Energiewende

Wärmesektor macht über 50 % des Energieverbrauchs aus

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 13.07.2021 - 09:19

Bislang beruht die Wärmeversorgung in Deutschland noch zu weit über 80 Prozent auf fossilen Energien und hat sich im letzten Jahrzehnt kaum verändert.

Holz

Um den Klimawandel zu begegnen, strebt die Bundesregierung bis 2045 eine Klimaneutralität für Deutschland an. Dazu müssen die einzelnen Sektoren ihre Beitrag leisten. Die "Big Player" beim CO2-Ausstoß sind der Wäremesektor und der Verkehr, während die Landwirtschaft mit einem einstelligen Ausstoßanteil die "letzte Geige" spielt. Gerade bei den Großen geht aber nur wenig voran.

Der Verein der Ingenieure (VDI) hat nun noch einmal bekräftigt, dass ohne die Energiewende im Wärmesektor ist das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel der Klimaneutralität nicht zu erreichen sei. Allerdings stehe die Wärmewende noch ganz am Anfang: Bislang beruht die Wärmeversorgung in Deutschland noch zu weit über 80 Prozent auf fossilen Energien und hat sich im letzten Jahrzehnt kaum verändert.

Wärmesektor macht mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs aus

Im Jahr 2019 machten Raumwärme, Prozesswärme und Warmwasser mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs in Deutschland aus, der Klimakältebedarf gerade einmal ein halbes Prozent. Die Dynamik der Wärmewende bezeichnet der VDI als bislang mangelhaft. In der Publikation „Bausteine für eine klimaneutrale Wärmeversorgung“ unterbreitet er Vorschläge für die Umgestaltung des Wärmeversorgungssystems in Deutschland.

Die Wärmewende umfasst Aktivitäten, die darauf abzielen, Wärmeenergie einzusparen und den Wärmeverbrauch zu fossilieren, vor allem durch die Nutzung Erneuerbarer Energien. Die Autorinnen und Autoren sind sich einig, dass eine klimaneutrale Wärmeversorgung die hohe Versorgungssicherheit erhalten, die Kosten der Wärmeversorgung begrenzt halten, eine nahtlose Integration des Wärmesektors in das Gesamtenergiesystem ermöglichen und eine stabilisierende Wirkung auf andere Energiesektoren entfalten sollte. 

Biogene Brennstoffe können einen Beitrag leisten

Der größte Reduktionsbeitrag an CO2 befindet sich laut der Publikation im Gebäudesektor. Energetische Gebäudesanierung, optimiertes Anlagendesign und intelligente Steuerung bieten große Effizienzpotenziale. Neue, digitale Techniken ermöglichen die umfassende Überwachung (Monitoring), das automatische Identifizieren von Ineffizienzen und deren Ursachen sowie eine selbständige Fehlerbehebung und Optimierung von Wärmesystemen.

Um eine klimaneutrale Raumwärmeversorgung zu ermöglichen, braucht es darüber hinaus erneuerbare Energien, die unabhängig von der Jahreszeit zur Verfügung stehen. Darunter fallen grüne Fernwärme, biogene Brennstoffe, mit erneuerbaren Quellen erzeugte Gase und erneuerbar erzeugter Strom. Für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien braucht es gesetzliche, regulative und ökonomische Rahmenbedingungen. Instrumente hierfür sind die Verteuerung von fossilen Energien durch eine deutliche Erhöhung der CO2-Abgabe, die Erhöhung der Quote für erneuerbare Energien zur Wärmeerzeugung im Gebäudeenergiegesetz (GEG), ein Verbot der Nutzung von fossilen Energieträgern im GEG, oder eine Verpflichtung zur Installation von Solaranlagen bei Neubauten. 

Die Publikation gibt Politik und den Marktakteuren Impulse und Orientierung für die Wärmewende. Sie zeigt verschiedene Bausteine auf, wie zum Beispiel die verschiedenen Möglichkeiten klimaneutraler Wärmequellen oder die unterschiedlichen Methoden zur Wärmespeicherung. Sie beinhaltet viele Tipps zum Entwickeln und Planen von nachhaltigen Wärmeversorgungslösungen. Die vollständige VDI-Publikation „Bausteine für eine klimaneutrale Wärmeversorgung“ ist kostenfrei zugänglich.