen Biomüll an. Diese könnten bei konsequenter Nutzung ein Viertel aller bayerischen Wohngebäude mit Wärme versorgen, rechnet Josef Metzger vom Verein „Das bessere Müllkonzept Bayern“ vor. 

Dafür braucht es einen Ausbau der Blockheizkraftwerke und Biogasanlagen sowie einen besseren Anschluss an die Biotonne. Ihre Nutzung ist vielerorts nur freiwillig und muss extra beantragt werden.

„Über die flächendeckende Einführung der Biotonne, sauberes und konsequentes Trennen und den Zubau an Biogasanlagen ließe sich mittel- bis langfristig sehr viel zusätzliche klimaneutrale und regionale Energie erzeugen – ohne dass hierfür Energiepflanzen angebaut werden müssten“, betont der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez. Außerdem könnten bei der Gärung entstandene Gärprodukte und Kompost als organische Düngemittel eingesetzt werden.

Politik soll Biogas fördern

Der Bau einer Biogasanlage ist aufgrund zunehmender bürokratischer Hindernisse jedoch ein schleichender Prozess. „Vom ersten Antrag bis zur fertigen Anlage vergehen in der Regel zwei bis drei Jahre. Die Auflagen werden immer komplizierter und aufwändiger. Damit werden die Anlagen erheblich teurer, aber nicht unbedingt besser. Hier wäre etwas mehr Augenmaß angebracht.“ sagt Christoph Spurk, Vizepräsident des Fachverbandes Biogas und Geschäftsführer einer Herstellerfirma. Der Verband fordert daher ein klares Bekenntnis der Politik zu Biogas und den Ausbau des deutschen Biogasanlagenparks.